Interview E-Sport

„Die Jugend über E-Sport erreichen“ - Manuel Fischer organisiert den Rotenburger E-Sport-Cup

Ein E-Sportler hält einen „Playstation 4“-Controller in den Händen. Im Hintergrund ist ein Fußballspieler auf dem Fernseher verschwommen zu sehen.
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Reaktionsschnelligkeit, Wahrnehmung und gute Hand-Augen-Koordination: E-Sportler müssen weit mehr können, als nur ein paar Knöpfe auf dem Controller zu drücken und investieren viel zeit ins Training.

Der Fußball rollt wieder - auf dem virtuellen Rasen. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg stehen sich in diesen vier Wochen insgesamt 32 Spieler auf dem virtuellen Fußballplatz im Videospiel Fifa 21 gegenüber. Im Interview spricht Organisator Manuel Fischer über die Faszination E-Sport, das Turnier und seine Pläne im Kreis.

Hersfeld-Rotenburg – Insgesamt 32 Mannschaften stehen sich beim ersten offiziellen Rotenburger Bornschisser E-Sport Cup in vier Wochen an der Playstation 4 auf dem virtuellen Fußballplatz im Videospiel Fifa 21 gegenüber, ehe am 13. März das Finale zwischen den beiden besten Spieler aus der Region steigt. Wir sprachen mit Organisator Manuel Fischer, der das Turnier zusammen mit der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg (MER) veranstaltet, über den Wettbewerb, die Faszination E-Sport und seine Pläne im Sportkreis Hersfeld-Rotenburg.

