Anstatt Profi-Karriere: Lehre zum Podologen

Tennisspieler Marek Flinner hat eine Ausbildung begonnen

Er gehört zu den 300 besten Tennisspielern in Deutschland: Der 22-jährige Marek Flinner aus Hersfeld.
+
Er gehört zu den 300 besten Tennisspielern in Deutschland: Der 22-jährige Marek Flinner aus Hersfeld.

Er gehört zu den 300 besten Tennisspielern in Deutschland - doch Marek Flinner hat einen bodenständigen Weg eingeschlagen. Dieser ist gewissermaßen für die Füße. Denn Flinner hat inzwischen seine Ausbildung zum Podologen begonnen.

Bad Hersfeld - Gewiss hat die Corona-Pandemie die Entscheidung begünstigt, vom Schläger in der Hand zur medizinischen Fußpflege zu wechseln, konnte er doch 2020 an deutlich weniger Wettbewerben teilnehmen als in den Jahren zuvor. Statt an den Wochenenden zu Turnieren zu reisen, fährt er nun freitags und samstags in die Berufsschule nach Erfurt.

Vor etwa zehn Jahren startet der heute 22-Jährige seine Tenniskarriere. Auf den TC Johannesberg als erstem Tennisverein folgen zahlreiche Stationen bis zur Zweiten Tennis-Bundesliga beim TVH Rüsselsheim. Er gewinnt 2012 die Jugend-Bezirksmeisterschaften des Tennisbezirks Nordhessen. Im Jahr darauf feiert er seinen ersten Turniersieg bei einem U 16-Wettbewerb in Frankfurt. 2014 siegt er bei den Bezirksjugend-Meisterschaften des Tennisbezirks Mittelhessen und bei einem Nachwuchsturnier in Wetzlar.

Satte 2.335 Leistungsklassen-Punkte sammelt er im Folgejahr und verbessert sich auf LK 2. Er holt sich die Titel der U18-Hallen-Jugendbezirksmeisterschaften des Tennisbezirks Wiesbaden und den U21-Nachwuchscup in Wetzlar. Ab 2016 wird er als LK 1 in der deutschen Rangliste geführt und erreicht u. a. das Halbfinale der Hillegossen Open, eines Ranglistenturniers des Deutschen Tennisbunds. Erstmals international in Erscheinung tritt er 2017 bei Turnieren der International Tennis Federation (ITF), etwa in Spanien und Ungarn. National greift er für BW Halle in der Westfalenliga zum Schläger.

Zum bislang erfolgreichsten Karrierejahr wird 2018. Er gewinnt die offenen Ostdeutschen Meisterschaften und die Babolat Open in Bad Nauheim. Als Mannschaftsspieler gehört er dem Rüsselsheimer Kader an. 2019 wird er zeitweise auf Platz 239 der Deutschen Rangliste geführt und verteidigt seinen Titel bei den Babolat Open.

Ausbildung und Training unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach. Daher spielt Flinner dieses Jahr für den Kasseler TC 31 in der Gruppenliga. „Wegen meiner Ausbildung habe ich mich dafür entschieden, in einer tieferen Klasse zu spielen“, erklärt der 22-Jährige. So kann der Hersfelder in der Podologie-Fachpraxis seines Vaters in Bad Hersfeld arbeiten und auch den Weg zur Erfurter Berufsschule problemlos bewerkstelligen.

Außerdem kennt er das Kasseler Team von zuletzt zahlreichen Gruppen-Trainings. Und wenn er mal nicht nach Kassel zum Training fahren möchte, schlägt er sich auf der Anlage des TSV Kalkobes ein.

Früher hat er seine Muskulatur in einem Fitnessstudio in Lispenhausen aufgebaut. Als dieses im Zuge der Pandemie und des Infektionsschutzgesetzes schließen musste, suchte er im Internet nach Alternativen. So hat er sich inzwischen zu Hause seinen eigenen Fitnessraum eingerichtet - von Hantelbank bis Klimmzugstange. „Ich benötige all das zur Stabilisierung meines Rückens und Rumpfes“, sagt Flinner. Trotz Corona gelte es, nach vorne zu schauen - und eben das Beste aus der Situation zu machen.

Ob er nach seiner Ausbildung noch einmal sein früheres Niveau erreichen kann, weiß er nicht. „Das möchte ich natürlich gern versuchen, aber die vielen Einschränkungen zuletzt machen diese Überlegung nicht einfacher“, so Flinner. Zumindest würde er gern wieder Regionalliga spielen.

Von Mark Sleziona

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare