Festsitzen auf den Färöern

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Fußball auf den Färöer-Inseln: Der Klub von Trainer Michael Winter beim Training in Kleinngruppen während der Corona-Krise.

Der Hersfelder Fußballtrainer Michael Winter  beschreibt seine Situation bei seinem neuen Verein auf den Färöer-Inseln.

 Die Färöer-Inseln waren bis vor kurzem noch zuversichtlich. Als einer der ganz wenigen Mitgliedsverbände in der Europäischen Fußball-Union (Uefa) wollten sie ihre nationale Serie starten. Der Grund: Die zu Dänemark gehörende Inseln, die vom Festland abgeschottet sind, waren bis Anfang März frei von Corona. Und auch der Hersfelder Michael Lundsgaard-Winter, der früher einmal für den SVA Bad Hersfeld in der Landesliga spielte, war guter Dinge: Die Vorbereitung für sein Team, Tvoroyri Boltfelag, war gut verlaufen. Im Testspiel hatte man sogar Meister Klasvik besiegt, der in der Champions League-Quali im vergangenen Jahr am Schweizer Meister Luzern gescheitert war.

Der Hersfelder Michael Winter und seine Ehefrau Luise. Foto: wenzel/ar

Doch dann wurde tatsächlich noch eine Person auf der Insel positiv auf das Virus getestet. Die Behörden auf den Inseln reagierten sofort. Das öffentliche Leben kam genauso zum Erliegen wie bei uns. Auch auf den Inseln ist der Fußball auch erst einmal ausgesetzt. Flughafen und auch die Fährhäfen seien geschlossen, schreibt uns Winter. „Keiner kommt herein oder heraus. Wir sitzen fest.“ Mittlerweile sind es 181 Infizierte (Stand Sonntag), die alle isoliert sind. Auf Winters Insel Suouroy - das ist die südlichste der 18 Inseln - sind alle Infizierten genesen. Dass die Mediziner auf den Färöer-Inseln die Pandemie gut im Griff haben, scheint auch an zahlreichen Tests zu liegen. Nach acht Stunden liegt das Ergebnis vor. Das haben die Einwohner einer Forschungseinrichtung zu verdanken, die sich eigentlich der Fischzucht widmet.

Das Laboratorium hatte aufgrund ähnlicher Verfahren keine Mühe, sich umzustellen. Die Tests sowie die abgeschottete Lage der Insel, ermöglichen genaue Recherchen. Ort und Zeit der Ansteckung sind schnell bekannt.

Doch Vorsicht ist weiterhin oberstes Gebot. Bei Winters Team ist das Mannschaftstraining ausgesetzt. Nur individuelles Training sei möglich, schreibt er per Mail. Da auf der Insel, in der Winters Mannschaft beheimatet ist, es derzeit keinen Corona-Fall gibt, gehen die Übungseinheiten nun in kleinen Gruppen weiter, pro Gruppe wird zwei Stunden trainiert. „Das heißt für mich als Coach, dass ich viel beschäftigt bin“, schreibt er. „Manchmal sind es acht bis zehn Stunden Training am Tag.“ Nach dem Training geht es gleich nach Hause. Bislang zeige keiner Symptome. „Wir waren auch die Zeit zuvor völlig abgeschottet.“ Lebensmittel werden geliefert.

Winter: „Kontakt zur Bevölkerung ist leider nicht möglich.“ Momentan sei die Situation so, dass alle Bewohner, die noch kurz vor Schließung der Häfen auf die Inseln gekommen sind, sofort in Quarantäne mussten. „Wir sind von der Außenwelt hermetisch abgeriegelt und leben in einer großen Isolation.“ Wie es weitergeht, ist auch auf den Färöer-Inseln ungewiss.

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