„Ich will keine Micky Maus in der Halle“

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Handball vor vollen Rängen – so wie hier Anfang des Jahres in der Hersfelder Geistalhalle – wird es in der kommenden Saison wohl kaum geben.

Am 12. September beginnt die Handballserie. Wie die Hygienevorgaben umgesetzt werden könnten - dazu  äußern sich Verantwortliche.

Werner Hampe, beim TV Hersfeld zuständig für die Pressearbeit. Foto: privat

Werner Hampe, der beim Handball-Landesligisten TV Hersfeld für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, hat die Entscheidung des Verbandes mit Kopfschütteln registriert. „Wie sollen denn bitte Amateurvereine die Vorgaben realisieren, um Heimspiele vor Zuschauern austragen zu können“, fragt er sich.

Allein die Registrierung der Zuschauer am Eingang – natürlich mit Abstand – würde viel Zeit und noch mehr Platz in Anspruch nehmen. Dazu würden die meisten Hallen die Möglichkeit für getrennte Ein- und Ausgänge gar nicht bieten. Hampe sieht aber noch eine andere Schwierigkeit. „Wir haben oftmals zwei oder drei Spiele hintereinander. Wie sollen wir denn in den kurzen Zeitfenstern die Halle säubern und desinfizieren“, fragt er.

Die größte Sorge bereitet Hampe aber, dass vielleicht nicht alle Handballfans die Situation tatsächlich ernst nehmen. „Ich will keinen Donald Duck oder Mickey Maus in der Halle haben, und wir können dann im Ernstfall die Infektionsketten nicht nachvollziehen, weil falsche Angaben gemacht wurden.“

Eine Saison ohne Zuschauer wäre für die meisten Vereine aber eine mittlere Katastrophe. Denn die Lage ist bescheiden. Viele Kosten laufen seit vier Monaten weiter, während die Einnahmen zum großen Teil weggebrochen sind. Kein Cent aus Eintrittsgeldern oder dem Verkauf von Speisen und Getränken ist seit Mitte März in die Kassen geflossen. Auch viele Werbepartner sind mit ihren Unternehmen ebenfalls von der Corona-Krise erwischt worden.

Michael Strauchmann, Vorstandsmitglied der TG Rotenburg Foto: Thomas Walger/ar

80 000 Euro beträgt zum Beispiel der Jahresetat der Handballabteilung der TG Rotenburg. 60 Prozent davon waren bislang allein durch Zahlungen der Werbepartner abgedeckt. Die hielten sich jetzt aber bedeckt, berichteten die TGR-Vorstandsmitglieder Reiner Wollrath und Michael Strauchmann kürzlich. „Ohne Zuschauer können wir das Gebetbuch zumachen“, sagt Michael Strauchmann und denkt dabei nicht nur an die 5000 Euro, die pro Saison allein für die Handball-Schiedsrichter anfallen.

Bodo Ruch, Vorstandsmitglied der HSG Werra WHO. Foto:Thomas Walger /ar

Das gilt auch für Liga-Konkurrent TVH. Werner Hampe verrät, dass die Einnahmen aus dem Catering ein Drittel des Etats ausmachen würden, ohne aber konkrete Zahlen zu nennen. Er weist zudem auf die Kosten für den Bus zu Auswärtsspielen hin, die sich pro Saison um die 7000 Euro belaufen. Und man kann sich ausmalen, dass Landesliga-Handballer nicht für eine Bockwurst pro Partie auflaufen, sondern dass bei den Klubs auch Aufwandsentschädigungen anfallen.

Beim Bezirksoberligisten HSG Werra WHO fühlt man sich seitens des Verbandes allein gelassen. „Wir finanzieren uns über Eintrittsgelder, Catering und kleinere Sponsoren. Ohne Zuschauer hat es für uns keinen Wert“, sagt Ralf Lotz aus dem Vorstandsteam. Kämen keine Zuschauer, könnten Sponsoren auch gleich auf Werbung in der Halle verzichten. Sein Vorstandskollege Bodo Ruch weist zudem auf den „Mordsaufwand“ für die Vereine hin. „Personell ist das für uns kaum zu stemmen“, sagt er – und würde einen späteren Saisonstart favorisieren.  hex

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