Georg Sochiera wird 80: Ein Leben für den Handball

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Inmitten von Trophäen: Georg Sochiera wird am Samstag 80 Jahre alt. 

Georg Sochiera ist auch mit 80 noch als Handball-Schiedsrichter aktiv. Seine Laufbahn ist ungewöhnlich und ereignisreich. Der Senior aus Rotenburg feiert am Samstag 80.Geburtstag.

Rotenburg – Die Zahl klingt unheimlich: Etwa 2600 Handballspiele hat Georg Sochiera aus Rotenburg als Schiedsrichter in seinem Leben geleitet. 60 Spielminuten angesetzt, sind das etwa 108 Tage – und damit mehr als ein Vierteljahr – reine Spielzeit, die Sochiera auf dem Parkett verbracht hat. Wer die Geschichte(n) des Mannes hört, der am heutigen Samstag 80 wird, kommt noch mehr ins Staunen.

Die Geschichte beginnt in Ratibor, einer Stadt in Oberschlesien, das damals, 1939, zu Deutschland gehörte. Dort wird Georg Sochiera geboren. In Polen wächst er auf. Mit 14 beginnt er, Handball zu spielen.

Er spielt gut, wird bald in der Schul-, später in der Militärauswahl Polens eingesetzt. Einmal wird er polnischer Juniorenmeister, zweimal Militärmeister. Er bringt es zum polnischen Juniorennationalspieler im Feldhandball, also mit der Elfermannschaft, geht als Senior zu Slask Breslau. Im Sommer wird zu elft auf dem Feld gespielt, im Winter zu siebt in der Halle. Je zweimal gewinnt Sochiera mit beiden Teams von Slask die polnische Meisterschaft. Meist wird er als Linksaußen oder Kreisläufer eigesetzt.

Noch nicht ungewöhnlich? „Ich wollte Trainer werden, machte das Diplom“, erzählt Sochiera. Dazu gehört auch eine Schiedsrichterprüfung – und als der ist er bald gefragt. Rund 1300 Spiele leitet Georg Sochiera, dessen ruhige, freundliche, aber konsequente Spielleitung geschätzt wird, in den beiden höchsten Spielklassen Polens. „Mit dem Motorrad bin ich zu den Spielen gefahren“, erzählt Sochiera, der währenddessen seine eigene aktive Karriere ausklingen lässt, was ihn nicht hindert, auch im Fußballtor seines Klubs seinen Mann zu stehen.

Doch 1989, das Jahr der Wende, bringt auch eine Wende in Georg Sochieras Leben. Er verlässt mit Ehefrau Danuta und Sohn Marcus Polen in Richtung Deutschland. Verwandte leben in Kassel; dorthin wollen auch Sochieras. Doch weil dort kein Wohnraum frei ist, landen sie in Rotenburg.

Einer der ersten Wege Sochieras führt – wie könnte es anders sein – in die Großsporthalle. „Ich war begeistert, dass hier Handball gespielt wurde“, strahlt er noch heute. Er trainiert mit den Alten Herren der TGR und bietet sich als Schiedsrichter an. „Mein erstes Spiel hier war Bebra gegen Lispenhausen“, erinnert er sich.

Bei der TGL findet er auch bald seine sportliche Heimat. Mit dem damaligen Trainer der Lispenhäuser, Willi Stichnoth, harmoniert er exzellent im Gespann. „Der Handball hat mir bei der Integration hier sehr geholfen“, betont Sochiera und nennt neben Willi Stichnoth stellvertretend für viele noch Horst Weinberger, damals Vorsitzender des Handballbezirks Fulda.

Fünf Jahre lang pfeifen die beiden gemeinsam Begegnungen der Oberliga Hessen, dazu kommen für Georg Sochiera zahlreiche weitere Spiele mit Spitzenteams – insgesamt noch einmal 1300 Spiele. Sieben Jahre lang trainiert Sochiera zudem die Damenmannschaft Spangenbergs. Für den Fernsehsender DSF hat er bei einer Handball-EM die Statistiken entworfen.

Und ein Karriereende ist nicht in Sicht: Georg Sochiera, mittlerweile als Unparteiischer in Diensten des Hünfelder SV, leitete – allein – erst vergangene Woche das Frauen-Bezirksligaspiel Grebenhain gegen Gensungen/Felsberg.

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