Das Aulatal rastet aus 

+
Alle rasteten aus am Freitagabend im Katzbachstadion in Oberaula.  Kapitän Daniel Weber, Johannes Schreiber und Moritz Wernick rennen dem Siegtorschützen Steffen Schneider hinterher. 

3:2 in letzter Sekunde der Fußball-Relegation zur Gruppenliga: Plötzlich schien es, als würde das gesamte Aulatal ausrasten.

Fast jeder, der es mit dem Gastgeber hielt, rannte auf den Platz des endlich einmal gut gefüllten Katzbachstadions. Die Emotionen brauchten ein Ventil. Gerade hatte Steffen Schneider seine SG Aulatal mit einem Freistoß in der Nachspielzeit und dem 3:2-Siegtreffer gegen die Zweite des Hünfelder SV nach nur einjähriger Abstinenz zurück in die Gruppenliga geschossen.

„Wir haben das im Training aus Spaß mal geübt, Fabian und ich. Relegation, letzte Minute – und dann ein Freistoß“, brach es aus Schneider heraus, und man sollte wissen, dass der 34-Jährige sonst eher keine Freistöße schießt. „Neun von zehn gingen in Richtung Schwimmbad...“, schob er nach, „das war mein erstes Freistoßtor“. Offenbar brachte seinem Team noch etwas anderes Glück: „Mein Sohn hat das Spiel auch gesehen.“ Der heißt Nico und ist zwei Jahre.

Schneider hatte doppelt getroffen, und mit Fabian ist der Torwart der SG gemeint, der wegen seiner beiden Eins-gegen-eins-Reaktionen in Ulmbach und gegen Hünfeld II zu einem „kleinen Relegations-Helden“ avancierte. Schneider wurde zur ersten Adresse einer Gratulationscour, Ex-Trainer Markus Pflanz kam vorbei, und auch Fabrice Neumann. „Herr Schneider ist mein Lehrer, ich bin in der achten Klasse, und ich hoffe, dass er heute Abend die Noten macht“, bemerkte der Junge aus Wahlshausen.

Man könnte ihn Stand-by-Spieler nennen, und er hatte gewiss entscheidenden Anteil an der Wende: Roman Schrön. Beinahe hätte er mit seinem ersten Ballkontakt, einem Volleyschuss,getroffen – und mustergültig bereitete er das 2:2 vor, als Schrön nach abermaligem Ballgewinn von Moritz Wernick, dem „Duracell-Hasen“ der SG, klug auf Adrian Veapi passte, der im Strafraum frei zum Schuss kam.

„Das war einfach geil mit den Jungs. Eine geile Truppe“, benannte Schrön seine Gefühle, „toll, dass mir Ernest die 20 Minuten gegeben hat“. Mit Ernest meinte er natürlich seinen Trainer, dessen Sohn Adrian eine starke Leistung abrief: ballsicher war er, trickreich, spielerisch auf engem Raum geschickt – und er kämpfte mit Herz.

Seinem Vater, dem Architekten des Erfolgs, fiel ein Stein vom Herzen. Oder viel mehr. „Der Wille und unser Teamgeist haben den Ausschlag gegeben. Wir haben mit aller Macht dagegengehalten. Das 3:2-Siegtor war das i-Tüpfelchen auf unsere Leistung.“

Seine Jungs sollten feiern, feiern, feiern – er aber schien zunächst wie befreit. „Für mich ist erstmal Pause. Ich bin fertig.“ Die Doppelbelastung mit Herren und A-Junioren machte ihn zu einer Art „Aulataler Held“. Ausrasten wird er aber gewiss nicht.

Kommentare