Fußball ganz oder gar nicht

+
Hartmut Fischer, Betreuer der FSG Hohenroda, scheint in dieser Szene das Spiel seiner Mannschaft nicht gefallen zu haben. 

Fußball bei der FSG Hohenroda geht ohne Hartmut Fischer nicht. Auch wenn der langjährige Betreuer das nicht so stehen lassen möchte. Schließlich sieht er sich als Teamplayer.

Er bereitet am Sonntag den Spielbericht vor, trägt die Bälle zum Aufwärmen auf den Platz, schleppt Getränkekisten für die Spieler herbei und schwingt auch noch die Linienrichterfahne an der Außenlinie. Während der Woche ist er bei jedem Training auf dem Sportplatz und trainiert zudem die Torhüter.

Fußball bei der FSG Hohenroda geht ohne Hartmut Fischer nicht. Auch wenn er das nicht so stehen lassen möchte. Schließlich sieht er sich als Teamplayer. Andere und auch sich selbst will er nicht gern namentlich herausheben. Vielleicht seinen alten Freund Manfred Kehl aus Mansbach. Oder Robert Brandau, den Chef des örtlichen Wintersportclubs, mit dem ihn nicht nur das Skifahren als einziges Hobby neben dem Fußball verbindet.

Im Jahr 2007 zählte Hartmut Fischer zu den Gründungsvätern der Spielgemeinschaft aus Ransbach und Mansbach. Da war die Karriere des aktiven Fußballers bereits beendet. Im Mittelfeld und auch – das gab es damals noch – als Libero hielt er seinem TSV Ransbach die Treue, bis auf drei Jahre beim Nachbarn in Ausbach, zu der Zeit höherklassig in der heutigen Gruppenliga. Dem Fußballnachwuchs galt ebenso sein Herz, teils als verantwortlicher Jugendleiter, teils als Co-Trainer, aber immer vorne mit dabei.

Das ist auch der wichtigste Grund seiner Hingabe für die FSG. „Ich habe die Jungs schon ihr ganzes Fußballerleben lang begleitet. Deshalb ist das für mich eine Herzensangelegenheit“, erzählt der gelernte Betriebsschlosser von K+S und nennt gleich ein paar Namen. „Martin Erbe, Marcel Lepke und Johannes Münkel sind die besten Beispiele dafür“, zählt er auf, will aber wirklich niemanden vergessen. „Die Jungs sind mir gleich wichtig, nicht, dass sich jemand zurückgesetzt fühlt“, schiebt er gleich nach.

Mit seiner FSG ging es zwei Mal in die Bezirksoberliga, die heute Gruppenliga heißt. Zwei Mal ging es aber auch wieder runter. Begeistert ist Fischer noch immer von den Jahren des Durchmarschs von der Kreisliga A über die Kreisoberliga in die Gruppenliga mit Coach Thorsten Heiderich. Vier Trainer hat er seit der FSG-Gründung erlebt. Zweimal stand Thorsten Heiderich in vorderster Front, dazu kommen Klaus Wächter, Mike Lindemann und Andjelko Urosevic. Für jeden von ihnen hat Hartmut Fischer lobende Worte.

Dabei kann er auch sehr kritisch und emotional sein. So berichtet Marcel Lepke, langjähriger Mannschaftskapitän der FSG und mittlerweile im fußballerischen Ruhestand davon, dass Fischer das Team nach schlechten Leistungen schon mal mit Liebesentzug gestraft habe. Er sprach eine Zeit lang einfach nicht mehr mit den Spielern. Für Hartmut Fischer ist das völlig normal. „Wenn du dich selbst voll einbringst und dann siehst, was trotz Absprachen für eine Grütze gespielt wird, darfst du das die Jungs auch ruhig mal eine Zeit lang merken lassen“, sagt er.

2012 war es mit der Herzensangelegenheit allerdings fast vorbei. Ausgerechnet beim Skifahren erwischte es ihn. Als er in Bozen aus dem Lift stieg, streckte ihn ein Herzinfarkt nieder. Herzstillstand. Sein Freund und Begleiter Robert Brandau sowie zwei Ärzte, die gerade vor Ort waren, reanimierten ihn.

Frisch genesen, stand Hartmut Fischer dann doch wieder auf dem Sportplatz. Er ist immer noch emotional, wenn auch nicht mehr so wie vor dem Infarkt. Für ihn sei es besser, die Emotionen raus zu lassen anstatt sie zu unterdrücken, sagt er.

„Klar hat sich geistig bei mir etwas geändert, wenn du schon einmal kurz nicht mehr unter den Lebenden geweilt hast“, gibt er gerne zu.

Deshalb geht er mit der aktuellen Situation rund um den Fußball auch anders um. „Die Gesundheit der Spieler muss absolut im Vordergrund stehen. Da geht kein Weg dran vorbei. Alles andere ist zweitrangig“, sagt er.

Außerdem ist es für ihn kein Fußball, wenn nur in Kleingruppen trainiert werden darf und Kopfbälle verboten sind. Für Hartmut Fischer ist eines ganz klar und so lautet auch sein Credo: „Fußball geht nur ganz oder gar nicht“.

Von Friedhelm Eyert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare