Ein Verein am Ende des Jahres 2020

VfL Heimboldshausen: Corona auf der Werra-Insel

Corona auf der Werrainsel: Doch der VfL Heimboldshausen lässt sich nicht unterkriegen. Von links 2. Vorsitzender Oliver Freundt, Übungsleiterin Sonja Werner, 1. Vorsitzender Matthias Maikranz, Fußball-Abteilungsleiter Christian Lotz.
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Corona auf der Werrainsel: Doch der VfL Heimboldshausen lässt sich nicht unterkriegen. Von links 2. Vorsitzender Oliver Freundt, Übungsleiterin Sonja Werner, 1. Vorsitzender Matthias Maikranz, Fußball-Abteilungsleiter Christian Lotz.

Corona – das beherrschende Thema des Jahres 2020. Wie ein kleinerer Verein mit den Begleiterscheinungen und Folgen der Pandemie umgeht, soll dieser Bericht veranschaulichen.

Heimboldshausen – Wer ein Stückchen Idylle im Sport auf dem Dorf sucht, der sollte nach Heimboldshausen kommen. Am Ende dieses Jahres ist die auf der Werrainsel ein bisschen getrübt. „Wir haben Einbußen. Was den Fußball angeht, sind die nicht so dramatisch“, bekennt Matthias Maikranz. Der 1. Vorsitzende des VfL ergänzt aber: „Was uns mehr wehtut: der Ausfall des Oktoberfestes und vermutlich auch der Karnevals-Veranstaltungen. Die sind wirtschaftlich ein Faktor, der uns fehlt.“

Prompt springt ihm Oliver Freundt zur Seite. Der ehemals bekannte Kicker in Heimboldshausen und derzeitige 2. Vorsitzende sagt: „Wir haben uns so aufgestellt, dass wir ohne Zuwendungen über die Runden kommen.“ Dabei habe die Gemeinde Philippsthal einen Hilfsfonds für Vereine aufgelegt, „die Kriterien treffen auf uns zum Glück nicht zu“, bemerkt Freundt erleichtert.

Eine finanzielle Ungewissheit aber bleibt. „Im Moment kommen wir noch über die Runden“, erklärt Maikranz, „2021 könnte das aber kippen“. Dabei habe der Verein seine Kosten schon runtergefahren, die Ausgaben, etwa für Übungsleiter, reduziert. „Wir haben in diesem Jahr gespart, wo wir konnten. Und kommen damit auch gut zurecht“, betont Freundt.

Sportler in mehr als zehn Abteilungen tummeln sich im 387 Mitglieder zählenden Verein. Der lebt – und definiert sich bei Weitem nicht nur über Fußball. Im September erst entstand die Zumba-Abteilung. „Da sind immer mehr als 20 Frauen dabei. Das hat sich sehr schnell entwickelt und ist ein Standbein mehr für den Verein“, freut sich Maikranz.

Als das Coronavirus anfangs des Jahres die Gesellschaft in den Würgegriff nahm, reagierte natürlich auch der VfL. Oliver Freundt, Mädchen für alles auf der Insel, entwickelte Hygienekonzepte. Für alle Sportler. „Alles wurde runtergefahren, du musstest dich selbst und die Jungs informieren, dir einen Plan entwerfen. Was können wir wie machen?“ Umfangreiche organisatorische Dinge fielen an, wie viel Platz zum Umziehen in den ohnehin beengten Kabinen blieb, wie viele Sportler duschen konnten, Anwesenheitslisten am Sportplatz waren notwendig, ebenso das Anbringen von Desinfektionsspendern, und, und, und ... Auch für die Hallen-Sportarten seines Vereins habe er Konzepte erarbeitet, jeweils etwa drei DIN-A4-Seiten. „So, dass es passt, praktikabel und verständlich.“ Hygienebeauftragter – das wollte Freundt eigentlich nie werden.

Was der zweite „Corona-Lockdown“ mit ihnen macht? „Es ist anders als beim ersten Mal. Die Verantwortung ist größer. Es geht um die Gesundheit, vor allem bei den Kindern und älteren Damen. Das ist belastend“, sagt Maikranz. Bleiben Helfer und der Nachwuchs bei der Stange? „Bedenken habe ich bei den ganz Kleinen. In der Kinder-Garde beim Karneval, in der Nachwuchs-Garde. Die müssen wir zusammenzuhalten.“

Man spürt den Zusammenhalt der Abteilungen und Sportler beim VfL. Der soll auch im nächsten Jahr helfen: Der Verein wird 100 Jahre alt. Noch ist die Art der Ausrichtung der Jubiläums-Feierlichkeiten ungewiss. „Sollte sich die Corona-Situation nicht deutlich entschärfen, werden wir einige Veranstaltungen nicht ausführen können“, weiß Maikranz. Er weiß, wovon er spricht.

Von Walter Kell

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