Stimmen zum Saisonabbruch der Frauen und Junioren

Fußball: Annullierung findet Anerkennung

Fußballerin Nina Spilke (vorn) von Verbandsligist Soisdorf.
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Kann die Annullierung der Saison nachvollziehen: Nina Spilke (vorn) von Verbandsligist Soisdorf.

Saisonabbruch und Annullierung gelten natürlich auch für Hessens Fußballerinnen sowie Junioren und Juniorinnen. Auch dazu haben wir im Kreis Hersfeld-Rotenburg einige Stimmen eingeholt.

Nina Spilke

„Das ist richtig. Und fertig“, sagt die aus Ransbach stammende 26-jährige Angreiferin des Verbandsligisten SC Soisdorf. Sie denkt nicht, „dass man die Saison zeitnah hätte zu Ende spielen können. Wenn, dann hätte man jetzt schon beginnen müssen“.

Realitätsnah wurden die Teams der Verbandsliga vor der Serie in zwei Gruppen unterteilt, Soisdorf hätte die avisierte Aufstiegsrunde zur Hessenliga aber kaum noch erreichen können. Dennoch spielten die Soisdorfer Frauen erneut eine gute Runde. Doch Spilke fügt vorausschauend an: „Man muss abwarten, wie sich die Corona-Situation entwickelt. Mit der neuen Serie aber sollte man viel früher beginnen als im vergangenen Jahr.“

Sarah Baumbach

Es sei natürlich schade, aber man könne es eh nicht aufhalten, meint die 23-jährige Fußballerin, die vor einigen Jahren aus Marksuhl zum VfL Philippsthal wechselte. Der stand in der Kreisoberliga in dieser Serie nicht so gut da, wie es sich so mancher erwartet hatte. Das aber lag weitgehend an den vielen Verletzten (Montag, Schmidt, Heimeroth), „unsere Saison war nicht so der Kracher“, seufzt Baumbach. Sie hat ein einfaches Rezept parat, wie es weitergehen soll. „Einfach im August starten wie gewohnt. Im Sommer bevorzugen Viele erst einmal den Raum, den sie vermutlich bekommen, also den Urlaub – anstatt Fußball zu spielen.“

Dieter Litz

„Vor drei Wochen wäre ich noch gegen die Annullierung gewesen – wegen der niedrigen Inzidenz-Zahlen“ – jetzt aber befürwortet der 52-jährige C-Junioren-Trainer der JSG Werratal-Heringen die Maßnahme. Litz, der als Krankenhaus-Apotheker im Gesundheitswesen arbeitet und somit einen sensibleren Einblick in das Corona-Geschehen hat als manch anderer, begründet seine Ansicht. „Ich hätte auch gern ein Ergebnis gehabt. Auch wenn wir Letzter der Gruppenliga sind.“

Zwei Herzen schlagen in Litz’ Brust: Sein älterer Sohn Silas stand mit den B-Junioren der JSG vor der Kreismeisterschaft und dem Aufstieg in die Gruppenliga. „Sie hätten erstmals die Chance gehabt, dort zu spielen. Das ist blöd“. Sein jüngerer Sohn Elia hingegen, der bei den von seinem Vater trainierten C-Junioren kickt, die als Gruppenliga-Aufsteiger vehement um den Klassenerhalt kämpften, „jetzt wären erst die Mannschaft gekommen, gegen die wir hätten punkten können“.

Die vergangenen Wochen und Monate, die die Jugendlichen zum Zuschauen verdammt und sozusagen gefesselt hatten, seien alles andere als leicht gewesen. „Ich hab’ mit den Kindern über eine WhatsApp-Gruppe Kontakt. Ich habe ihnen ein paar Fitnessübungen und einen Heim-Trainingsplan an die Hand gegeben. Unser Spieler Rahim Habibi absolvierte sogar ein eigenes Programm.“

Litz sorgt sich dennoch: „Koordination und das soziale Zusammensein gehen verloren.“ Als die Restriktionen kurzzeitig gelockert wurden, traf sich das JSG-Team zum Training. „Das war vor etwa drei Wochen. Und es war ein einmaliges Erlebnis“, sagt Litz enttäuscht.

Das war’s dann: Auch für Fußballerinnen sowie Junioren und Juniorinnen ist die Saison 2020/2021 beendet.

Michael Knott

Am Sonntagabend vervollständigte der 42-jährige Jugendleiter des TSV Schenklengsfeld erst einmal die Homepage der JSG Nördliche Kuppenrhön, zu der die fünf Vereine TSV Ausbach, TSV Ransbach, VfL Mansbach, TSV Friedewald und TSV Schenklengsfeld gehören. „Ich bin ein Gegner der Annullierung“, sagt Knott, den unterschiedliche Gedanken beschäftigen.

Einerseits die Infektionsgefahr, andererseits die Tatsache, dass den Jugendlichen die sportliche Perspektive genommen werde. Dafür sei die JSG bestes Beispiel. Die C-Junioren, von Harry Blaurock trainiert, führten die Kreisliga an und standen vor dem Aufstieg in die Gruppenliga. Die D-Junioren, denen sich Thorsten Scherp annahm, stellten sich dem „Projekt Gruppenliga“, waren dort aber noch nicht konkurrenzfähig. „Sollen die im nächsten Spieljahr noch mal auf die Mütze bekommen?“, fragt Knott. „Wir haben das eine und das andere Extrem.“ Sinnvoll sei es für ihn auch, zwischen Senioren und Jugendlichen zu differenzieren. In der Bewertung der Auf- und Abstiegsfrage etwa. „Keiner der Würdenträger in unserem Kreis konnte mir das wirklich erklären.“

Knott, dessen Söhne Henri (E-Junioren) und Matti (F-Junioren) auch Fußball spielen, war positiv überrascht vom Trainingsstart vor einigen Wochen. „Wir hatten Bedenken, dass wir viele Kids verlieren. Es waren aber alle im Training, und man hat ihnen den Spaß angemerkt.“

Indessen sorgt sich Knott derzeit noch etwas um den Zulauf bei den Jüngsten, den F- und G-Junioren. „Das Schnuppertraining fehlt uns schon ein Stück weit. Da habe ich ein bisschen Bauchschmerzen.“

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