INTERVIEW mit dem neuen Kreisfußballwart

Rainer Schmidt: „Fußball ist mein Leben“

Rainer Schmidt, der neue Kreisfußballwart auf dem Roten Sofa der Hersfelder Zeitung.
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Rainer Schmidt, der neue Kreisfußballwart auf dem Roten Sofa der Hersfelder Zeitung - mit Fußball und den Durchführungsbestimmungen des Hessischen Fußball-Verbands.

Rainer Schmidt ist neuer Fußballchef des Kreises Hersfeld-Rotenburg. Der 65-Jährige löst Karl-Heinz Blumhagen ab, der das Amt 27 (!) Jahre innehatte. Schmidt hat für ein Interview auf dem Roten Sofa der Hersfelder Zeitung Platz genommen.

Herr Schmidt, einen Tag vor dem Urlaub nachmittags noch schnell ein Zeitungsinterview – Ihre Liebe zum Fußball muss groß sein, oder?

Fußball ist mein Leben. Das muss ich ganz klar sagen. Ich habe 1987 als Vereinsfunktionär angefangen und vorher jahrelang beim VfL Heimboldshausen Fußball gespielt. Als mein Sohn dann sieben Jahre alt war, habe ich als Jugendtrainer in Friedewald angefangen und bin danach Jugendleiter geworden. Danach Zweiter Vorsitzender und Fußball-Abteilungsleiter bis zum Jahr 2000 als die Bayern in Friedewald ihre Trainingslager machten. Das war schon ein tolles Erlebnis. Meine verstorbene Frau war genau so fußballverrückt. Wenn ich auf den Sportplatz bin, war sie immer dabei.

Ihre Wahl kam nicht überraschend. Überrascht Sie dennoch die Einstimmigkeit der Entscheidung?

Ja, das muss ich sagen. Ich hatte schon mit ein paar Gegenstimmen gerechnet. Ich bin jemand, der auf die Menschen zugeht und sich auch bei kontroversen Meinungen versucht zu arrangieren. Man bekommt das vielleicht nicht immer hin, aber man muss es versuchen. Vielleicht ist mir das bei der Wahl zugutegekommen.

Karl-Heinz Blumhagen war 27 Jahre im Amt. Was nehmen Sie von Ihrem Vorgänger mit?

Einiges auf jeden Fall. Ich habe jetzt acht Jahre als Stellvertreter mit Karl-Heinz zusammengearbeitet. Er hat ein unheimliches Wissen, was die Verwaltung angeht und ist sehr akribisch. Er ist ein wandelndes Lexikon. Und wenn er etwas nicht auf Anhieb weiß, dann weiß er, wo er es findet.

Was wollen Sie anders machen?

Ich möchte mehr die Vereine und Ausschüsse zusammenbringen. Wir müssen den Vereinen offener und mehr auf Augenhöhe begegnen. Man darf da nicht als Institution drüberschweben, oder sich als Kreisfußballwart für etwas Besonderes halten, sondern muss das Miteinander pflegen.

Sie haben bei Ihrer Antrittsrede auf dem Kreisfußballtag gesagt, Sie verstehen sich als Dienstleister für die Vereine ...

Ganz genau. Beide Seiten müssen zufrieden sein, mit dem, was man aushandelt. Dann gibt´s nichts Besseres. Das ist wie im Berufsleben.

Immer mehr Vereine können nicht mehr eigenständig überleben. Wie wollen Sie dem Vereinssterben im Kreis begegnen?

Das wird uns in Zukunft erhalten bleiben. Aber wenn ich so herumkomme, sehe ich, dass jede Menge Nachwuchs in den Vereinen heranwächst. Der Jugendausschuss macht seit Jahren gute Arbeit und versucht die Vereine zusammenzuhalten. Wir müssen sehen, dass wir das in den Seniorenbereich transportieren können.

Ist eine Spielplanreform eine Möglichkeit?

Ja, der Hessische Fußball-Verband arbeitet an einer Ligenreform. Es soll irgendwann nur noch zwei Verbandsligen geben, sodass es etwas nach unten durchgebrochen wird. Das hilft den Vereinen in den unteren Ligen mit Sicherheit weiter, ist aber noch nicht spruchreif.

Wie fußballverrückt muss man eigentlich sein, um Kreisfußballwart werden zu wollen?

Ganz ehrlich? Man muss fast bekloppt sein ...

Wie viele Stunden Arbeit pro Woche investieren Sie?

Als Klassenleiter ist es heutzutage gar nicht so schlimm. Man ist vormittags etwas gebunden, wenn das Wetter zum Winter hin schlechter wird. Aber per Smartphone ist ja alles möglich. Auch wenn ich jetzt ein paar Tage in Urlaub fahre – ich bin zu jeder Tag- und Nachtzeit dabei.

Es wird aber immer schwerer Ehrenamtliche wie Sie zu finden ...

Das ist richtig. Deshalb freut es mich, dass wir einen voll besetzten Ausschuss haben, zu dem jetzt auch jüngere Leute gehören.

Funktionäre kommen bei den Aktiven meistens nicht besonders gut weg. Man braucht ein dickes Fell, oder?

Ein dickes Fell muss man haben. Aber wie man sieht, habe ich das (lacht und streicht sich über den Bauch). Ich versuche, die Menschen zu überzeugen und muss morgens immer in den Spiegel schauen können.

Corona ist auch den Fußballern brutal dazwischen gegrätscht. Wie sehen Sie den Fußball in Zeiten der Pandemie?

Es ist schon eine Mammutaufgabe, was an Auflagen auf die Vereine zukommt. Aber sie machen das gut. Und sie machen das auch gerne, damit der Spielbetrieb stattfinden kann.

Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn neuerliche Infektionen den Spielbetrieb auch in dieser Saison behindern würden?

Ich hoffe es nicht – aber ich befürchte, dass da noch etwas auf uns zukommen könnte.

Für welchen Fußballklub schlägt eigentlich Ihr Herz?

Ich traue es mich gar nicht zu sagen. Man muss sehr leidensfähig sein – für den HSV. Von Kindesbeinen an. Und ich stehe auch dazu. Das ist und bleibt mein Verein.

Und jetzt noch was Lustiges zum Abschluss: Wer wird Deutscher Meister?

Ich befürchte Bayern München. Aber ich hoffe Borussia Dortmund.

Von Sascha Herrmann

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