EM-Quiz

„Sehr gutes Gefühl für Deutschland“: Heimische Fußballer blicken auf die Europameisterschaft

Mitfiebern mit Mundschutz: Deutsche Fußballfans präsentieren vor dem letzten Testspiel gegen Lettland ihre Schals. Deutschland siegte in Düsseldorf deutlich mit 7:1.
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Mitfiebern mit Mundschutz: Deutsche Fußballfans präsentieren vor dem letzten Testspiel gegen Lettland ihre Schals. Deutschland siegte in Düsseldorf deutlich mit 7:1.

Die Fußball-Europameisterschaft 2021 ist im Gange. Wir haben im Vorfeld mit heimischen Fußballern und Funktionären über ihre Favoriten, die deutsche Nationalmannschaft und eine Quizfrage gesprochen.

Die Fußball-Europameisterschaft 2021 hat gestern Abend begonnen. Wir haben uns in der heimischen Fußballszene umgehört, wer sich im Vorfeld mit dem Turnier befasst hat. Ein kleines Quiz.

Tino Jäger: „Deutschland ist eine Turniermannschaft“

„Ich glaube Finnland“, antwortet Tino Jäger auf die Frage, welches Land neben Nordmazedonien ebenfalls zum ersten Mal bei einer EM dabei ist. Seine Entscheidung habe er aus dem Bauch heraus getroffen, mit der Antwort liegt der Gruppenliga-Trainer des ESV Hönebach aber richtig.

Seine Favoriten bei diesem Turnier sind Belgien und Spanien. „Die Belgier spielen in den Top-Mannschaften der Top-Ligen“, erklärt Jäger und ergänzt: „Sie haben einen sehr guten Jahrgang, der über die Jahre gereift ist.“ Bei Spanien müsse man abwarten, welche Auswirkungen die Corona-Fälle, unter anderem bei Mannschaftskapitän Sergio Busquets, haben.

Tino Jäger, Trainer ESV Hönebach.

Ein Kandidat wäre für den ESV-Coach aber auch das DFB-Team. „Deutschland ist eine Turniermannschaft“, sagt der Coach. „Die Erfahrung und die Qualität sind vorhanden. Wenn sie die Vorrunde überstehen, dann ist das Halbfinale realistisch.“

Steffen Kanngießer: „Frankreich hat den am besten besetzten Kader“

„Welcher Bundesligist hat gar keinen EM-Fahrer“, wollen wir von Steffen Kanngießer wissen. „Augsburg“, antwortet er nach kurzem Überlegen. Damit liegt er falsch, es ist Arminia Bielefeld. „Das wäre meine zweite Antwort gewesen“, gibt der Kapitän des A-Ligisten SG Rotenburg/Lispenhausen zu.

Steffen Kanngießer, SG Rotenburg/Lispenhausen.

Sein Favorit ist „ganz klar Frankreich“, sagt Kanngießer. „Sie haben den mit Abstand wertvollsten und am besten besetzten Kader“, betont er. Ein Vorteil sei, dass jede Position im Team der Équipe Tricolore doppelt besetzt ist und Trainer Didier Deschamps bei der Kader-Nominierung ein Luxusproblem hatte. Für das deutsche Team könnte das Turnier alles bereithalten – „von einer Blamage bis zur Überraschungsmannschaft“. Auch wenn er Jogis Jungs das Weiterkommen nach der Gruppenphase zutraut, glaubt er nicht, dass „wir unter die besten vier Mannschaften kommen.“

Sabine Schäfer-Bode: „Der, der im Champions-League-Finale das Tor geschossen hat“

„Ich weiß noch nicht mal, wer der Jüngste ist“, gibt Sabine Schäfer-Bode zu – und muss herzhaft lachen. „Wer ist nach Jamal Musiala der jüngste Spieler im deutschen Kader“, wollen wir von der Jugendwartin des Kreises Hersfeld-Rotenburg wissen. Nach kurzer Überlegung sagt sie: „Ist das nicht der, der im Champions League Finale das Tor geschossen hat?“ Ist er. Kai Havertz, 22, vom FC Chelsea.

Sabine Schäfer-Bode, Kreisjugendwartin.

