Fußball-Schiri Lothar Weix hört auf

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Verabschiedung: Rainer Preisinger, Vorsitzender der SG Haselgrund, Kreis-Schiedsrichterobmann Rainer Heß, Martina Weix, Lothar Weix, der Beauftragte für Schiedsrichter-Öffentlichkeitsarbeit, Andreas Börner, und der 2. Vorsitzende der SGH, Ralf Eckhardt.  

Schwarzenhasel. Lothar Weix macht Schluss: Nach 35 Jahren hat der Fußball-Schiedsrichter Pfeife, Stoppuhr und Karten in den Schrank geräumt. 

„Weix, Du bist ein Schiedsrichter, den kann ich überall hinschicken!“ Das bekam Lothar Weix von der SG Haselgrund oft in seiner langen Karriere als Schiedsrichter von den Ansetzern zu hören. Aufgrund seiner ruhigen, sachlichen, kompetenten und zuverlässigen Art, die ihm sowohl Kreisschiedsrichterobmann, Rainer Heß (Heringen) als auch der Vorsitzende seines Heimatvereins, Rainer Preisinger, bescheinigen, war er prädestiniert, Derbys, die Zündstoff in sich bargen, zu leiten. Jetzt hat er seine Laufbahn beendet und wurde vor dem ersten Saisonspiel der SG Haselgrund/Breitenbach kürzlich verabschiedet.

„Es gab nur wenige Spiele, die mir aus dem Ruder gelaufen sind“, zieht er Bilanz nach 35 Jahren aktiven Schiedsrichterdienstes. Auf den Platz kommunikativ auf die Spieler zugehen, präventiv eingreifen, den Draht zu den Kickern auf dem Feld suchen, das war und ist seine Art, die ihm Anerkennung auf den Sportplätzen nicht nur in der Region eingebracht hat.

„Wenn du auf den Platz läufst, dann hast du die Verantwortung für die beiden Mannschaften“, sagt Weix. „Man muss alle Entscheidungen so abwägen und umsetzen, dass auch kritische Situationen nachvollziehbar sind“, umschreibt er seine Aufgabe als Spielleiter.

Die Schiedsrichterei war ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens, die ihm nicht nur ein Gespür für den Menschen gebracht hat, sondern ihm auch gelehrt hat, mit ihnen umzugehen. „Man muss nicht die dicksten Freunde sein, aber in die Augen schauen und sich gegenseitig respektieren, dass sollte nach dem Spiel schon drin sein“, sagt er. Neben zahlreichen Relegationsspielen, die stets von vielen Emotionen vor einer großen Zuschauerkulisse geprägt waren, ist ihm eine Regionalligapartie, das Frankenderby 1. FC Nürnberg gegen Greuther Fürth vor 14 000 Zuschauern mit dem damaligen Schiedsrichter Manfred Lehnhardt (Heringen), besonders in Erinnerung. „Die drei Jahre in der Regionalliga im Gespann, es war damals die dritthöchste Spielklasse in Deutschland, waren schon etwas Besonderes“, geht der Blick auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurück.

Mit seinem damaliger Lehrwart Willi Reinemann verbindet ihn noch heute eine dicke Freundschaft. „Er hat bei mir gelernt, und wir hatten eine schöne Zeit in der Hessenliga im Gespann“, so Reinemann, mittlerweile Bezirksschiedsrichterobmann in Kassel.

Höhepunkte waren das Pokalendspiel 1998 in Grünberg zwischen der SG Höchst und dem SC Neukirchen, das bei großer Hitze erst nach Verlängerung und Elfmeterschießen zugunsten von Höchst ausging (4:1). Kritisch wurde es 1995 nach der Partie zwischen Walldorf und Offenbach, als Weix nach einem nicht gegebenen Treffer (Abseits) in die Kabine flüchten musste. Im Mai dieses Jahres zog Weix nach reiflicher Überlegung dann endgültig einen Strich unter seine Karriere. Auch wenn die Einteiler es gerne gesehen hätten, dass er noch ein wenig weiter macht oder als Beobachter fungiert, ist die Entscheidung im Moment unumstößlich. „Ich brauche ein Auszeit, bin beruflich stark eingespannt und übernehme ein Aufgabe auch nur, wenn ich sie voll ausfüllen kann“, so seine klaren Vorstellungen. Willkommen wäre er allerdings auf allen Plätzen in der Region.

Von Thomas Becker

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