Stimmen zur Unterbrechung des Spielbetriebs

Corona-Zwangspause für den Amateursport

Am Boden: Für die Fußballer ist – wie unser Symbolfoto zeigt – mindestens bis zum Jahresende erst einmal Schluss. Und auch in vielen anderen Sportarten bewegt sich zunächst nichts mehr.
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Am Boden: Für die Fußballer ist – wie unser Symbolfoto zeigt – mindestens bis zum Jahresende erst einmal Schluss. Und auch in vielen anderen Sportarten bewegt sich zunächst nichts mehr.

Corona bremst auch den Amateursport erneut aus. Mindestens bis zum Jahresende müssen Fußballer, Handballer, Tischtennisspieler oder Kegler pausieren. Wir haben Stimmen gesammelt.

Hersfeld-Rotenburg – Fragen über Fragen türmen sich auf für die Sportler – und für die Vereine. Was halten sie vom erneuten Lockdown? Hatten sie solch scharfe Maßnahmen erwartet? Halten sie diese Maßnahmen für richtig? Wie schwer betrifft sie das, wie schwer die Vereine? Und: Welche Perspektive hat der Amateursport in der ländlichen Region?

Sebastian Jaschinski, Handballtrainer der TG Rotenburg: Ich befürchte, dass das dringend notwendig ist. Wir haben uns schon beim ersten Spiel gefragt, ob das alles sinnvoll ist. Das Risikopotenzial im Handball ist schon groß. Und auf den Hobbysport kann man sicher noch am ehesten verzichten. Ich verstehe, dass wir es versucht haben, aber bin auch froh, dass sie rechtzeitig die Entscheidung getroffen haben.

Sebastian Jaschinski, Handballtrainer der TG Rotenburg.

Das ist für alle Vereine nicht einfach. Für sie ist es aber schwieriger, einen abgespeckten Spielbetrieb zu fahren. Eine Pause oder nur der Trainingsbetrieb lassen sich schon einfacher verkraften. Da tritt man dann auch als Trainer etwas zurück. Ich will gar keine Aufwandsentschädigung, wenn ich gar nicht in der Halle stehe.

Kevin Kunze, Fußballer des ESV Hönebach: Wir waren top drauf und die Stimmung im Verein war richtig gut. Aber ich habe keine Angst, dass – wenn es weiter geht – wir nicht daran anknüpfen werden. Die Hoffnung war natürlich da, dass wir das Wochenende vielleicht noch durchdrücken, aber der Entschluss ist nur allzu verständlich. Da wird die Lust auf Fußball im Januar auf jeden Fall da sein.

Kevin Kunze, Fußballer des ESV Hönebach.

Es ist natürlich irgendwo schade, dass nun die Hinserie abgebrochen wurde. Aber in Anbetracht der steigenden Infektionszahlen eine richtige Maßnahme und nur allzu verständlich, wenn Bars, Gaststätten und Kinos schließen müssen, dass auch der Fußball aufhört. Und das konnte man absehen. Ich hatte mir damals schon erhofft, dass wir früher wieder anfangen und vielleicht schon im August wieder spielen, dann wären wir nicht jetzt noch dabei gewesen.

Nikolas Schade, Tischtennisspieler des TTC Lüdersdorf: Das war uns allen bewusst, dass das keine normale Serie wird. Für mich kamen die neuen Maßnahmen aber doch sehr plötzlich. Wir sind schon alle traurig, dass nicht weiter gespielt wird, aber die Entscheidung ist vernünftig.

Als Spieler kann ich damit leben, dass wir jetzt nicht mehr trainieren – dann ist das eben so. Sportlich gesehen können wir uns jetzt zur Rückrunde neu aufstellen, was uns eventuell neue Chancen bietet.

Nikolas Schade, Tischtennisspieler des TTC Lüdersdorf.

Was ich als Jugendwart aber eher bedauere, dass das Kindertraining nicht mehr stattfindet. Doch die Gesundheit geht vor und deshalb kann ich die Maßnahmen nachvollziehen. Da müssen wir uns jetzt nach richten. Und wenn das bedeutet, dass wir danach irgendwann wieder richtig trainieren können, dann sollten wir uns daran auch alle halten.

