Kein Anpfiff an den Feiertagen - Fußballer genervt

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Zum Zuschauen verurteilt: Ante Markesic, Trainer der SG Eiterfeld/Leimbach.

Fußballer, die sich in den vergangenen Jahren über die Hatz der Nachholspiele an Ostern beschwerten, lernen jetzt die andere Seite kennen. Und müssen tatenlos zuschauen.

Christian Pfeiffer, Spielertrainer des Kreisliga-A-Tabellenführers SG Neuenstein, hat jetzt mehr Zeit für seine Kinder. Da auch Ehefrau Janina ihren Friseursalon schließen musste, kommen die Kleinen voll auf ihre Kosten. Spazieren gehen oder kleine Radtouren mit Elias (4), im Garten tollen oder nur ein Eis auf dem Balkon – dass gefällt auch Linn-Marie (10 Monate). Und da es am Neubau in Niederaula noch viel zu tun gibt, herrscht keine Langeweile.

Doch zurück zum Fußball. „Den Jungs kribbelt es in den Füßen. Immer nur laufen und gymnastische Übungen nerven auf Dauer. Wir haben uns daher eine Lauf-Challenge ausgedacht. Jeder, der teilnimmt, gibt per Whats-App seine Daten ein, die ich dann kontrolliere und protokolliere. Die drei, die am Ende die meisten Kilometer gelaufen sind, erhalten eine kleine Aufmerksamkeit“, berichtet Pfeiffer. 20 Kicker nehmen teil. „Aber richtiges Training sieht halt anders aus.“

Pfeiffer beschäftigt ein anderes Problem: Wie wird die Saison gewertet, wie sieht es mit Auf- und Abstieg aus? „Hier ist der Verband dringend gefordert. Wie soll man sonst planen?“

Ähnlich sieht das auch Thorsten Hüter, Coach des Kreisoberligisten SG Festspielstadt/SVA/SpVgg. „Wir stehen auf dem zweiten Platz, in Sichtweite von Tabellenführer ESV Hönebach. Da wäre also, zumal wir den ESV noch zu Hause empfangen würden, alles drin in Sachen Gruppenliga-Aufstieg. Doch so ist es eine unklare Situation, und ich persönlich glaube nicht daran, dass die Saison zu Ende gespielt wird.“

Während Hüter selbst zwischen seinem Büro bei der im Bereich Maschinen- und Anlagenbau tätigen Firma Grenzebach und dem Homeoffice pendelt, versieht Ehefrau Katharina ihren Dienst im Kreiskrankenhaus. Zum Glück seien Sohn Mika (15) und Tochter Luca (10) schon sehr selbstständig und ganz froh, wenn die „Alten“ mal weg seien, scherzt Hüter.

„Eigentlich hatte ich meinen Urlaub wegen eventueller Nachholspiele nach Ostern geplant, das konnte ich jetzt zum Glück kostenlos stornieren“, sagt Hüter.

Voller Unverständnis über den hessischen Fußball-Verband zeigt sich Tino Jäger, der den aktuellen Tabellenführer in der Kreisoberliga, ESV Hönebach, trainiert. „Worauf bitte will der Verband noch warten? Es wird allerhöchste Zeit, den Vereinen ein Zeichen zu geben, in welche Richtung es geht“, meint Jäger, der an sich als Lehrkraft in einer Förderschule in Bad Salzungen arbeitet. Während er jetzt die beiden Töchter Zazou (8) und Solè (4) zu Hause betreut, fährt seine Ehefrau als Diplom-Ökonomin jeden Tag vom Wohnort Unterbreitzbach nach Fulda. „Jetzt ist der Papa voll gefordert und im Stress. Während die Große mit Schularbeiten beschäftigt werden muss, will die Kleine basteln und spielen“, sagt Jäger.

Während seine Spielern nach und nach in ihren Möglichkeiten eingeengt wurden und so nur ein Fitnessprogramm bleibt, nagt am Trainer die Ungewissheit merklich. „Bei den Profis wurde ein Zeitfenster genannt, bei uns nicht. Die Profisaison wird gnadenlos durchgeprügelt, weil unendlich viel Geld auf dem Spiel steht. Und bei uns? Was wird, wenn wieder ein Spieler erkrankt? Sollen wir Spiele ohne Zuschauer bestreiten, was uns nötige Einnahmen durch den Verzehr kostet?“

Erstaunlich gelassen nimmt dagegen Ante Markesic, Trainer des Fußball-Gruppenligisten SG Eiterfeld/ Leimbach, die momentane Situation. „Zu allererst müssen wir die Krankheit in den Griff bekommen, alles andere ist nicht so wichtig. Die Gesundheit aller Menschen steht jetzt im Vordergrund. Und ich appelliere, dass sich alle an die Vorschriften halten, auch wenn es schwerfällt“, sagt der als Physiotherapeut im Bad Hersfelder Krankenhaus tätige Kroate Stellung. Seine Frau hat ihren Kosmetik-Salon momentan geschlossen.

„Ich vertreibe mir die Zeit durch Spaziergänge im Wald und mit üblichen Läufen, genauso, wie ich es von meiner Mannschaft verlange und sie dies bisher auch diszipliniert angeht“, berichtet Markesic.

Von Michael W.Rimkus

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