Carsten Rerichas schwerster Gang

Hat mit dem Fußball aufgehört: Carsten Rericha 

Den 25. Mai 2019, als ihn Heiko Hummel vom SV Unterhaun verabschiedet, wird der Fußballer Carsten Rericha nicht vergessen. 

Carsten absolvierte im A-Liga-Duell gegen den SV Wölf das letzte Spiel seiner Laufbahn.

Eine Fußball-Karriere, die 33 Jahre andauerte. Eine, die ihn als stets zuverlässigen und zweikampfstarken Abwehrspieler zurücklässt. Als einer der Besten der Region in seinem Fach. War „Katsche“, wie der Bayern-Fan in Anlehnung an Münchens Abwehrrecken von einst gerufen wurde, auf dem Platz, wusste jeder, was er hatte.

Mit 38 ist jetzt Schluss. „Aus privaten Gründen“, sagt er, „auch kein Stand-by-Spieler für die Zweite mehr. Meine Ehefrau Annalena ist sonntags berufstätig, wir haben zwei Kinder, und ich konnte mich nicht mehr selbst bestimmen. Spiele ich am Sonntag Fußball oder nicht?“ Er habe nie pünktlich zum Training kommen können, „beruflich bin ich ziemlich eingespannt“. Rericha ist im Eiterfelder Baustoffmarkt Busold beschäftigt.

„Ich werde es vemissen“, fühlt Carsten, „dass ich die Tasche nicht mehr packen kann. Dass nicht mehr zwei Schienbeinschoner und das Handtuch zum Duschen darin sind. Die Tasche steht jetzt auf dem Dachboden.“

Seine Laufbahn steckt voller Symbolik; es sind markante Punkte oder Ereignisse, an die er sich auf Anhieb erinnert. Im Jahre 2000 etwa, als Martin Jablonski, auch Unterhauner und ehemaliger Eiterfelder Kicker, den VfL-Größen „Kalli“ Glotzbach und Thomas Schabel riet, Unterhauns Abwehrspieler Rericha zum Wechsel zu animieren. „Ich weiß nicht“, bemerkt der 38-Jährige heute, „wie sich mein Leben ohne VfL entwickelt hätte.“

Hier kickte er elf Jahre, war in der Abwehr fast unverzichtbar, feierte unter den Trainern Karsten Walper und Jürgen Kress zwei Aufstiege in die Landesliga und brachte es auf 100 Einsätze in dieser Klasse. Hier lernte er seine Ehefrau Annalena kennen, die er auf der Anlage „Am Hain“ unterhalb des Fußballplatzes Tennis spielen sah. Beide wurden in der Eiterfelder Karnevalskampagne zum Prinzenpaar 2010 gekürt. Hier wurde er als Berufstätiger sesshaft, hier stellte er ein schmuckes Häuschen hin – und hier hat das Ehepaar zwei Kinder.

Rericha junior, Henry mit Namen, kickt für die F-Junioren. Kürzlich verletzte er sich am letzten Spieltag. Ein Stückchen des Ellbogen-Knochens hatte sich gelöst, Henry wurde operiert, der Ellbogen mit zwei Drähten fixiert. Hier scheint sich ein Kreis zu schließen.

Auch Rericha senior verletzte sich einst am letzten Spieltag. „Am 12. Juni 1998“, fährt es aus Carsten heraus, brach er sich auf dem Hohe Lufter Sportplatz das Sprunggelenk. In seinem letzten A-Jugend-Spiel. „Ich sollte nach Asbach wechseln. War aber ein Jahr außer Gefecht.“ Sollte sein Heimatverein, der SV Unterhaun, an dieser Stelle zu kurz kommen – das ist nicht beabsichtigt. Auch in Carstens Sinne nicht. Nach elf Jahren in Eiterfeld kehrte er nach Unterhaun zurück. „Mir war es immer wichtig, dass ich mit meinen Kumpels, mit denen ich groß geworden bin, noch einmal zusammenspiele. Und mir war klar, dass ich in Unterhaun meine Laufbahn beenden werde.“

Eines scheint ihn noch heute zu schmerzen. „In Eiterfeld hatte ich einen Amateurvertrag bekommen. Da wusste ich noch nicht, dass der abgebende Verein keinen Cent kriegt. Mein schwerster Gang war der zu Michael Roos.“ Das ist Unterhauns Abteilungsleiter. Am 25. Mai 2019 schien das längst vergessen.

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