Bei Drittligist Baunatal

Handballer Paul Gbur beendet seine Laufbahn

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Kraftvoll durchgezogen: So kennt man Paul Gbur im Trikot des Handball-Drittligisten Eintracht Baunatal. Nun beendet der 34-Jährige seine Karriere bei den Großenrittern.

28 Jahre lang war Handball ein großer Bestandteil seines Lebens. Nun aber, mit 34, hört Paul Gbur auf.

VON GERALD SCHAUMBURG

Bad Hersfeld/Baunatal – „Es war eine schöne und spannende Zeit. Aber es blieb immer nur wenig Raum für anderes. Ich freue mich auf ein weniger eng getaktetes Leben mit mehr Muße für Freundin und Freunde, für Reisen und Radfahren“, sagt der Rückraumspieler von Drittligist GSV Eintracht Baunatal, der in Bad Hersfeld aufwuchs und auch für waldhessische Vereine spielte. Wir sprachen mit Paul Gbur über ...

die Gesundheit: Ich bin fit für die sportliche Rente. Der Meniskusriss ist sechs Wochen her, ich jogge, fahre Rad und mache Krafttraining. Zum Glück bin ich über die langen Jahre trotz hoher Belastung letztlich ohne schwerste Verletzungen durchgekommen.

Linkshänder: Wir sind sehr spielintelligent, sehr selten und deshalb sehr gefragt. Für mich war diese Laune der Natur gut. Zweite und dritte Liga hätte ich als Rechtshänder im Rückraum wohl nie spielen können, dafür bin ich mit 1,80 Meter schlicht zu klein. Als Jugendlicher habe ich auch Rechtsaußen gespielt, später dann auch mal auf der Mitte – als Aushilfe.

14 Jahre in einem Verein: Eine lange Zeit, aber nur auf dem Papier. Es war schön und spannend, die Jahre sind nur so verflogen. Ich kam mit 20 nach Baunatal, das passte gut mit meinem Start ins Studium in Kassel. Und ich wollte nie weg, habe lukrativere Angebote ausgeschlagen, weil ich für vielleicht ein, zwei Jahre das Wohlfühlen hier nicht riskieren wollte. Wir hatten keine Profis, sondern waren die Besten aus der Region und immer über all die Jahre eine tolle Truppe. Das lag auch an Trainern wie Arnd Kauffeld und Ralf Horstmann.

sein schönstes Spiel: Das weiß ich sofort – im vergangenen August das Pokalspiel gegen den THW Kiel. In ausverkaufter Halle gegen meinen Lieblingsverein. Das hatte ich mir schon bei der Auslosung gewünscht. Es war ein Traum, einmal Auge in Auge gegen Lukas Nilsson und Nikola Bilyk zu spielen, gegen Ausnahmekönner, Olympiasieger, Welttorhüter. Und zweimal getroffen habe ich auch noch.

seine größten Erfolge: 2009 sind wir als Oberliga-Meister in die Regionalliga aufgestiegen, haben es sensationell als Vierter sofort in die dritte Liga geschafft. Über allem aber steht der Aufstieg in die 2. Bundesliga 2014 nach einer überragenden Saison. Vor Mannschaften, die individuell besser waren. Denen haben wir ein Schnippchen geschlagen, weil wir super Teamgeist hatten und mannschaftlich geschlossen besser waren. Anders hätten wir 2016 dann im „Endspiel“ gegen Leipzig auch den Klassenerhalt in der dritten Liga nicht geschafft.

schlechte Erinnerungen: So schön 2014 der Aufstieg auch war, er kam zu früh für Umfeld und Verantwortliche. Wir als Mannschaft wussten, dass der Abstieg kaum zu vermeiden war mit den vielen, vielen Spielen. Aber die Insolvenz, die Ungewissheit, das ganze Theater – das hat uns alle emotional sehr mitgenommen. Die Angst davor, dass alles kaputt geht, was wir über viele Jahre aufgebaut hatten.

den unbequemsten Gegenspieler: Da ist mir niemand im Gedächtnis. Besondere Herausforderungen waren eher ein besonderer Anreiz.

das, was er vermissen wird: Die Zeit mit den Jungs, den Kumpels, das Wir-Gefühl, das Schnuddeln, ernste Gespräche und vor allem die weniger ernsten. Das Soziale eben in der Gruppe.

seine Zukunft: Ich werde mich sicher individuell fit halten. Auch wenn ich keine Verpflichtungen mehr eingehen will und in einem Verein spielen werde – mit den Eintracht-Jungs werde ich bei Gelegenheit mittrainieren, als Sparringspartner das Team auffüllen. Und ich möchte viel reisen, sobald das geht. Die jetzt ausfallende Thailand-Tour nachholen, Südostasien, die Westküste von USA und Kanada, Brasilien. Aber auch kurze Trips wie nach Basel. Und wenn die Eintracht in Dutenhofen spielt, fahre ich mit, um meinen Hessenauswahl-Kumpel Sven Pausch zu treffen.

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