César Thier sorgt sich um die Familie 

+
Besitzt als Torhüter Kultstatus: Hoffenheims César Thier (vorn), der bei Borussia Fulda und Kickers Offenbach zwischen den Pfosten stand.

César Thier, früher Torwart in Fulda und Offenbach, gehört heute zum Team-Management des Fußball-Bundesligisten Hoffenheim.

Der 52-Jährige hält permanent Kontakt in seine brasilianische Heimat, wo seine Eltern leben. „Momentan ist es sehr schwierig dort“, erzählt er im Telefoninterview mit der HZ. Er sorgt sich aber auch um die Verwandtschaft seiner Frau.

Hallo César Thier, wie geht es Ihnen?

Mir und meiner Familie geht es gut, alle sind gesund, alles prima bei uns zu Hause. Meine Frau Ulrike (sie stammt aus dem Breitenbacher Ortsteil Oberjossa, d. Red) hat auch ihr Fitnessstudio mit elektronischen Therapiemöglichkeiten mit Einschränkungen wieder geöffnet. Es war die letzten Wochen geschlossen. Auch meinem Sohn Carlos und meiner Tochter Luana geht es gut.

Eigentlich wäre heute Spieltag, Hoffenheim würde Leipzig empfangen …

Ja, so wäre es, wenn der normale Spielbetrieb laufen würde. Dann hätten wir gestern Abend Abschlusstraining gehabt, es hätte danach noch eine Videoanalyse von Leipzig (das Hinspiel endete 3:1 für Leipzig, d. Red)gegeben. Danach hätte der Trainer den Kader bekannt gegeben. Im Gegensatz zum Auswärtsspiel, wo wir freitags schon losfliegen, verbringt die Mannschaft den Abend zu Hause. Ich bin oft dabei und muss übersetzen, wenn unser einziger Brasilianer, Lucas Libero, in der Aufstellung ist. An so einem Spieltag ist alles minutiös geplant. Wir treffen uns um 10.30 Uhr im Trainingszentrum, um 11 Uhr ist eine kleine Aktivierung, dann das Mittagessen. Kurz vor zwei Uhr ist Abschlussbesprechung, dann geht´s im Bus Richtung Stadion.

Wie wird in Zeiten von Corona in Hoffenheim trainiert?

Ist alles völlig anders. Wir trainieren in fünf Gruppen mit je vier Spielern. Zwei Tage ist Training, ein Tag ist frei. Die erste Gruppe ist morgens schon um neun Uhr dran, dann geht es weiter den ganzen Tag über. Unser Arzt ist oft dabei und überwacht die Einheiten. Bei uns hat es bis heute keinen Coronafall gegeben. Weder in der Mannschaft noch im Trainer- oder Betreuerstab. Und auch nicht bei den Angestellten.

Machen Sie noch selbst mit?

Nein, schon lange nicht mehr. Ich gehöre zum Betreuerstab, habe ein eigenes Büro, habe viele Aufgaben. Ich helfe neuen Spielern ihnen bei Behördengängen, bei den Mietverträgen, Bankangelegenheiten, Schriftverkehr und Organisation, erkläre ihnen, wie das Leben in Deutschland funktioniert, auch wie man einkauft. Nach dem Busunfall in Südafrika hatte sich schwere Verletzungen, brauchte fast zwei Jahre, um wieder fit zu sein. Um meine Fitness zu erhalten, trainiere ich regelmäßig im Trainingszentrum oder mache EMS-Training im Studio meiner Frau.

Halten Sie Kontakt in Ihre Heimat nach Brasilien?

Ja, ständig. Meine Eltern und meine Cousins und Cousinen leben dort. Ich stamme aus Santa Cruz, das liegt ganz tief im Süden von Brasilien, rund 150 Kilometer von Porto Alegre. Mama und Papa geht es zurzeit gut, sie haben kein Corona. Momentan ist es aber sehr schwierig dort, denn um zu arbeiten und sich zu ernähren, müssen die Leute aus dem Haus. Es ist nicht so einfach, dass sie zu Hause bleiben können wie hier in Deutschland. Es gibt dort kein Homeoffice.

Was macht das Leben so schwierig momentan in der Heimat?

In Brasilien sind die Einwohner auch nicht so diszipliniert wie hier in Deutschland. Auch in der Politik läuft in der Heimat vieles durcheinander. Brasiliens Präsident Bolsonaro liefert kein gutes Beispiel. Er versucht, immer sein eigenes Ding zu machen, im Gegensatz zu den Gouverneuren. Er stellt sich sogar öffentlich zur Schau, wie er anderen die Hände schüttelt. Gerade hat der Präsident seinen Gesundheitsminister entlassen, der auf strikte Einhaltung der Isolation bestanden hatte, während er die Ausgangsbeschränkungen aufheben will, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das versteht keiner in Brasilien.

Sind Sie noch ab und zu in Oberjossa?

Ja klar, ich sorge mich natürlich auch um meine Schwiegereltern. Meine Frau Ulrike fährt oft nach Hause und schaut nach ihnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare