Wölfershäuser wird am Samstag 90 Jahre alt

Herbert Herrigt: Ein Urgestein des Radsports

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Herbert Herrigt (Mitte) vor dem Rennen „Rund um die Stiftsruine“ im Jahr 1951. Herrigt gewann; Vereinskamerad Gerhard Nennstiel aus Harnrode (links) wurde Dritter.

Es ist kaum übertrieben, Herbert Herrigt aus Wölfershausen als Ikone des Radsports im waldhessischen Werratal zu bezeichnen. Am heutigen Samstag wird er 90 Jahre alt.

Das bezieht sich sowohl auf seine aktive Zeit als Radrennfahrer, aber auch auf seine ehrenamtliche Tätigkeit in verschiedenen Führungsfunktionen der Radsportorganisationen bis zur Bundesebene und als langjähriger Vorsitzender des RSV „Wanderlust“ Wölfershausen. Am heutigen 30. November feiert der Veteran nun seinen 90. Geburtstag.

Herrigts Laufbahn als Radrennsportler begann 1948. Seine Rennfahrerlizenz datiert auf den 8. Juni 1949. Denn in jenem Jahr wurde der Radsport im Nachkriegsdeutschland neu organisiert Bald darauf gewann er die Oberhessische Straßenmeisterschaft in Lauterbach. Weitere Spitzenplatzierungen bei namhaften Wettbewerben mit internationaler Beteiligung konnte der Wölfershäuser dann in den 1950er-Jahren auf seiner Erfolgsliste vermerken.

Nahezu zeitgleich zu Herrigts Laufbahn entwickelte sich auch der Aufstieg des RSV Wanderlust Wölfershausen zum damals erfolgreichsten Verein dieser Sportart in Hessen. Bereits 1954 hatten die Speichenflitzer aus dem Werratal nicht weniger als fünf Landesmeistertitel und mehrere Vizemeister sowie drei Bezirksmeistertitel im Kunst- und Reigenfahren aufzuweisen.

Nach seiner aktiven Laufbahn als Rennradler blieb Herrigt diesem Sport noch lange Zeit als Funktionär verbunden. Seinen Wölfershäuser Verein führte er über 60 Jahre als Vorsitzender.

Über den Radsport der frühen 1950er-Jahre nahm Herbert Herrigt auch Kontakt zum vormaligen „Erbfeind“ Frankreich auf und hatte mit Gleichgesinnten aus der nordfranzösischen Stadt Rombas schon bald eine feste Freundschaft geschlossen, die bis heute besteht und 1981 in der Partnerschaft zwischen Heringen und Rombas mündete.

HerbertHerrigt

Für diese Bemühungen um die Sportkameradschaft über Staatsgrenzen hinweg und für sein weiteres ehrenamtliches Wirken wurde Herrigt unter anderem 1986 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Vier Jahre zuvor hatte ihn die Stadt Rombas zu ihrem Ehrenbürger ernannt.

Während seinen bisher 90 Lebensjahren hat Herbert Herrigt neben der beruflichen Tätigkeit im Kaliwerk Wintershall viel Zeit zuerst aktiv dem Radsport und in Verbindung damit der Völkerverständigung sowie seinem Heimatverein gewidmet. Selbst wenn seine körperliche Beweglichkeit altersbedingt inzwischen nachgelassen hat – von seinen sportlichen Erfolgen und den Begegnungen mit bekannten Personen jener Zeit kann er heute noch präzise berichten. Aber auch seine Zwangsverpflichtung als 14-Jähriger in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs hat er noch nicht vergessen.

Von Hans-Heinrich Hartmann

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