HANDBALL

Daniel Holl erinnert sich an die Stationen seiner Karriere

Melsungens Stars laufen ein: Daniel Holl (rechts) wird von Karsten Wöhler (links) und Markus Pregler auf dem Parkett begrüßt.
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Melsungen: Daniel Holl (rechts) wird von Karsten Wöhler und Markus Pregler auf dem Parkett begrüßt.

Hersfeld-Rotenburg – 40 wird er dieses Jahr noch. Und überlegt, ob’s das gewesen sein soll – oder ob er eventuell nochmal angreift. Wenn Corona den Handball aus dem Würgegriff entlässt, irgendwann.

Daniel Holl hängt an seinem Sport. Und der hat ihm Vieles gegeben. Jahre, Jahrzehnte in verschiedenen Mannschaften und Spielklassen. „Ich habe das alles noch offen gelassen“, sagt der Rotenburger. „Ich muss mich ja fragen: Macht der Körper das mit, bin ich noch so leistungsfähig wie vor der Pandemie? Aber es macht halt riesig Spaß mit den Rotenburger Jungs.“

Nicht lange zögern muss der Linksaußen, wenn er nach den begeisterndsten Phasen seiner Laufbahn gefragt wird. „Die acht Jahre beim TV Hersfeld, die waren bombastisch“, sagt Daniel Holl. Höhepunkt der langen Zeit in der Festspielstadt: der Aufstieg mit dem TVH in die Oberliga 2008. „Das war ein großartiges Erlebnis mit der Truppe, wir hatten tolle Charaktere dabei.“ Und schmunzelnd fügt er hinzu: „Die Aufstiegsfeier, die war schon sensationell.“ Jörg Ley und Robert Nolte waren damals die Trainer.

Aufgestiegen war Daniel Holl auch vorher schon ein paar Etagen höher: Mit der MT Melsungen ging es von der 2. Bundesliga in die höchste deutsche Spielklasse. „Das war genial und auch historisch. Es war ein enges Rennen, wir haben den Aufstieg auswärts beim EHV Aue klargemacht. Anschließend gab’s eine Riesenparty in Melsungen auf dem Marktplatz und einen Autokorso.“

Holl, damals, 2005, einer der Jüngsten im Team, erinnert sich gern an einige seiner Mitspieler: an seinen Linksaußen-Kollegen Karsten Wöhler, der aus Eisenach zu den Bartenwetzern gestoßen war. An Mannschaftskapitän und Urgestein Markus „Max“ Pregler, mit dem er auf Auswärtsfahrten das Zimmer teilte. An Männer wie Mittelmann Peter Hazl oder Torhüter Andrej Lawrow, der als einer der damals besten Schlussmänner der Welt nach Nordhessen kam. „Vor diesen Spielern hatte man Respekt – und man hat unwahrscheinlich viel gelernt von ihnen“, erinnert sich Holl.

Sein Weg führte ihn in die 2. Liga zur HSG Niestetal/Staufenberg, wo er mit dem Hersfelder Kai Hüter zusammenspielte, die dann Insolvenz anmelden musste, und zu Zweitligist Augustdorf/Hövelhof ins Ostwestfälische. Stationen, in denen Holl auch sein Handball-Netzwerk dichter wob. „Mit Nationalspieler Michael „Mimi“ Kraus bin ich um die Häuser gezogen, Florian Kehrmann hatte sein Sportgeschäft eine Etage tiefer“, erzählt er.

Doch auch die Verbindungen nach Melsungen blieben. Die Firma Fensterbau Holl aus Rotenburg zählt noch immer zum Sponsorenpool des Erstligisten. Und so lotste Daniel Holl die MT, inzwischen gespickt mit deutschen Nationalspielern, zweimal zu Benefizspielen in die Rotenburger Großsporthalle. Große Handballabende mit Emotionen.

Holls bislang letzte Station: sein Heimatverein. Bei der TG Rotenburg erfüllte er sich in der Landesliga den Wunsch, mit seinem jüngeren Bruder Jan-Oliver in einem Team zu spielen. Erneut stand und steht Robert Nolte, sein Coach aus Hersfelder Tagen, an der Seitenlinie.

Dass er sich mittlerweile in die zweite Garnitur der TGR zurückgezogen hat, hat auch berufliche Gründe. Im elterlichen Betrieb hat er – wie sein Bruder – inzwischen Prokura. Der langsame Übergang in die Geschäftsführung, die momentan noch Vater Werner innehat, sei in vollem Gange, sagt Daniel Holl. Um die Feier zum 170-jährigen Bestehen des Familienunternehmens im Vorjahr brachte die Holls – natürlich – Corona. Die Pandemie verhinderte auch, dass Daniel Holls Hochzeit mit Simone Larsen Poulsen 2020 eine große Feier wurde. Die Dänin ist – wie könnte es anders sein – Handballerin, spielte im Nationaldress ihres Heimatlandes und in der 1. und 2. Liga in Deutschland.

Doch der Handball – er ist in diesen Tagen „ganz weit weg“, wie Daniel Holl zugibt. In der Whatsapp-Gruppe der Mannschaft herrscht Schweigen. „Die soziale Ebene bricht weg, man hat ja schon Angst, mit jemand anders in Kontakt zu kommen“, bedauert er. „Wir alle fragen uns: Wie geht es weiter, wer kommt zurück?“ Auch Daniel Holl hat die Frage für sich noch nicht beantwortet.

Simone Holl Poulsen – ehemals Larsen.
Daniel Holl spielte acht Jahre für den TV Hersfeld

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