Herr Fischer, wie sind Sie zum E-Sport gekommen?
Ich spiele schon immer leidenschaftlich Fifa. Ich habe 1994 mit dem Super Nintendo angefangen und bin dann eigentlich immer dabei geblieben und habe mir das Spiel fast jedes Jahr besorgt, außer als ich in die Lehre gegangen bin. Damals gab es allerdings noch keinen Mehrspieler-Modus, da spielte man zuhause vor der Konsole gegen den Bruder oder Kumpel. Die Couch-Matches, wie man sie heutzutage nennt.
Zum E-Sport gekommen bin ich dann dadurch, dass ich wirklich Interesse an dem Thema habe und durch eine Knieverletzung, die nun schon ein paar Jahre zurückliegt, durch die ich keinen aktiven Sport im Verein mehr machen kann. Da ich mich aber trotzdem im Verein betätigen wollte und die Leute zum Wettkampf ermuntern möchte, sah ich die Möglichkeit im E-Sport. Und da ich aus dem Alter raus bin an Turnieren teilzunehmen, habe ich gesagt, dann organisiere ich lieber und versuche die Jungs und Mädels zu unterstützen. Da habe ich mehr von, als wenn ich mich selber da mit hinsetze.
Welche Möglichkeiten haben Sie genau gesehen?
Ich möchte die Jugend über den E-Sport erreichen und will ihnen damit ermöglichen, in einen Verein zu gehen und sich mit anderen Spielern zu messen, auch ohne auf dem Platz zu stehen und Fußball zu spielen. Einige sind dazu wegen Verletzungen oder ihrer körperlichen Eigenschaften nicht in der Lage, wollen aber trotzdem gerne den Wettkampf. Mein Ziel ist es, die Spieler durch den E-Sport und ein bisschen Sport im Hintergrund an den Verein zu binden. Da sehe ich eine gute Chance drin.
Interessieren Sie sich nur für Fifa?
Ich bin da eigentlich relativ offen, aber ich wollte das Thema erst mal auf den Sport begrenzen, weil es ja Sport sein soll. Und Sport ist für mich Fußball, Eishockey, Basketball oder Tennis, und kein Shooter. Für meine Vorhaben habe ich mich bislang aber hauptsächlich auf Fifa bezogen, weil das von allen Sportspielen den größten Zuspruch hat.
Ist E-Sport für Sie Sport im klassischen Sinn?
Ja, es kann in die Richtung gehen, wenn man den Sport an der Konsole mit ein paar Trainingseinheiten auf und neben dem Platz verbindet. Das kann alles sein – vom Laufen über Koordinationstraining bis hin zu Passübungen mit dem Fußball, um die Jungs etwas fit zu kriegen. So machen es die professionellen E-Sportler ja auch. Denn man muss schon körperlich fit sein, wenn man auf hohem Niveau mithalten will. Das ist ein positiver Effekt, den man daraus ziehen kann. Da kann man schon richtig gut was draus machen. Man muss halt einen Weg finden, um das irgendwie populär zu machen. Noch wird E-Sport in Deutschland aber noch nicht als Sport anerkannt.
Dennoch begeistern sich immer mehr Menschen für E-Sport. Woran liegt das?
Für Hobbyspieler ist es natürlich ein besonderer Reiz, zu gucken, was machen die Profis anders, was machen sie besser und was unterscheidet sie. Das hat dem Ganzen mit den Streaming-Plattformen wie Twitch oder YouTube noch mal einen Schub gegeben. Das ist das neue Fernsehen. Da wird viel gemacht. Die Spieler leben ihren virtuellen Sport, sie bringen fast täglich neue Inhalte, interagieren mit ihren Zuschauern und versuchen den Hobbyspielern Tipps zu geben. Und da geht es mittlerweile um richtig viel Geld, wenn du gut bist.
Wegen der Corona-Pandemie finden kaum Sportveranstaltungen statt. Konnten Sie schon ein gesteigertes Interesse an E-Sport feststellen?
Ja, na klar – das hat man schon gemerkt. Durch Corona gab es noch mal einen richtigen Schub und diese Pandemie ist eine Chance, die genutzt wird. Daraus kann man sich einen großen Vorsprung erarbeiten. Denn nun hat man auch die Zeit und das Interesse ist da. Bei mir war es beispielsweise so, dass ich letztes Jahr in Kurzarbeit gegangen bin und fast ein halbes Jahr daheim war. Da habe ich jede freie Minute Fifa gespielt. Genauso wollen auch die anderen Spieler den Wettkampf, da sie im Endeffekt ja auch nur zuhause sitzen und sonst zwei- bis dreimal pro Woche Training hätten.
Auch die Zahl der E-Sport-Turnier ist zuletzt stetig angestiegen. Warum?
Viele wollen jetzt erst mal die Lücken schließen, die durch die spielbetriebs- und trainingsfreie Zeit entstanden ist. Da bietet sich Fifa natürlich optimal an, weil kein Kontakt stattfindet und man trotzdem die Turniere auf einer richtigen Sportebene spielen kann. Außerdem ist ein Turnier immer auch ein Ansporn, am Ball zu bleiben.
Welche Vorteile hat E-Sport in so einer Situation gegenüber anderen Sportarten?
Man kann von zuhause aus spielen, aber trotzdem auch in der Gemeinschaft – beispielsweise über das Headset. Außerdem kann man seine eigenen Fähigkeiten trainieren und ein paar Einheiten zuhause machen. Man hat alle Möglichkeiten und kann ohne Kontakt einen kompletten Wettbewerb spielen.
Und welche Nachteile gibt es?
Man darf es natürlich nicht übertreiben. Denn auch E-Sport geht ganz schön an die Substanz, das denkt man gar nicht. Wenn man nur in seinem stillen Kämmerlein sitzt, driftet es irgendwann in eine ungesunde Richtung ab. Das ist natürlich nicht der Sinn. Aber wenn man das gesund dosiert, dann passt das. Deshalb den E-Sport lieber über den Verein steuer, wo es kontrolliert wird und die sportliche Komponente nicht zu kurz kommt. Und da will ich hin, dass man das Gaming in die richtige Richtung lenkt.
Wie könnte das im Kreis Hersfeld-Rotenburg denn aussehen?
Die Idee ist, eine Liga zu installieren, in der der Kreismeister im E-Sport ausgespielt wird. Sodass man das sportliche Geschehen, dass sich auf den Fußballplätzen im Kreis Hersfeld-Rotenburg abspielt, auf einer Online-Ebene integriert. Das muss aber auch erst mal anlaufen und angenommen werden. Aber wenn sich jeder Sportverein im Kreis daran beteiligt, bekommt man schon ein gutes Aufgebot zusammen.
Steckt hinter Ihrem Engagement eine bestimmte Philosophie?
Wir wollen die Mädchen und Jungen wieder in die Sportvereine bekommen. Der große Vorteil ist, dass man mit dem E-Sport die Jugend anspricht und somit den Nachwuchs in die Vereine holt. Das tut ihnen gut und sie sollen davon natürlich auch profitieren, indem einige E-Sportler vielleicht auch auf dem Platz mit einsteigen. Damit wird der Nachwuchs im Fußball gesichert und die Sparte E-Sport bedient.

Zur Person

Manuel Fischer (39) lebt in Meckbach und ist Küchenleiter vom Kreisjugendhof in Rotenburg. Der computerbegeisterte 39-Jährige ist Referent für E-Sports im Sportkreis Hersfeld-Rotenburg, Beisitzer beim TSV Meckbach und Leiter der ESport-Abteilung des JFC Ludwigsau. Außerdem ist Fischer Betreuer der zweiten Mannschaft der SG Mecklar/ Meckbach/Reilos in der Kreisliga B und bekennender Fan des FC Rot-Weiß Erfurt. Der gebürtige Eisenacher hat drei Kinder, zwei Jungs und ein Mädchen.

Von Alicia Kreth

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