Der Junioren-Fußballer Leandro Zachartschuk schaut nach einer Krebserkrankung wieder nach vorn

Ein Kämpfer auch abseits des Platzes

Darf wieder Fußball spielen: Leandro Zachartschuk aus dem Eiterfelder Ortsteil Wölf. Foto: Goldbach

Wölf. Auf dem Fußballplatz hat Leandro Zachartschuk schon einige Kämpfe bestritten. Sein Name stand bei der JSG Eitratal für Torgefahr über die linke Außenbahn. Große Clubs hatten Interesse. Doch acht Monate lang musste der 14-Jährige aus Eiterfeld-Wölf einen Kampf überstehen, der ihn sein Leben hätte kosten können. Den Kampf gegen die Leukämie.

Dies könnte nun eine Geschichte über viel Leid und Tragik werden. Über schlaflose Nächte der Familie aus dem kleinen Eiterfelder Ortsteil, Ängste eines damals 13-Jährigen, dessen Leidenschaft schon immer der Fußball war. Doch Mitleid möchte niemand der Zachartschuks. Vielmehr freut sich die Familie über jeden, der sich mit ihnen freuen kann, dass es Leandro im Moment sehr gut geht.

Doch klar: Die Geschichte klingt tatsächlich nach einem dieser Fußballfilme, die mit dem großen Happy End im Stadion vor tausenden Zuschauern enden. Hauptprotagonist: Linksfuß Leandro Zachartschuk, der seit seinem vierten Lebensjahr auf dem Dorfsportplatz kickt. Und auf dessen Talent irgendwann auch Vereine wie Eintracht Frankfurt oder Mainz 05 aufmerksam werden. Einladungen zum Probetraining folgen und werden angenommen.

Gute Chancen

Erst Anfang November 2012 ist der Realschüler wieder in Mainz, sagt heute: „Die Chancen, dass sich der Verein für mich entscheidet, standen gar nicht so schlecht.“ Doch nur eine Woche später wird sich das Leben des großen Eintracht-Fans, der am Mittwoch seinen 15. Geburtstag feierte, von heute auf morgen schlagartig ändern. Vater Dirk kann sich an jenen November-Samstag noch genau erinnern. Mit der JSG Eitratal war sein Sohn gegen Horas im Einsatz. „In dem Spiel ging gar nichts. Er war völlig platt, hat zu keinem Spurt angezogen und ist dann auch früh wieder raus. So kannten wir ihn gar nicht“, berichtet der 40-Jährige. Um der Sache nachzugehen und auch endlich herauszufinden, woher das ständige Nasenbluten kommt, folgte zwei Tage später bei einem Arzt in Hünfeld eine Untersuchung. „Da haben wir uns schon gewundert, dass der Arzt kaum etwas sagt. Er wollte nur ein Blutbild machen. Im Nachhinein wissen wir, dass er die Lymphknoten an diesem Tag schon getastet haben muss“, erinnert sich Mutter Simone (44), für die der richtige Schock drei Tage später folgte. Anruf des Arztes: Tasche packen, Leandro muss schnellstmöglich vorbeikommen. In Hünfeld die Information über den Verdacht, im Klinikum Fulda dann die bittere Bestätigung: Leukämie, Blutkrebs, sofortige Verlegung in die Kinderklinik Gießen. Auch die erste Konfrontation mit dem Gedanken, dass die Krankheit tödlich enden könnte, folgte.

Angst saß tief

Auch wenn Leandro heute ganz gefasst über seine Krankheit sprechen kann, muss er doch zugeben, dass der Schock und die Angst in den ersten Wochen tief saßen. Doch die Familie musste stark sein, auch für die damals zehnjährige Lelia, das Nesthäkchen, das sich große Sorgen um seinen Bruder machte. „Wir sind da reingewachsen“, sagt Simone Zachartschuk im Nachhinein. Mut machte von Beginn an die Aussage der Ärzte in Gießen, dass der Krebs früh erkannt wurde und die Heilungschancen gut sind.

Von Viktoria Goldbach

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