Kraftdreikämpferin gelingt Comeback

Christine Groß: Mit Bankdrücken zum Triumph

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Christine Groß in Aktion: Die Kraftdreikämpferin sicherte sich den Deutschen Meistertitel mit Deutschem Rekord und fährt im Mai zur Weltmeisterschaft im Bankdrücken nach Japan.

Dem Riesenpech folgte ein Tiefschlag – und dann das tolle Comeback. Steht Kraftdreikämpferin Christine Groß aus Bad Hersfeld jetzt vor der Krönung? 

Christine Groß erlebt in dieser Saison eine Achterbahn der Gefühle. Erster Höhepunkt war der Gewinn des deutschen Meistertitels im Kraftdreikampf, Gipfel könnte die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Bankdrücken sein, die vom 18. bis 25. Mai in Tokio-Narita (Japan) stattfindet. Denn für die wurde die 39-Jährige nominiert.

Doch der Reihe nach. Erfolgreich war Groß schon seit Jahren. Seit diesem Jahr ist sie im Bundeskader fürs Bankdrücken, eine der drei Disziplinen des Kraftdreikampfs. Zur Europameisterschaft in Ungarn war sie nominiert. „Doch auf dem Flug ging mein Gepäck mit der Ausrüstung verloren“, erinnert sich Groß. „Unfassbar! Und das war’s dann.“

Als sei das noch nicht Pech genug, zog sich die gebürtige Bad Neustädterin kurz vor den zwei Wochen später stattfindenden Deutschen Meisterschaften eine Zerrung im Gesäßmuskel zu. Groß: „Ich bin ohne große Erwartungen in den Wettkampf gegangen“, erinnert sich die Athletin.

Ohne große Erwartungen, aber mit allergrößter Vorsicht ging sie in die erste Disziplin, die Kniebeuge, in der das Gewicht gehalten werden muss, während die Hüfte niedriger als die Knie sind. „Ohnehin nicht meine stärkste Disziplin“, kommentiert Groß. Aber: „Der Muskel hat gehalten!“

Und dann ging’s los: Mit 87,5 Kilogramm markierte sie eine Bestleistung im Bankdrücken. Liegend muss das Gewicht hier auf Kampfrichtersignal hin mit durchgedrücktem Ellenbogen gehalten und dann abgelegt werden. „Das war super“, freute sich Christine Groß, die dann noch einen draufsetzte: 157,5 Kilogramm standen in der abschließenden Kreuzhebe zu Buch, in der das Gewicht im Stand mit durchgedrückten Knien gehalten werden muss. In der Addition war das nicht nur der Titel, sondern auch noch Deutscher Rekord. „Das ist mir noch mehr wert“, verrät Christine Groß, die seit 2015 Wettkämpfe im Kraftdreikampf bestreitet.

Zu dem Sport kam sie durch ihren Ehemann, mit dem sie gemeinsam im Fitnessstudio trainiert hat. Damals hielt sie im Kreuzheben 100 Kilogramm – zwei Drittel dessen, was sie inzwischen in die deutsche Spitze gebracht hat. Etwa 1500 Athleten deutschlandweit, schätzt sie, bestreiten ernsthaft Wettkämpfe – und: „Es werden immer mehr.“ Der Verband, das ist ihr wichtig, nimmt es mit den Dopingkontrollen sehr ernst. „Zwei unangekündigte hatte ich schon“, sagt Christine Groß.

Nun also Japan. Bereits am ersten Tag der Titelkämpfe steht ihr Wettbewerb an. Eine Prognose lässt sie sich nicht entlocken. Die Bankdrückerinnen der Weltspitze in ihrer Alters- und Gewichtsklasse heben etwa acht Kilogramm mehr als Groß bei den Deutschen Meisterschaften. Und in die Weltspitze möchte sie.

Zuvor geht der Dank an Kolleginnen und Vorgesetzte an der Arbeit in der Notaufnahme des Fuldaer Klinikums: „Die unterstützen mich super bei meinem Sport“, betont die Krankenschwester, die viermal wöchentlich trainiert und sich „gesund und mit viel Protein“ ernährt.

Und noch eins ist klar: Wenn der Flieger nach Japan abhebt, ist die Ausrüstung im Handgepäck.

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