Vor 40 Jahren: Horst Spengler erinnert sich im Interview an den WM-Sieg 1978

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Abklatschen mit den Spielern von Eitra/Oberhaun: Horst Spengler beim 100-jährigen Jubiläum des TV Eitra.

Hüttenberg. Der Sieg der deutschen Nationalmannschaft bei der Handball-Weltmeisterschaft 1978 in Dänemark gehört mit zu den großen sporthistorischen Momenten. Im Finale schlug das Team um Vlado Stenzel die UdSSR mit 20:19. Am Montag jährt sich dieses Ereignis zum 40. Mal. Wir sprachen mit Horst Spengler (67), damals Kapitän und Kreisläufer. Der Hüttenberger war in den 80er- Jahren auch Trainer des TV Eitra zu Oberligazeiten.

Hallo Herr Spengler, erinnern Sie sich noch an ihren letzten Treffer bei dieser WM?

Horst Spengler: Natürlich, dieses Tor vergisst man nicht. Es war gleichzeit unser letztes. Es war das 20:16 – ein Tempogegenstoß, bei dem ich danach in die Bande gefallen bin. In diesem Moment war mir klar, dass wir Weltmeister werden. Obwohl es danach noch einmal eng wurde. Es gab zweimal Zeitspiel gegen uns. Der Gegner warf drei Tore, es stand 20:19. In der Schlusssekunde blockte Jo Deckarm einen Sprungwurf von Gassi. Dann ging alles im Jubel unter.

Das Finale war ein Spiel David gegen Goliath. Die Sowjetunion galt als Übermannschaft, Deutschland war krasser Außenseiter. Was war in diesem Spiel der Schlüssel zum Erfolg?

Spengler: Vielleicht war der Unterschied nicht ganz so krass wie er dargestellt wird. Schließlich hatten wir damals im Vorfeld der WM 17 Spiele in Folge nicht verloren. Schlüssel zum Erfolg war die Abwehr. Wir hatten erst 6:0 gedeckt, zwischendurch auch 3-2-1. Und immer wieder schnell umgeschaltet. Joachim Deckarm hat ein Superspiel gezeigt. Ebenso Manfred Hofmann im Tor. Und natürlich Jimmy Waltke ...

Der Einsatz des Linksaußen ist heute fast genauso legendär wie der Sieg ...

Spengler: Vlado Stenzel hat ihn beim 13:12 gebracht. Es war sein erster Einsatz bei dieser WM. Dann hat Jimmy (sein richtiger Vorname ist Dieter, d. Red.) drei Tore hintereinander geworfen, und wir haben 16:12 geführt. Stenzel hat danach wieder gewechselt und Arno Ehret gebracht. Wahrscheinlich hat er Arno in diesem Moment noch mehr zugetraut.

Wie war die Siegesparty danach?

Spengler: Die Abschlussfeier fand in der Tuborg-Brauerei statt. Es war auch ein großes Essen geplant. Aber zum Essen bin ich erst gar nicht gekommen. Es gab viel Tuborg.

In der Hauptrunde gab es noch ein Spiel gegen die DDR, die die Bundesrepublik als „Klassenfeind“ bezeichnete. War dieses Spiel ebenso emotional aufgeladen wie andere zuvor?

Spengler: Nicht ganz so wie zum Beispiel die Qualifikationsspiele zur Olympiade. Das waren die härtesten Länderspiele, die ich je mitgemacht habe. Kein Gegner stieg so hart ein wie die DDR.

Und trotzdem soll ein DDR-Spieler vor dem Finale geholfen haben ...

Spengler: Ja, die Story mit den Bierbüchsen ist tatsächlich wahr. Während Spieler wie Engel und Dreibrodt linientreu waren und kein Wort mit uns sprachen, kam Wolfgang Böhme den Abend vor dem Finale auf das Zimmer von Kurt Klühspies und stellte mit uns die Spielzüge von Maximow mit Bierbüchsen nach. (lacht)

Bundestrainer Vlado Stenzel ist durch seine akribische Arbeit als „Magier“ gefeiert worden. Welche Rolle kam dem Trainer im Finale zu?

Spengler: Er hat uns richtig auf dieses Spiel eingestellt. Und natürlich hat er genau im richtigen Moment gewechselt. Wie zum Beispiel bei Waltke.

Haben Sie heute noch Kontakt zu Ihrem ehemaligen Bundestrainer?

Spengler: Ja, wir telefonieren noch oft, er hat eine Mini-Spieleragentur. Im letzten Jahr waren wir mit einigen Spielern von einst in seiner kroatischen Heimat. Das 40-Jährige Jubiläum wird in diesem Jahr in Aschaffenburg begangen. Es ist auch diesmal gleichzeitig das Treffen der „Joachim-Deckarm-Stiftung“.

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