Kemmerzell vor dem Topduell: „Ich bin sicher kein Schwätzer“

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Noch immer schwer zu halten: Das Foto zeigt Marco Kemmerzell in dieser Saison. Der 37-Jährige ist derzeit drittbester Torjäger der Landesliga. 

Bad Hersfeld. Marco Kemmerzell macht Schluss. Nach neun Jahren beim TV Hersfeld hört der Spielmacher des Handball-Landesligisten nach dieser Saison mit dem Leistungs-Handball auf. Vor dem heutigen Topspiel gegen die MT Melsungen II (18.30 Uhr) haben wir mit dem 37-Jährigen gesprochen.

Marco, am Saisonende ist Schluss für Sie. Erklären Sie uns bitte warum ...

Marco Kemmerzell: Ich will mich nach all den Jahren vom Leistungs-Handball zurückziehen. Der TVH wird die neue Saison ohne mich planen. Ich werde nur noch „just for fun“ ins Training gehen und im größten Notfall vielleicht mal aushelfen.

Hätten Sie anfangs gedacht, dass sie eine so lange Zeit für den TVH spielen werden?

Kemmerzell: Darüber habe ich mir eigentlich keine Gedanken gemacht. Und danach eigentlich auch immer nur von Jahr zu Jahr geschaut.

Warum sind es dann neun Jahre in Hersfeld geworden?

Kemmerzell: Es hat immer alles gepasst. Im Umfeld mit Karl-Heinz Hüter, Werner Hampe und Stefan Siebert zum Beispiel. In der Mannschaft mit guten Typen – und eigentlich haben wir ja auch immer Erfolg gehabt.

Welches ist die schönste Erinnerung nach all den Jahren?

Kemmerzell: Da gibt es einige. Die Oberliga-Aufstiege waren klasse. Der sensationelle Pokalsieg nach Verlängerung gegen Gensungen/Felsberg oder auch das Vorbereitungsspiel gegen Vezprem.

Fällt Ihnen auch ein Negativerlebnis ein?

Kemmerzell: Naja, die Abstiege aus der Oberliga waren natürlich nicht so toll. Aber irgendwie auch nicht wirklich zu vermeiden.

Achtung Fettnäpfchen: Wer war eigentlich Ihr bester Mitspieler in all der Zeit?

Kemmerzell: Oha. Da will ich eigentlich keinem zu nahe treten, weil wir viele gute Spieler hatten und auch noch haben. Aber Kai Hüter war und ist schon ein Ausnahme-Torwart. Das muss man so sagen.

Heute wartet das letzte Topspiel im Trikot des TVH auf Sie. Wie ist Ihre Gefühlslage?

Kemmerzell: Naja, nervös bin ich nicht (lacht). Es ist aber schon ein super Spiel, auf dass wir die ganze Saison hingearbeitet haben. Es wird ein toller Abschluss für mich und ist natürlich etwas ganz anderes als zum Beispiel ein Auswärtsspiel in Dittershausen.

Was erwarten Sie von diesem Duell?

Kemmerzell: Ich denke schon, dass wir das Spiel eng halten können, wenn wir nicht so schlecht starten wie beim Hinspiel in Melsungen. Damals lagen wir nach der Halbzeit schon mit mehr als zehn Treffern zurück. In unserer Halle sehe ich uns nicht als Außenseiter. Wir wollen das Ding gewinnen – ganz klar.

Hätte der TVH Ihrer Meinung nach eine Zukunft in der Oberliga?

Kemmerzell: Also vom Umfeld her ist die Oberliga absolut machbar. Das haben wir ja schon gesehen. Aber es ist halt schwer, einen breiten, oberliga-tauglichen Kader zusammen zu bekommen. In den Oberliga-Jahren hatten wir schon eine gute erste Sieben. Aber das reicht in dieser Klasse nicht aus. Von daher wäre die Oberliga wohl schon ein Abenteuer für Hersfeld.

Und wie sehen Sie Ihre eigene Zukunft?

Kemmerzell: Ich freue mich über etwas mehr Freizeit. Das heißt aber nicht, dass es mir langweilig werden wird. Die Familie wird mit drei kleinen Kindern im Vordergrund stehen. Ich habe immer alles um den Handball herum planen müssen. Das wird sich jetzt ändern. Und ich kann vermehrt meinen Hobbys Fahrradfahren, Motorradfahren und auch Skifahren nachgehen.

Eine Bitte: Erklären Sie uns zum Abschluss noch wie der Handballer Marco Kemmerzell tickt?

Kemmerzell: Ich bin ein sehr ehrgeiziger Typ. Damit habe ich meine Größe und auch fehlendes Talent kompensieren können. Ich bin mit Sicherheit kein Schwätzer. Aber wenn in der Kabine oder auf dem Spielfeld mal etwas gesagt werden muss, dann mache ich das. Kurz und knapp – aber mit Nachdruck.

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