Leonie Litzenbauer (21) aus Rotensee war auf dem Weg zum Profi

Bänderriss beendet Biathlon-Traum

Biathletin Leonie Litzenbauer beim Liegend-Schießen
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Biathletin Leonie Litzenbauer beim Liegend-Schießen

In unserer Serie „Mein Moment“ lassen wir in loser Folge Sportler von dem besonderen Moment in ihrer Laufbahn erzählen. Heute Leonie Litzenbauer, ehemalige Biathletin des Ski-Club Neuenstein.

Rotensee – DEN Moment ihrer Sportkarriere, den gibt es für Leonie Litzenbauer nicht. „Ich habe länger darüber nachgedacht“ sagt die 21-Jährige mit Bedacht, „aber ich glaube, als Sportler ist es schwierig, da ein einziges Ereignis zu nennen.“ Die Persönlichkeit, die sie durch die Summe aller Erlebnisse und Erfahrungen geworden ist genau das ist für die ehemalige Biathletin ihr eigener „größter Moment“.

Der Startschuss ihrer Laufbahn fiel zu Hause in Rotensee: Mit Fußball und Kunstturnen aufgewachsen, kam sie irgendwann zum Sommerbiathlon, den Mutter Sandra zufällig entdeckt und im örtlichen Schützenverein etabliert hatte. Sehr schnell zeigte sie dabei ihr großes Talent und wurde im Alter von zwölf Jahren nach einer überzeugenden Probewoche an der Willinger Uplandschule aufgenommen.

Es folgten das Internatsleben, harte Trainingsarbeit und die Aussicht auf die Profi-Karriere – als der Blick 2019 in Richtung Quali für die Junioren-WM ging, machte ein dreifacher Bänderriss im Sprunggelenk diesen Traum jedoch zunichte. Als „30 Sekunden, die alles beenden können“, bezeichnet Litzenbauer ihren Sportunfall heute und denkt inzwischen mit etwas Wehmut, aber doch voller Dankbarkeit zurück. „Ich habe so viele Erfahrungen gemacht und unglaublich tolle Menschen getroffen“, sagt sie. „Der Verein und die Freunde sind ein Stück weit zur Familie geworden und das ist etwas, was einen sehr stark prägt.“

Erzählt sie von ihrer Laufbahn, den Menschen und Momenten, gibt es zwei Rennen, die ihr besonders im Kopf geblieben sind: der allererste Wettkampf in Oberwiesenthal 2012 und ihre erste Deutsche Meisterschaft auf Skirollern 2018. Bei ihrem ersten Schülercup wurde sie damals Zwölfte, obwohl niemand auch nur den Hauch von Erwartungen hatte. Sie selbst habe damit gerechnet, Letzte zu werden – den ersten Wettkampf dann aber so erstaunlich gut zu bestreiten, das sei schon richtig cool gewesen.

Leonie Litzenbauer beim City Biathlon in Wiesbaden.

Auch bei der zweigeteilten Deutschen Meisterschaft auf Skirollern lief es für die damals 19-Jährige richtig gut und insbesondere den Oberhofer Part bezeichnet sie als absolut unglaublich. „Zum einem hat man da erstmal so richtig die Zuschauermassen mitbekommen, die bei Weltcup-Rennen Standard sind“, berichtet sie begeistert. „Zum anderen war extra für mich eine große Gruppe vom SC Neuenstein angereist und hat mich wirklich super unterstützt.“

Das Staffelrennen mit DSV-Nachwuchsläuferin Marie Zeutschel und Weltcup-Siegerin Nadine Horchler nennt sie einen der schönsten Wettkämpfe ihrer Laufbahn: „Nadine hat damals eine richtig gute Ausgangsposition erlaufen und dann lief das Schießen bei mir einwandfrei. Ich konnte mit wenig Platzierungsverlust an Marie übergeben und am Ende landeten wir auf dem siebten Rang.“

Wenn sich die 21-Jährige erinnert, klingt es, als wäre es erst wenige Tage her. Dabei sind Skier und Gewehr längst kein Teil ihres Alltags mehr und das Sportlerleben ist dem an der Uni gewichen. Mit „Tür b“, wie sie ihr Orthobionik-Studium nennt, habe sie rückblickend Glück im Unglück gehabt, denn mit ihm und den damit verbundenen neuen Kontakten sei sie heute „megazufrieden“.

Ganz Lebewohl sagt sie dem Sport allerdings nicht, denn sowohl beruflich, als auch als Jugendwartin des SC Neuenstein hat sie in diesem Bereich einige Visionen und Pläne. Und auch der Biathlon ist für die begeisterte Läuferin möglicherweise noch kein völlig abgeschlossenes Kapitel: Zu Weihnachten habe sie neue Skiroller bekommen – und vielleicht werde sie irgendwann sogar noch mal bei einem Rennen starten.

Von Kristina Marth

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