Handball-Landesliga

Beim TV Hersfeld spielte der Chancentod mit

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Harte Gegenwehr: Alexander Schott (links) vom TV Hersfeld braucht hier all seine Kraft.

Als sich abzeichnete, dass es schwer würde, gegen die HSG Baunatal zu punkten, konnten die Landesliga-Handballer des TV Hersfeld – auf ihre Fans bauen.

Bad Hersfeld – Doch als zur gleichen Zeit der „Chancentod“ das blaue Trikot überstreifte, schwanden die Hoffnungen auf ein gutes Ende drastisch. Ungewohnt fahrig und überhastet ließen die Hersfelder reihenweise klarste Chancen liegen, sodass selbst ein starker Schlussspurt nicht mehr half. Am Ende unterlag man der HSG Baunatal mit 35:36.

„35 Tore zu Hause müssen reichen, um zu gewinnen. Und wenn es selbst 40 hätten werden können, erst recht“, sah TVH-Coach Christian Weiß hier die Hauptursache für die knappe und unnötige Niederlage. Man habe sich gut auf die taktischen Finessen der HSG eingestellt und auch gute Antworten gehabt. „Aber im Gegensatz zum letzten Wochenende fehlten die Kompaktheit und Aggressivität, um den Aktionen des Gegners beizukommen“, so Weiß weiter. Jetzt heißt es: Mund abputzen, die Pause nutzen, um dann den schweren Gang nach Wanfried in 14 Tagen vorzubereiten.

Aufgebracht reagierte hingegen der ansonsten besonnene Linkshänder Alexander Schott, der seine Wut in drastische Worte kleidete. „Na klar haben wir zu viel verworfen. Aber wenn ich an den Schluss denke, stinkt‘s mir gewaltig. Alles wurde von den Schiris gegen uns gepfiffen. Alles, jede Kleinigkeit und die Zeit lief weg. Ich war kurz davor, hinaus zu gehen und zu sagen, macht doch euren Scheiß allein!“

Weniger emotional, aber ebenso selbstkritisch, reflektierte Rechtsaußen Philipp Koch das Geschehen. „Wir waren heute nicht stabil genug, auch von der Konzentration her. Gegen so einen Gegner darf man nicht so viel verballern, und in der Abwehr hätten wir mehr Entschlossenheit und Aggressivität zeigen müssen.“ Jene Tugenden, mit denen Baunatal letztlich den Hersfeldern den Zahn zog.

Ständig über den Kreis agierend, wurde die HSG durch das schläfrige Abwehrverhalten von den anfangs korrekt leitenden Unparteiischen mit Siebenmetern am Stück belohnt. Strafwürfe, die Baunatals Christian Vogt sicher versenkte, der dem Spiel mit 18 Treffern den Stempel aufdrückte. Die ersten acht Treffer der HSG gingen allein auf sein Konto, was selbst dem erfahrenen Hallensprecher Rolf Malachowski so noch nicht untergekommen war.

Und ein solcher Akteur fehlte dem TVH am Samstag, gerade in den kritischen Phasen. Da die gewohnten Torgaranten Andreas Krause und Lasse Reinhardt, der im Sommer seinem älteren Bruder Fynn zum Drittligisten Eintracht Baunatal folgen wird, weitestgehend abgemeldet waren, mussten andere in die Bresche springen. Das taten dann auch Hristijan Remenski und Alex Schott im ersten sowie Jacob Räther im zweiten Abschnitt nach Kräften. Allein, es reichte nicht. Es fehlte die gewohnte Entlastung. Neben der schwachen Wurfausbeute sorgten dann die Unparteiischen in der turbulenten Endphase mit vielen kleinlichen Entscheidungen, meist zum Nachteil des TVH, für Wut und Unverständnis auf und neben dem Feld.

VON MICHAEL W. RIMKUS

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