Pionierarbeit in Ludwigsau

JFV Ludwigsau wird zum Jugendfußballclub

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Sorgt dafür, dass sich ständig was dreht im Nachwuchsfußball der Gemeinde Ludwigsau: Tino Hölzer. Aus dem Jugendförderverein wird jetzt ein Jugendfußballclub. 

Ludwigsau. Aus dem Jugendförderverein Ludwigsau wird in der kommenden Saison ein Jugendfußballclub. Dieser Schritt ist bislang einmalig in Hessen. Ein Interview mit Tino Hölzer.

Herr Hölzer, warum haben Sie diesen Schritt vollzogen? Was steckt dahinter?

Tino Hölzer: Unser Ansatz war, künftig mit eigenen Strukturen und eigenen handelnden Personen arbeiten zu wollen. Raus aus dem Modell des Jugendfördervereins, das 2012 vom Hessischen Fußballverband gegründet wurde, um die leistungsstarken Spieler einer Region zu konzentrieren.

Worin besteht die Problematik eines Jugendfördervereins?

Hölzer: Der JFV-Status war seinerzeit für viele Vereine interessant und stellte eine Alternative zum Modell der Jugend-Spielgemeinschaft dar. Der JFV ist mit Vorteilen, aber ebenso mit Nachteilen verbunden. Vorteile liegen in der Struktur und der Beteiligung der Stammvereine. Wir in Ludwigsau waren ja seit 2012 auch unter dem Dach eines JFV, haben aber anfangs ein bisschen das Leistungsprinzip außer Acht gelassen. Dass man beispielsweise dazu verpflichtet ist, in den Jahrgängen D- bis A-Junioren mindestens drei Altersklassen zu besetzen. Schafft man das nicht, verlieren alle anderen Jugendmannschaften ihr Spielrecht.

Das kann also nicht mehr die Zukunft für den Nachwuchs in Ludwigsau sein?

Hölzer: Das wollen und können wir einfach nicht mehr erfüllen. Wir wollen raus aus diesem Hamsterrad. Ich will das entspannt sehen und nicht in jedem Jahr zittern müssen. Wir müssen das mal in Kauf nehmen in der ländlichen Region, dass wir nicht alle Altersklassen besetzen können. Derzeit haben wir ja keine B- und keine A-Jugend. Als kleiner Verein hast du ja – je nach Jahrgangsstärke – immer wieder mit diesem Problem zu kämpfen. Das ist nicht nur in unserem Landkreis der Fall. Der JFV-Gedanke ist gut gemeint, scheitert aber an der Konkurrenz-Situation der Vereine. Es geht um die Frage: Gibt es eine Alternative?

Worin liegen also dann die Vorteile?

Hölzer: Wir sind ein eigenständiger Verein und haben eine eigene Struktur. Und sind vollwertiger Partner des HFV. Mit eigenem Namen, eigener Marke, eigener Identität. Das ist auch für die Jungs wichtig.

Stimmt es, dass der JFC Ludwigsau der erste Verein in Hessen ist, der diese Umwandlung vollzogen hat?

Hölzer:Ja, und ich bin der Meinung, dass sich künftig andere Vereine in kleineren Gebieten damit beschäftigen müssen. Unsere JFC-Lösung könnte ein Präzedenz-Fall sein.

Müssen für mehr als 100 Kinder und Jugendliche jetzt neue Pässe ausgestellt werden?

Hölzer: Rechtlich ist das okay, in vielen Gesprächen und in enger Abstimmung mit dem HFV ist es mir gelungen, die Kosten herunter zu fahren und eine gute Lösung zu finden.

Viel Arbeit, oder?

Hölzer:Wenn ich überlege, wie viele Stunden ich kooperiert habe mit dem HFV. Ich habe eine eigene Satzung aufgestellt, sie in Zusammenarbeit dem HFV festgelegt und beim Amtsgericht eingereicht.

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