Die Zwangspause schmerzt

ReserveCup des TSV Ransbach findet in 2021 nicht statt

Auch der Hallenfußball-ReserveCup des TSV Ransbach muss coronabedingt die Segel streichen: Der renommierte Wettbewerb findet zu Beginn kommenden Jahres nicht statt.

Gesichter des ReserveCups: Hartmut Fischer (rechts) mit Leon Burkhard, dem Schützen des 13000 Tores im Jahr 2018.

Ransbach – „Das ist sehr enttäuschend“, sagt Andreas Bittorf, „doch es ist höhere Gewalt. Wir müssen es so hinnehmen“, sagt der 40-jährige Organisator der Veranstaltung. Bereits vor einigen Wochen hatte der Hessische Fußballverband alle Turniere in den Wintermonaten unterm Dach abgesagt.

„Schon zuvor hatten wir mit Überlegungen gespielt, den ReserveCup mit weniger Mannschaften in kleinerem Format durchzuziehen. Das aber haben wir schnell verworfen“, ergänzt Hartmut Fischer. Der ist, ebenso wie Peter Reusch, fast von Beginn an dabei beim attraktiven Turnier, das sich über zwei Wochenenden erstreckt.

Man spürt es: Die Absage schmerzt. 2021 erstmals seit seiner Einführung vor fast 30 Jahren kein ReserveCup – das klingt gewöhnungsbedürftig.

Es hätte die 29. Auflage werden sollen Ende Januar und Anfang Februar. „Der Reservecup ist ein Aushängeschild. Nicht nur für unseren Verein. Für die Region“, ist Bittorf sicher. Und Reusch weiß: „Wahrscheinlich gibt es das hessenweit in keinem Kreis.“

1993 fing alles an, Anton Kolep hatte die Idee, einen Wettbewerb für zweite Mannschaften auszurichten, auf den Weg gebracht. Der FV Bebra war Premieren-Sieger - und das Besondere: Keinem Team gelang es, seinen Titel zu verteidigen. In fast drei Jahrzehnten. Die SG Hülsa hat die Führung in der Ewigen Tabelle übernommen, vor dem VfL Philippsthal, der den ReserveCup schon drei Mal gewann, und der FSG Hohenroda. In 3066 Spielen fielen 14 445 Tore.

Reusch spricht von „positivem Stress und langen Nächten“ aus Sicht der Organisatoren an vier Veranstaltungstagen. Er und seine Mitstreiter bekommen Wertschätzung und ein „gutes Feedback“ von den teilnehmenden Vereinen. Anfangs waren es noch 50 – seit Jahren hat sich ein 40-köpfiges Feld im perfekten Modus herausgeschält.

Der ReserveCup ist auch ein Anlaufpunkt für die Jugend. Junge Gesichter haben stetig zugenommen in den Zuschauerkulissen der jüngeren Vergangenheit. „Wenn man sieht, was beim letzten Turnier los war“, hat Fischer beobachtet, „das war schon der Wahnsinn“.

Stimmung, bisweilen Spektakel auf dem altehrwürdigen Parkett der Sporthalle in der Gemeinde Hohenroda –und viele bekannte Gesichter. Fünf Vereine nahmen in jedem Jahr am Wettbewerb teil.

„Es haben sich viele Freundschaften entwickelt. Oder Bekanntschaften“, hat Bittorf ausgemacht, und symbolisch verdrückt er eine Träne, als er hinzufügt: „Zwei, drei Vereine haben mich schon vor Monaten angeschrieben, dass sie wieder dabei sein wollen. Zum Beispiel Marco Jung aus Hülsa. Als die Absage kam, war er enttäuscht. Das geht vielen Mannschaften so.“ Auch Jung ist, wenn auch in sportlicher Hinsicht, ein Gesicht des ReserveCups.

Der lebt natürlich auch von seinen Helfern. Man könne schon sagen, dass uns „an den vier Tagen 50 Leute den Rücken stärken“, ist sich Fischer sicher. Ob die Organisation des Spielbetriebs, des Verkaufs, der Getränke, der Turnierleitung und Regie, der Besetzung der Kassen, der Schiedsrichter und, und, und ...

Doch in wenigen Wochen muss der TSV Ransbach auf seine wichtigste Einnahmequelle verzichten. Hier fürchtet sich aber niemand, dass Helfer abspringen oder verloren gehen könnten. Schließlich ist die Sehnsucht auf die nächste, die 29. Austragung des Reservecups groß.

Von Walter Kell

Rubriklistenbild: © Friedhelm Eyert

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