Fußball: 1:0 – und ein bewegender Besuch in Eiterfeld

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Die Eiterfelder Ali Dogru (am Ball) und Kemal Sarvan. 

Groß war die Freude beim Fußball-Gruppenligisten SG Eiterfeld/Leimbach nach dem hart erkämpften 1:0-Erfolg gegen den bisherigen Spitzenreiter SG Elters/Eckweisbach/Schwarzbach.

Seit fünf Spielen ist der Aufsteiger mittlerweile unbesiegt – und belegt einen beachtlichen fünften Tabellenplatz. Doch es gab noch etwas, das war viel erfreulicher als der Erfolg, den Mittelfeld-Stratege Kemal Sarvan mit seinem Freistoß-Hammer vier Minuten vor Spielende sicherstellte. Erstmals in diesem Jahr schaute sich Steffen Aumann wieder mal ein Spiel seiner Teamkollegen an. In Begleitung seines Vaters Andreas – und im Rollstuhl. Aumann ist am Guillain-Barré-Syndrom – kurz GBS – erkrankt. Das ist eine Auto-Immun-Erkrankung, die das Nervensystem angreift und in kurzer Zeit zur Lähmung des gesamten Körpers führen kann.

So wie bei Steffen Aumann im November vergangenen Jahres. Fünf Wochen künstliches Koma und mittlerweile neun Monate im HKZ Rotenburg liegen hinter dem ehemaligen Mannschaftskapitän der Eiterfelder, der noch in der Aufstiegssaison als Sechser aufgelaufen war. „Es geht bergauf, ich fühle mich ganz gut“, sagt Aumann. Die Krankheit sei heilbar und deshalb sei er guter Dinge. Dass es für die Eiterfelder als Neuling in der Gruppenliga auf Anhieb so gut läuft, freut auch den 31-Jährigen. „Der Fußball hat mir gefehlt, auch wenn ich ganz andere Sorgen habe. Es ist schön, wieder hier am Sportplatz zu sein“, sagt er.

Doch zurück zum Spiel. Dabei wäre Eiterfelds hängende Spitze – oder sagt man besser falsche Neun – Ali Dogru beinahe zur tragischen Figur geworden. Erst schoss der 24-Jährige nach der Pause im Eins-gegen-Eins Gäste-Torhüter Nicolas Meyer an die Füße. Wenig später säbelte er völlig freistehend aus kurzer Distanz über den Ball. Und als sei das noch nicht Unglück genug, verletzte er sich zehn Minuten vor Spielende nach einem Zusammenprall mit Meyer an der Schulter, als der Keeper mit komplettem Gewicht auf den Angreifer fiel. Für Dogru ging es nach kurzer Behandlung nicht weiter – das aber konnte er verschmerzen, weil Kemal Sarvan dann doch noch der verdiente Siegtreffer glückte.

„Ich hätte mich schon mies gefühlt, wenn wir nicht gewonnen hätten. So aber sind die Schmerzen halb so schlimm. Ich freue mich mit den Jungs“, gab Dogru zu Protokoll. Der junge Angreifer traut seinem Team in dieser Saison eine Menge zu. „Wir haben viel Potenzial. Es macht Spaß mit solch erfahrenen Jungs wie Kemal Sarvan oder David Wollny zu kicken. Von ihnen profitieren wir alle“, sagt er.

Dass der Erfolg der Eiterfelder verdient war, wollte auch Gäste-Spielertrainer Daniel Schirmer nicht bestreiten. Der 38-Jährige musste diesmal in der Innenverteidigung aushelfen, weil einige Akteure ausgefallen waren. „Eiterfeld hatte die besseren Chancen. Uns ist nach vorn so gut wie nichts geglückt. Das Ergebnis geht in Ordnung“, bilanziert er nach der ersten Saisonniederlage.

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