Was ist eigentlich Trial?

Der Boden ist der größte Feind

Hatten viel Spaß: Die jungen Teilnehmer des Trial-Lehrgangs beim MCW Heringen. Rechts am Bildrand MCW-Vorsitzender Sven Gröschler (Zweiter von rechts) sowie Jugendwart Valentin Ristevski. Foto: nh

Heringen. Daniel Gröschler balanciert seine Maschine auf einem Felsbrocken. Der 15-Jährige steht auf den Fußrasten, wippt, wackelt dabei aber kaum. Daniel visiert sein Ziel genauestens an. Wieder und immer wieder.

Dann dreht er am Gasgriff, reißt das Vorderrad hoch – und springt. Nach einem ordentlichen Satz landet der Schüler auf dem nächsten Felsen, der sich ein gutes Stück oberhalb der Böschung befindet. Wer hier zu sehr in Rückenlage gerät, hat ein Problem. Daniel hat keins. „Gut gemacht“, ruft ihm ein Teamkollege zu.

Der Lehrgang

Vier Tage lang war der MCW Heringen in den Ferien Gastgeber eines Sommerlehrgangs, den der Hessische Fachverband für Motorsport (HFM) ausgerichtet hat. Der kleine, aber feine Heringer Klub stellte sein Gelände oberhalb des Fritz-Kunze-Bads sowie Trainer zur Verfügung und kümmerte sich auch um das Rahmenprogramm, wie zum Beispiel einen gemeinsamen Grillabend. Für 40 jugendliche Teilnehmer – darunter sechs Mädchen – sowie acht Coaches, ging es in täglich zwei Trainingseinheiten ausschließlich um Trial. „Dieser Lehrgang richtete sich in erster Linie an Anfänger und Fortgeschrittene“, berichtet Sven Gröschler, der Vorsitzende des MCW Heringen. So waren die jüngsten Teilnehmer gerade einmal sechs Jahre alt.

Das Motorrad-Trial

Aber was ist Trial eigentlich? Sven Gröschler bringt es auf den Punkt. „Trial ist der Versuch, mit der Maschine im Gelände schwierigste Hindernisse möglichst fehlerfrei zu überwinden.“ So müssen die Fahrer bei einem Wettkampf in drei bis vier Runden sieben bis maximal zehn Sektionen mit unterschiedlichen Hindernissen durchfahren. 90 Sekunden sind das Zeitlimit für eine Sektion.

Wer das nicht schafft, bekommt die Höchstzahl von fünf Fehlerpunkten aufgebrummt. Das gilt beispielsweise auch für Stürze oder das Abstellen des Motors. Wer den Fuß auf den Boden setzt, bekommt einen Fehlerpunkt. Maximal drei sind dafür möglich. Gefahren wird in sechs verschiedenen Klassen, die sich im Schwierigkeitsgard unterscheiden. „Die meisten Menschen können mit Trial erstmal nichts anfangen und denken sofort an Motocross“, weiß Sven Gröschler aus Erfahrung. Vor mehr als 30 Jahren hat sich der 45-Jährige mit dem Trial-Virus infiziert.

Worauf es ankommt

Balance, Körperbeherrschung, Geschicklichkeit und das Gefühl für die Maschine seien elementar. Kraft spiele eher eine untergeordnete Rolle, berichtet Jugendwart Valentin Ristevski, dessen Söhne ebenfalls aktiv sind. Und Sven Gröschler ergänzt: „Trial ist ein trainingsintensiver Sport.“

Der Kostenfaktor

Trial ist aber auch ein teures Hobby. Zwischen 6000 und 8000 Euro kosten die leichten Maschinen, die keine Sitzbank haben, deren Motoren eine sehr sensible Gasannahme haben und deren Reifen mit geringem Luftdruck gefahren werden. Zwischen 50 und 300 Kubikzentimeter bewegt sich der Hubraum der Maschinen. Für Dress inklusive Helm und Stiefel kommen noch einmal gut 500 Euro zusammen. Mindestens.

Und wer Trial ambitioniert betreibt – so wie die Heringer– ist viel in Deutschland, aber auch in Europa unterwegs. Und muss einiges an Reisekosten und -strapazen auf sich nehmen. „Wir sind schon ein bisschen verrückt – aber positiv“, sagt Sven Gröschler lachend.

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