Ausbachs Handballerin Katja Küllmer hört auf: Die Knie spielen nicht mehr mit

„Für mich und die Familie“

Fotocollage und Trikot zur Erinnerung: Zum Abschied trugen Helmut Fischer (rechts), Ehrenvorsitzender des TSV Ausbach, sowie die Handballerinnen der FSG Schenklengsfeld/Ausbach mit Trainer Jörg Fischer Teamkollegin Katja Küllmer (Mitte) auf Händen. Foto: Eyert

Um einen Moment Geduld bittet Katja Küllmer am frühen Mittwochabend am Telefon. „Noah, ich stell’ dir mal grad’ den Fernseher an“, ertönt ihre klare Stimme dann aus der Ferne, „Mama kommt gleich und liest dir weiter vor.“

Seit einigen Wochen kann sich der dreijährige Noah freuen: Mama Katja hat mehr Zeit zum Vorlesen und Spielen. Und das gleich zweimal in der Woche. Der Grund: Die 34-Jährige geht nicht mehr zum Handball-Training des Bezirksoberligisten FSG Schenklengsfeld/Ausbach. Sie hat ihre Laufbahn beendet.

„Eigentlich bin ich die Letzte, die mitten in der Saison aufhört“, sagt Katja Küllmer und ihre sonst so fröhliche Stimme klingt für einen Moment ernster. „Aber es ging zuletzt einfach nicht mehr.“ Inzwischen habe sie nicht mehr nur nach Spielen, sondern auch nach dem Training Schmerzen gehabt – und das nicht nur im operierten, sondern auch im gesunden Knie. „Ich geh’ ja jetzt wieder arbeiten und habe Noah - da muss ich auch dran denken.“

Katja Küllmer blickt auf 25 Jahre aktiven Handball zurück. Auf der Suche nach einem Hobby beginnt sie mit neun Jahren beim TV Widdershausen und spielt dort bis ins Erwachsenenalter – auf allen Positionen außer am Kreis und im Tor. Nebenbei tritt sie dem Schützenverein bei, ist ab und zu auf dem Tennisplatz zu finden und macht ein wenig Leichtathletik. „Ach, ich hab’ immer mal was angefangen“, erinnert sie sich und lacht. „Beim Handball ist es dann aber einfach geblieben.“

Nach der Auflösung der Widdershäuser Frauenmannschaft wechselt die Handballerin mit der Rückennummer sechs zur Saison 1999/2000 mit einigen Teamkameradinnen zum TSV Ausbach. Denkt sie heute an diese Zeit zurück, gerät sie ins Schwärmen. „Das war von der Fangemeinde her einfach klasse, gerade weil das beim Frauenhandball ja oft nicht so ist“, sprudelt es aus ihr heraus. „Es waren immer wahnsinnig viele Zuschauer da und wir hatten super Fans. Die waren da, egal in welcher Liga wir gespielt haben, egal ob beim Auf- oder Abstieg – das war absolut super.“

Drei OPs in zwei Jahren

Doch diese Zeit weckt auch negative Erinnerungen, denn die dauerhafte Belastung der Gelenke hat böse Folgen. 2001 liegt Katja Küllmer zum ersten Mal unter dem Messer, kurze Zeit später folgen Operation zwei und drei. „Erst war’s das Kreuzband, dann der Meniskus“, erinnert sie sich. „Dann folgte ziemlich hartes Aufbautraining.“ Doch schon bald kehrt die ehrgeizige Sportlerin zurück in den Kader und feiert mit Ausbach 2002 den Aufstieg in die Landesliga – den Höhepunkt ihrer Laufbahn, wie sie heute sagt. Die darauffolgende Zeit beim TSV und nach dem Zusammenschluss 2005/2006 zur FSG Schenklengsfeld/Ausbach, ist für Katja Küllmer ein „schöner Bonus“.

Überhaupt - blickt die 34-Jährige zurück - scheint sie nur positiv gestimmt. Und Wehmut? „Ja, ich hab’ schon noch sehr daran zu knabbern“, verrät sie und für einen Augenblick weicht das Fröhliche in der Stimme wieder dem Ernsthaften. „Aber es hängt halt einfach zu viel dran und war auch eine Entscheidung für mich und meine Familie.“

Was Katja Küllmer nun mit der neuen Freizeit anstellt, weiß sie noch nicht. „Da müsst’ ich jetzt echt überlegen“, sagt sie lachend, „denn für mich gab’s ja nichts anderes als Handball.“ Deshalb, davon ist sie überzeugt, wird sie am Wochenende auch weiterhin oft in der Halle sein. Für Söhnchen Noah wird jedenfalls zusätzliche Zeit abfallen. So wie am Mittwochabend. Zeit, zum Vorlesen und Spielen. † person/einwurf

Von Kristina Marth

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