Schäfer-Bode macht keinen Hehl daraus, dass die Corona-Zwangspause sie ein Stück weit vom Fußball weggebracht habe. „Ich habe mich bislang noch nicht wirklich mit der EM beschäftigt“, gibt die Rotenburgerin zu. Und deshalb tue sie sich auch schwer, einen Favoriten zu benennen. „Ich hoffe, dass Deutschland so weit wie möglich kommt. Aber lieber wäre mir gewesen, wenn Jogi Löw nicht mehr Bundestrainer wäre. Es wäre Zeit für Veränderung gewesen.“

Christian Pfeiffer: „Porto oder Lissabon - auf jeden Fall Portugal“

„In wie vielen Ländern wird die EM ausgespielt“, wollen wir von Christian Pfeiffer, Spielertrainer des Kreisoberligisten SG Neuenstein, wissen. Pfeiffer überlegt nicht lange und sagt: „Zwölf.“ Fast richtig. Elf sind es. „Ah okay“, sagt Pfeiffer und fängt an aufzuzählen: „München, Baku, Budapest, St. Petersburg, Rom – und Porto oder Lissabon. Auf jeden Fall Portugal“, meint der 35-Jährige. Und liegt damit leider daneben. Immerhin fünf von elf Städten hat der Torjäger erraten.

Christian Pfeiffer, Spielertrainer der SG Neuenstein

Frankreich ist sein Top-Favorit und absoluter Garant aufs Endspiel. Doch auch Deutschland sieht er nicht so schlecht, wie viele vor Anpfiff des Turniers. „Ich traue ihnen das Halbfinale zu“, sagt Pfeiffer. Zum Abschied von Löw werde das Team sicher alle Kräfte mobilisieren. „Und mit der Rückkehr von Hummels und Müller gewinnt das deutsche Team an Erfahrung und Qualität dazu“, meint der Routinier.

Andelko Urosevic: „Bei Deutschland habe ich ein sehr gutes Gefühl“

„Oh, da muss ich erst mal überlegen“, gibt Andelko Urosevic zu. Die Frage: „Welche Nation hat den höchsten Kader-Marktwert?“ Die Antwort folgt prompt. „England“, sagt der Trainer des Kreisoberligisten FSG Bebra und behält recht. Mit einem Marktwert von 1,27 Milliarden Euro laut transfermarkt.de liegt das Team um Kapitän Harry Kane vor Frankreich (1,03 Mrd. Euro) und Deutschland (936,50 Mio. Euro).

Andelko Urosevic, Trainer der FSG Bebra.

Seinem Heimatland traut der gebürtige Kroate das Viertelfinale zu. „Mehr ist nicht drin. Dafür ist die Abwehr nicht gut genug“, sagt Urosevic und fügt hinzu: „Bei Deutschland habe ich ein sehr gutes Gefühl.“ Die DFB-Elf hatte zuletzt reichlich Kritik einstecken müssen und würde bei dieser EM eine Trotzreaktion zeigen, die sie möglicherweise bis ins Finale bringt. Daneben hat er England und seinen Geheimfavoriten Italien auf dem Zettel.

Gerd Ruch: „Gut ins Turnier kommen“

„Ist es Portugal“, fragt Gerd Ruch, Trainer des Kreisoberligisten VfL Philippsthal – und liegt damit genau richtig bei der Frage, wer 2016 Europameister wurde. Für diese EM nennt Ruch Frankreich und Spanien als Top-Favoriten. „Deutschland hat eine schwere Gruppe erwischt, aber wenn sie gut ins Turnier kommen, könnte das Halbfinale drin sein“, spekuliert er.

Hintergrund: Drei Fragen – drei schnelle Antworten

Wohl noch nie zuvor hat eine Fußball-Europameisterschaft vor Anpfiff so wenig Beachtung gefunden, wie in diesem Jahr. Auch die EM-Stimmung unter den Fußballfans lässt bislang auf sich warten. Das haben wir zum Anlass genommen, uns in der lokalen Fußballszene umzuhören. Wir haben unseren Gesprächspartnern jeweils eine individuelle Frage gestellt – und allen gemeinsam die beiden folgenden Fragen: Was trauen Sie Deutschland zu? Wer ist Ihr Favorit auf den EM-Titel?

Von Alicia Kreth und Sascha Herrmann

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