Der Hersfelder Henrik Saal (19) spielt seit seiner Kindheit Fußball und tanzt – beides im Verein

„Grobmotoriker bin ich nicht“

Der doppelte Henrik Saal: Einmal als Fußballer des SVA Bad Hersfeld (in Gelb), sowie im Bild oben mit seiner langjährigen Tanzpartnerin Magdalena Rossing. Fotos: Eyert/Ar und Hettenhausen

bad hersfeld. Es ist gut möglich, dass sich Henrik Saal am Dienstagmorgen in der Schule wieder ein paar Sprüche anhören musste. Und zwar von seinen jungen Teamkollegen des SVA Bad Hersfeld. Denn am Montagabend musste der 19-Jährige das Fußballtraining in Asbach ausfallen lassen. Der Grund: Saal ging zum Tanztraining. Tanztraining? Genau. Sie lesen richtig.

Henrik Saal spielt nicht nur Fußball im Verein, sondern tanzt auch für den TSC Rot-Weiß Bad Hersfeld. Das klingt zunächst ungewöhnlich, ist im Fall des jungen Hersfelders aber etwas weniger ungewöhnlich. Denn Henrik Saal ist der Enkel von Ilse Saal, der Vorsitzenden und Galionsfigur des Hersfelder Tanzsportclubs. „Was das Tanzen anbelangt, bin ich familiär schon vorgeprägt“, erzählt Henrik, dessen Vater Hans-Wilhelm Saal im November gern Bürgermeister von Hersfeld geworden wäre. Ilse Saal und ihr mittlerweile verstorbener Ehemann Rudolf hatten Jahrzehnte für den Rot-Weiß-Club erfolgreich auf Turnieren getanzt. „Als Kind hat mich meine Oma irgendwann mal zum Tanzen mitgenommen“, erinnert sich der angehende Abiturient.

Lieblingstanz: Samba

Schnell findet der kleine Henrik damals Spaß daran. Als Kind fängt er mit dem Lateintanzen an, über den Rock’n’ Roll im Teenageralter kommt er vor einigen Jahren wieder zurück zum Latein. Sein Lieblingstanz ist der Samba. Die Beweglichkeit, die er vom Tanzen mitbringe, komme ihm auch beim Fußballspielen zugute, findet er. „Ein Grobmotoriker bin ich jedenfalls nicht“, sagt Henrik lachend.

Seit vier Jahren heißt seine Tanzpartnerin Magdalena Rossing. Turniertanz steht für die beiden, die nur auf der Tanzfläche ein Paar sind, aber nicht zur Diskussion. „Wir harmonieren sehr gut, und es macht viel Spaß mit Magdalena, sonst würden wir ja nicht seit vier Jahren miteinander tanzen“, sagt er. Dennoch wollen es beide bei einmal Training in der Woche belassen.

Denn da ist ja noch der Fußball, der in Henriks Leben viel Zeit in Anspruch nimmt. Dreimal in der Woche bittet SVA-Trainer Norbert Rickert seinen Verbandsligakader während der Saison zum Training. Henrik Saal, der in der vergangenen Saison noch für die A-Junioren der JSG Bad Hersfeld kickte, gehört dazu. Zu einem Einsatz in der „Ersten“ hat es zwar noch nicht gelangt, auf der Ersatzbank hat er bei Punktspielen aber schon gesessen.

Ein bisschen wurmt es den technisch beschlagenen Mittelfeldspieler, dass es noch nicht zu mehr gereicht hat. Doch der junge Mann weiß auch, dass er geduldig sein muss. „Ich habe erst ein halbes Jahr im Seniorenfußball hinter mir. Ich muss Erfahrungen sammeln, Härte lernen und mich mit guten Leistungen aufdrängen“, sagt er kämpferisch. Viermal pro Woche hat er dazu während der Wintervorbereitung im Training die Gelegenheit. Seinen Teamkollegen spendiert er ein großes Lob. „Ich habe noch nie mit so vielen guten Fußballern zusammengespielt. Das ist schon toll“, sagt er und nennt exemplarisch Daniel Heß, einen von Asbachs Top-Spielern. Auch der Teamgeist beim SVA gefällt ihm gut. Nach dem Abschlusstraining am Freitag organisieren sich die Spieler regelmäßig in Eigenregie ein kleines Abendessen und schauen im Vereinsheim gemeinsam das Bundesliga-Spiel, erzählt er.

Im Fußball will der 19-Jährige noch ‘was erreichen. „Ich war ja auch ein guter Jugendspieler“, sagt er. Nach dem Abi könnte er sich ein VWL-Studium vorstellen. Das Kicken will er auf keinen Fall aufgeben – egal wohin ihn das Leben führen sollte. „Der Fußball ist meine große Leidenschaft“, stellt er klar. Mit den Sprüchen seiner Teamkollegen hat sich Henrik Saal längst arrangiert.

Von Sascha Herrmann

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