Beim Derby grüßt das Murmeltier

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Das Foto zeigt Hersfelds Youngster Lasse Reinhardt, dem sich Rotenburgs Abwehrchef Tomislav Balic entgegenstellt. 

Es gibt Niederlagen, die schmerzen. Und dann gibt es welche, die tun besonders weh.

Wenn man zum Beispiel in Bad Hersfeld lebt, selbst als Spieler und Trainer für den TV Hersfeld aktiv war und dann mit dem Handball-Landesligisten TG Rotenburg regelmäßig in der Geistalhalle verliert.

Und so dürfte sich Rotenburgs Coach Robert Nolte am Samstagabend ein bisschen wie Bill Murray im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ gefühlt haben, der in einer Zeitschleife festsitzt und ein und denselben Tag immer wieder erlebt.

Wohl auch deshalb stellte sich Nolte nach der 31:35-Derbyniederlage kämpferisch vor seine Mannschaft, wie das sonst nur Löwenmütter für ihre Jungen tun. Dass sein Team im Lauf der zweiten Halbzeit nicht mehr näher als bis auf vier Tore an den Tabellenzweiten herangekommen war, spielte für ihn keine große Rolle. „Was sind im Handball schon vier Tore“, fragte er.

Rotenburgs Trainer Robert Nolte  war zufrieden mit seiner Mannschaft, aber enttäuscht über das Ergebnis.

Als sich der smarte Mittfünfziger etwas heruntergefahren hatte, gestand er: „Sorry, ich bin noch auf 180.“ Nolte atmete also tief durch, verwies auf die Hersfelder Ausnahmekönner Andreas Krause und Lasse Reinhardt und hielt fest, dass der TVH natürlich ein verdienter Derbysieger sei.

Darin bestand auch kein Zweifel, wenngleich Rotenburg vor allem in der ersten Halbzeit immer in Schlagdistanz geblieben war. Statt aber auf einen Treffer heranzukommen, erhöhten der überragende Andreas Krause per Siebenmeter und Philipp Koch per Tempogegenstoß unmittelbar vor dem Wechsel auf 16:13. Boze Balic verkürzte zwar nach Wiederanpfiff per Strafwurf, doch Jannis Deppe, Reinhardt und Krause stellten schnell auf 19:14, ehe der TVH bis zur 45. Minute auf 25:18 enteilte. Die Vorentscheidung war gefallen. Dass die Gastgeber dann aber begannen den Vorsprung zu verwalten, schmeckte deren Trainer Christian Weiß überhaupt nicht. Es schien, als wäre er die Angriffe am liebsten selbst mitgelaufen. „Tempo, Tempo“, rief er seiner Mannschaft immer wieder zu.

Warum sein Team die Anweisungen nur im Ansatz befolgte, verriet Andreas Krause: „Es ist schwer, das Tempo dauernd hochzuhalten, wenn man merkt, dass man das Spiel niemals verlieren wird. Rotenburg hat zwar gut mitgehalten, aber wir hätten deutlicher gewinnen müssen.“ Nach der Winterpause habe noch etwas der Spielrhythmus gefehlt, meinte der 30-Jährige, der mit 14 Treffern überragender Akteur des Derbys war und auch im Abwehr-Mittelblock wie gewohnt seinen Mann stand.

„Für mich persönlich lief es gut. Es gibt halt manchmal solche Tage“, meinte der Rückraum-Riese bescheiden. Krauses Bruder Michael kam am Samstagabend nicht zum Einsatz. Trainer Christian Weiß: „Ich habe drei Kreisläufer und habe mich diesmal eben für Remenski und Förtsch entschieden. Nicht mehr und nicht weniger.“

Dass auf Rotenburger Seite mit dem etatmäßigen Rechtsaußen Petar Cutura ein absoluter Leistungsträger fehlte, machte der junge Luca Schuhmann mit seinem beherzten Auftritt und acht Treffern wett. Wenn die Gäste ihre Tore über Außen herausspielten, sah die Abwehr des TVH nicht immer gut aus.

Das aber fiel nach dem zweiten Derbysieg des TVH in dieser Saison nicht sonderlich ins Gewicht. „Wenn Rotenburg uns hätte schlagen wollen, hätten sie das im Hinspiel machen müssen. Heute hätte es niemals kippen können“, meinte Christian Weiß. Robert Nolte war da anderer Meinung.

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