Handball-Oberliga: Wie präsentiert sich der TV Hersfeld am Samstag gegen Holzheim?

Der Charaktertest

Im Sturzflug: Können Marco Kemmerzell und der TV Hersfeld ihren Abwärtstrend noch einmal stoppen? Am Samstag gegen den Tabellenvierten Holzheim steht die nächste Bewährungsprobe an. Foto: Eyert/Ar

bad hersfeld. Sie wollten mal sehen, ob sie wirklich so schlecht sind, wie es das Tabellenbild zeigt. Am Ende hatte es den Anschein, als ob vielleicht doch nur Trainer Reiner Dietz das wollte. Der 44-Jährige hatte diese Aussage jedenfalls vor dem Kellerduell des TV Hersfeld bei Schlusslicht Reinheim am vergangenen Wochenende getroffen.

Das Ergebnis ist bekannt. Sein Team kassierte in der Handball-Oberliga eine ebenso peinliche wie vernichtende 22:44-Packung. 22:44! Ein Debakel bei einer Mannschaft, die bislang gerade einmal ein Spiel gewonnen hatte. Nämlich das Hinspiel gegen wen? Richtig. In Hersfeld. Also muss man jetzt, da der TVH auch noch auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht ist, wohl davon ausgehen, dass der Aufsteiger mindestens so schlecht ist wie es die Tabelle zeigt.

Der absolut indiskutablen Leistung vom Sonntag sollte am Dienstagabend nach dem Training eine intensive Aussprache der Mannschaft folgen. Ohne Trainer, der beruflich in dieser Woche im Schwarzwald unterwegs ist.

Was also sind die neuen Erkenntnisse vor dem nächsten Heimspiel am Samstag (18.30 Uhr) gegen den TuS Holzheim? Warum ist der TVH nach seinem Wiederaufstieg so früh am Tiefpunkt angelangt? Und wie soll es, da der derzeit rettende zehnte Platz schon sechs Punkte entfernt ist, in dieser Saison weitergehen?

Reiner Dietz versucht Antworten auf diese Fragen zu geben. Allzu viel Neues hat er aber nicht zu berichten. „Alle sind unzufrieden. Vorstand, Umfeld, Mannschaft, Trainer und natürlich auch die Zuschauer. Wir müssen sehen, dass wir gemeinsam die Kurve kriegen und uns im weiteren Saisonverlauf achtbar aus der Affäre ziehen“, sagt er.

Warum sich seine Mannschaft in Reinheim so hat abschlachten lassen, kann er bis heute nicht nachvollziehen. Nach dem deutlichen frühen Rückstand sei die Resignation schnell groß gewesen. Auch bei ihm. Er habe in der ersten Auszeit selbst kaum etwas sagen, geschweige denn helfen können. Bis auf Jugendspieler Philipp Jordan, der bemerkenswerte sieben Treffer erzielte, habe sich niemand gegen das Debakel gestemmt. Dietz, der sich bislang immer vors Team gestellt hatte, bezeichnete diese Vorstellung in der ersten Enttäuschung als charakterlos. „Ich gehe davon aus, dass jeder den Ehrgeiz und die Motivation hat, es am Samstag besser zu machen. Das sind wir auch unseren Zuschauern schuldig“, sagt er.

Der Coach will sich am Freitag nach dem Abschlusstraining noch einmal mit dem Mannschaftsrat, der aus den Routiniers Kai Hüter, Dominik Jäger, Marco Kemmerzell und Jan Röder besteht, besprechen. Ob er auch in Zukunft Trainer des TVH sein wird, beantwortet er so: „Ich habe das Gefühl, dass Mannschaft und Vorstand nach wie vor hinter mir stehen. Aber wenn es so weitergeht, weiß man nie was passiert.“ Eine ordentliche Leistung gegen Holzheim wäre Balsam auf die Wunden des TVH.

Von Sascha Herrmann

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