Hannah Berk, Handballerin bei Germania Fritzlar:  In Anbetracht der derzeitigen Situation halte ich es für sinnvoll, die Saison zu unterbrechen. Beim Handball ist die Ansteckungsgefahr durch den Körperkontakt schon recht groß. Trotzdem ist es eine riesige Enttäuschung, weil man sich ja nach der langen Pause und der langen Vorbereitung sehr auf die Saison gefreut hatte. Aber am Ende geht die Gesundheit natürlich vor. Ich selbst befinde mich ja noch im Spielbetrieb, weil wir mit Germania Fritzlar in der Dritten Liga zwischen Amateur- und Profibereich angesiedelt sind. Da muss man sehen, wie es weitergeht.

Hannah Berk, Handballerin bei Germania Fritzlar

Marc Hannes, Tischtennisspieler beim TTC Lax: Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Einmal freue ich mich, dass wir beim TTC Lax noch keine Infektionen hatten und unser Hygienekonzept greift. Ich habe aber Angst, dass unser Nachwuchs stirbt und wir einem Vereinssterben entgegensehen. Wenn ich allerdings mehr als 18 000 Neu-Infektionen sehe, kann ich verstehen, dass man so nicht weitermachen kann. Der Lockdown ist richtig, um im Dezember vielleicht ein Weihnachtsgeschäft zu ermöglichen. Denn das ist wichtiger als unser Amateursport. Ich hätte auch keine Restaurants geschlossen.

Marc Hannes, Tischtennisspieler beim TTC Lax.

Was die Zukunft angeht: Unser Verein lebt weiter. Allerdings: Je länger die Leute zu Hause sind, desto mehr mache ich mir Sorgen. Auch darüber, dass die Vereine Helfer und Kinder verlieren werden. Im Ehrenamt ist es ja wichtig, nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben. Wir beim TTC hatten bisher Gott sei Dank gar keine Probleme – aber andere Vereine, die an ein, zwei Personen hängen oder nur an einer Handvoll Leuten ... Vielleicht ist es vielen nicht klar, was Sport für den Zusammenhalt in der Gesellschaft bedeutet. Er ist eine Stütze der Gesellschaft.

Wir müssen irgendwann Lösungen finden. Wenn mir einer sagen könnte, wir haben im Mai 2021 einen Impfstoff, könnten wir runter- und dann wieder hochfahren. Aber das kann niemand.

Henning Rös, Fußballtrainer in Kerspenhausen: Ich begrüße die Unterbrechung. Wir haben letzte Woche in Großenbach gespielt; ich bin dort mit einem etwas mulmigen Gefühl hingefahren als Risikopatient. Wir spielen immer noch alle Fußball, weil wir es für das Vereinsleben tun und nicht, um Geld zu generieren; hier sollte die Vernunft siegen und wir sollten mit der Gesellschaft an einem Strang ziehen, um gemeinsam die Zahlen wieder zu verringern.

Henning Rös, Fußballtrainer in Kerspenhausen.

Rainer Schmidt, Kreisfußballwart: Wir waren uns recht schnell einig, das war auch gut so. Die Gesundheit unserer Spieler und Zuschauer liegt uns sehr am Herzen. Ich hoffe nun auf einen schwachen Winter und erste Freundschaftsspiele im Januar, damit wir vielleicht am letzten Februarwochenende den ersten Spieltag ansetzen können.

Kreisfußballwart Rainer Schmidt.

Wir werden noch ein paar Doppelspieltage brauchen, was auch nicht förderlich für die Gesundheit ist. Wir versuchen, bis Mitte Juni fertig zu sein. Wenn bis dahin die Runde nicht durchgebracht werden kann, ist die Wertung der Hinrunde oder auch ein Abbruch möglich. Aber da mache ich mir heute noch keine Gedanken. Ich vertraue auf meine Kollegen und den Verband, dass wir da eine vernünftige Lösung finden.

Von Alicia Kreth, Walter Kell und Sascha Herrmann.

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