TV Hersfeld verschläft beim 29:33 in Melsungen 40 Minuten

Unter Druck: So wie hier im Spiel gegen Großenlüder musste die Abwehr des TV Hersfeld sich in der ersten Halbzeit in Melsungen fortwährend gegnerischer Angriffe erwehren. Foto: Eyert

Melsungen. Jubel hier, Frust dort: Nach dem Schlusspfiff des Topduells der Handball-Landesliga formierten sich die Melsunger Spieler zum Kreis und riefen: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey ..."

Währenddessen gingen die Spieler des TV Hersfeld mit nachdenklichen Mienen aus der Halle, allerdings aber auch hoch erhobenen Hauptes.

Sie hatten zwar das Spitzenspiel in der Melsunger Stadtsporthalle mit 29:33 (11:19) verloren. Aber in der zweiten Hälfte nach einer starken Aufholjagd ein schlimmeres Debakel vermieden. Denn das lag nach einem 13-Tore-Rückstand in der Luft. Kai Hüter blickt mit etwas Wehmut auf die letzten 20 Minuten der Partie zurück. „Wenn das Spiel vielleicht noch fünf Minuten länger gedauert hätte, dann hätten wir den Spieß tatsächlich noch gedreht,“ sagt der Keeper. Die Mannschaft würde das Positive mitnehmen, so Hüter weiter. Und das war eben dieser Acht-Tore-Lauf. Von 16:29 holte der TVH auf 24:29 auf. Hüter: „Plötzlich lief es bei uns. Auch deswegen, weil bei Melsungen nichts mehr ging. Die waren platt.“

Kräfteverschleiß

Offensichtlich hatte die erste Halbzeit die Gastgeber Kraft gekostet - zuviel Kraft. Denn da war Melsungen noch die spielbestimmende Mannschaft, führte die Hersfelder nach allen Regeln der Handball-Kunst vor. Der Gast, der Andreas Krause und Jonathan Kromm wegen Krankheit entbehren musste - dafür war Lars Matthiessen wieder nach 14 Tagen Schichtarbeit an Bord - bekam kaum Luft zum Atmen. „Wir haben vor allem in der Abwehr keinen Zugriff bekommen“, stellte Hüter fest. Max Pregler sowie Eugen Gisbrecht und Außenspieler Vlad- Alexandru Avram spielten die TVH-Deckung ein- ums andere Mal aus.

Von 8:5 über 12:7 zogen die Melsunger bis zur Pause auf 19:11 davon. Nach dem Wechsel schienen alle Dämme zu brechen. Der TVH schien sich aufgegeben zu haben. 14:27 stand in der 42. Minute auf der Anzeigentafel. Den gequält klingenden Zwischenruf ihres Ex-Kollegen Christian Rohde schienen die TVH-Spieler auf dem Parkett gehört zu haben: „Mensch, macht was. Ich kann euch doch nicht verlieren sehen.“

Beifall von den Fans

Die Hersfelder schafften tatsächlich die Aufholjagd. Zum Schluss gab es sogar Beifall der zahlreich mitgereisten Hersfelder Zuschauer. „Das fand ich ganz große Klasse, dafür bedanken wir uns nochmal ganz herzlich“, sagt Hüter. Unter den Fans war auch Matthias Deppe, der Trainer der Großenlüderer Mannschaft, die am vergangenen Wochenende klar beim TVH verlor und am kommenden Melsungen empfängt. Klar, dass der TVH dannl Deppe und Großenlüder die Daumen drückt.

Von Hartmut Wenzel

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