Ex-Profi Wayne Thomas über Wales und England

Fußball-EM: „Bale ist gedanklich noch auf dem Golfplatz“

Kapitän von Wales: Gareth Bale ist ein Topstar. Ihm haftet aber auch das Gerücht an, dass er lieber Golf als Fußball spielen würde.
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Kapitän von Wales: Gareth Bale ist ein Topstar. Ihm haftet aber auch das Gerücht an, dass er lieber Golf als Fußball spielen würde.

Wales und England haben die ersten Spiele bei der Fußball-EM absolviert. Zeit, um einmal mit Ex-Bundesligaspieler Wayne Thomas aus Kirchheim – in England geboren, aber Waliser – zu analysieren.

Kirchheim – Wales und England sind gut in die Fußball-EM gestartet. Die Waliser holten ein 1:1 gegen die Schweiz, die Engländer siegten 1:0 gegen Vize-Weltmeister Kroatien. Am Mittwoch steht für Wales der zweite Auftritt gegen die Türkei an, England trifft am Freitag im „Battle of Britain“ auf Schottland.

Wir haben über beide Nationen mit Wayne Thomas gesprochen. Der 62-Jährige wurde in Coventry in England geboren, ist aber Waliser. Der Ex-Bundesligaspieler gewann mit dem KFC Uerdingen 1985 den DFB-Pokal und lief in der 2. Bundesliga für den KSV Baunatal auf. Nach weiteren Stationen bei Aachen und Hannover 96 beendete er 1988 seine Karriere bei Kickers Offenbach.

Im Interview erzählt er, warum er von Wales enttäuscht war, was er von Gareth Bales Vorliebe zum Golfen hält und was er davon hält, dass Jadon Sancho nicht im Kader war.

Herr Thomas, haben Sie das erste Spiel von Wales verfolgt?

Ja. Und das war bescheiden, würde ich sagen. Sehr, sehr dünn. Wir hatten das Glück, dass die Schweizer vor dem Tor versagt haben. Sie hätten hoch gewinnen müssen. Unsere Abwehr hat sehr viele Stellungsfehler gemacht.

Am Ende stand es aber immerhin 1:1.

Mannschaften von der Insel sind immer gefährlich über Standards. Wir haben ein schönes Kopfballtor gemacht. Trotzdem war es eine durchwachsene Leistung und Wales hat diesen Punkt eher geklaut. Das erste Spiel darfst du bei einer EM nicht verlieren. Der Punkt ist gut. Aber sie müssen sich steigern.

Heute steht die Partie gegen die Türken an. Was erwarten Sie?

Es müssen drei Punkte her, dann haben sie alle Möglichkeiten. Die Türken haben sich gegen Italien total verzockt mit der Taktik. Sie haben sich nur hinten reingestellt und dachten, das würde reichen. Hat es nicht, wie wir nun wissen.

Waliser: Wayne Thomas.

Sie waren enttäuscht von Wales. Warum?

Wir haben Stars wie Gareth Bale und Aron Ramsey. Sie sind beide noch nicht angekommen. Ich weiß nicht, ob die gegen die Schweiz gedanklich noch auf dem Golfplatz waren. Vielleicht gab es einen in der Nähe des Stadions in Baku.

Sie sagen das nicht grundlos: Bale haftet seit seiner Zeit bei Real Madrid der Ruf an, dass er lieber golfen geht, als zu trainieren.

Aber er ist ein guter Typ. Bescheiden, nett. Die Medien stellen ihn anders hin. Er ist absolut in Ordnung und ein guter Mannschaftsspieler. Klar, er spricht nicht so gut Spanisch und spielt gern Golf. Wenn ein Trainer aber nicht auf dich setzt wie bei Real, ist es eben schwer. Mit Harry Kane war er nun bei Tottenham einer der besten Spieler in der Rückrunde. Mal sehen: Carlo Ancelotti will ihn zurück nach Madrid holen. Er ist und bleibt ein Ausnahmekicker, der eben mal viel Geld gekostet hat.

101 Millionen Euro.

Ja. Das war sicherlich viel zu viel für ihn. Es ist ja ohnehin alles viel zu viel, was da fließt. Aber wenn sich die Präsidenten von Real und Tottenham in London zum Trinken treffen und das aushandeln – ich würde es auch nicht ablehnen (lacht). So soll es gelaufen sein.

Lassen Sie uns über Ryan Giggs sprechen. Er sollte eigentlich bei Wales auf der Bank sitzen, ist aber wegen häuslicher Gewalt angeklagt.

Wir leben in einer Zeit, in der es schwierig werden kann, wenn du deine Frau böse anschaust. Früher hätte er sie vielleicht an den Haaren durchs Haus gezogen, und das wäre okay gewesen. Nein, im Ernst: So etwas darf man sich nicht erlauben. Ich weiß nicht, ob es stimmt. Er wird Mist gemacht haben und ist dann zu Recht nicht dabei. Für Wales ist es schade, weil er Kultstatus hat und ein Vorbild für die Spieler ist.

Sie wurden in England geboren. Zu wem würden Sie in einem direkten Duell eigentlich halten?

Ich wäre nicht böse, wenn es unentschieden ausgeht. Aber da sind nicht so viele Emotionen von außen dabei, wie beim „Battle of Britain: England gegen Schottland. Da wird es knallen.

Das findet am Freitag statt. Was halten Sie von England bislang?

Sie waren gegen Kroatien überlegen, machen das Tor und ziehen sich dann zurück. Das war ein Riesenfehler. Kane stand zehn Meter hinter der Mittellinie. Es ist gutgegangen. Aber die Kroaten sind immer besser geworden.

England hatte unter anderen Jadon Sancho gar nicht im Kader.

Ein ganz schönes Luxusproblem, wenn Sie mich fragen. Wenn du Spieler wie Sancho und Ben Chilwell gar nicht auf der Bank hast, muss alles in Ordnung sein.

Wie weit kommen die Engländer?

Ins Halbfinale mindestens. Die meisten Spieler sind zuhause aktiv, in der stärksten und härtesten Liga der Welt. Da darf es keine Ausreden geben. Dazu kommt der Heimvorteil, das Wetter, immer Fisch and Chips. Was willst du mehr?

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