Der gefühlte Dreikampf in der Kreisoberliga

Aufstiegskampf: SG Niederaula, SG Wildeck – oder doch FSG Bebra?

Bester Torschütze: Bekim Mustafi, SG Niederaula/Kerspenhausen, traf schon 15-mal.
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Bester Torschütze: Bekim Mustafi, SG Niederaula/Kerspenhausen, traf schon 15-mal.

Das gegenwärtige Tabellenbild des Spitzentrios der Fußball-Kreisoberliga Nord könnte die zerrissene Situation in Corona-Zeiten nicht besser beschreiben.

Hersfeld-Rotenburg – Kein Sportler, kein Fußballer, kein Klassenleiter, niemand wünscht sich das. Da grüßt die SG Niederaula/Kerspenhausen von Platz eins - ihr Guthaben: 31 Punkte nach 13 Spielen. Tabellenzweiter ist die SG Wildeck: Sie kann auf 30 Punkte verweisen - aber aus 11 Spielen. Dritter ist die FSG Bebra: Sie hat erst 21 Punkte gesammelt - aber auch erst neun Spiele hinter sich. Verrückte Fußball-Welt, verrückte Corona-Welt.

Kaum einer ist so erfahren in dieser Liga wie Bekim Mustafi. Der 32-jährige Torjäger des Spitzenreiters Niederaula/Kerspenhausen - er führt die Torschützenliste mit 15 Treffern an - sagt: „Unsere Mannschaft hat sich gefestigt. Wir wollen da oben bleiben.“ Mustafi beurteilt die derzeitige Situation so: „Es ist schade, aber der Wettbewerb hat in diesen Tagen wenig mit Fußball zu tun. Du hattest auch als Spieler schon ständig den Hintergedanken: Wann machen Politiker und Funktionäre den Cut? Wann unterbrechen sie die Saison?“

Es sei nicht einfach, die Serie fortzusetzen. „Wie lange dauert Corona? Geht der Spielbetrieb überhaupt weiter?“ Mustafi, der aktuell in Mainz arbeitet und zu einem Freitagspiel 200 Kilometer einfache Fahrt an Aufwand auf sich nimmt, fügt noch an: „Vielleicht verlängert man die Serie bis in die Sommerpause. Vielleicht wird sie auch abgebrochen. Und vielleicht geht es dann mit der neuen weiter...“

Niemand weiß, woran er ist. „Von mir aus könnte es so bleiben. Außer, wir gewinnen unsere Nachholspiele. Nach Minuspunkten sind wir Erster“, bemerkt Mike Lindemann mit etwas scherzhaftem Unterton. Wildecks Trainer nimmt auch den Drittplatzierten Bebra mit ins Boot. „Es liegen drei Mannschaften an der Spitze, die ungefähr gleichauf sind.“ Lindemann sieht im Grunde nur zwei Optionen. „Entweder man spielt die Hinrunde fertig und dann eine Runde um die Meisterschaft und eine gegen den Abstieg. Oder du brichst die Saison ab. Anders geht es nicht.“ Dabei weiß der Coach: „In dieser Saison hätten wir wirklich die Chance aufzusteigen.“

Unterdessen sind die Gedanken des Coaches, der als Aktiver einst beim Traditionsclub Kali-Werra Tiefenort in der DDR-Liga in der zweithöchsten Klasse des Landes kickte und beim TSV Ausbach als gefährlicher Angreifer in jedem Jahr exemplarisch die Torgefahr verkörperte, andere. „Es gibt größere Sorgen im Fußball in den Ligen unserer Region. Dass die Vereine nämlich überhaupt weiter existieren.“

Von Walter Kell

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