Auf dem Sprung in die Hessenliga

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Feste Größe bei Verbandsligist Soisdorf: Meike Ostertag (vorn), hier in einer Spielszene gegen Naunheim aus dem vergangenen Jahr. 

Vor knapp zwei Jahren hat sich Meike Ostertag aus Hattenbach den Frauen des Fußball-Verbandsligisten Soisdorf angeschlossen.

Dort entpuppt sich die 20-Jährige als wertvolle Innenverteidigerin.

 Eigentlich wollte Meike Ostertag in diesen Tagen ihr Studium der Sportwissenschaft in Marburg wieder aufnehmen. Doch daraus wird nichts: Corona fährt ihr in die Parade. Stattdessen, und um sich etwas Geld zu verdienen, jobbt sie in Bad Hersfeld bei einem Lebensmittelmarkt als Kassiererin.

„Die Arbeit macht mir Spaß. Vor allem, weil ich gerne mit Menschen arbeite. Viele merken jetzt, wie wichtig dieser Job ist.“ Na ja, mit Menschen arbeiten, das ist in diesen Tagen, in denen Kontaktreduzierung so wichtig ist, so eine Sache. „Wir sitzen hinter einer Plexiglasscheibe, und der Abstand ist gewährleistet. Vor dem Markt befinden sich Security-Männer, die darauf achten, dass die Leute Einkaufswagen benutzen.“

Erst jetzt kommen wir zum Fußball. Das Frauenteam des SC Soisdorf ist Zweiter der Verbandsliga Nord, hat noch im vergangenen Jahr zwei Spiele der Rückserie absolviert, in diesem Jahr aber noch keines. Alle Amateurfußballer belastet dieser Tage die Frage, was mit der angebrochenen Serie werden soll. Was ihr Team betrifft, bemerkt die 20-Jährige: „Ich bin froh, dass ich nicht in der Haut derer stecke, die das entscheiden müssen.“

Im Sommer 2018 nahm Meikes junge Laufbahn an Fahrt auf: Vom Gruppenligisten Geistal (jetzt Neuenstein) wechselte sie zum eine Klasse höher angesiedelten Verbandsligisten Soisdorf. „Am Anfang war ich skeptisch“, erinnert sich Ostertag, „meine damalige Trainerin Karolin Hahn-Schwalbach sagte, ich solle Libero spielen.“ Sie, die eher klein gewachsen ist und zuvor im defensiven Mittelfeld eingesetzt wurde.

Doch bald änderte sich ihre Meinung. „Das hat soviel Spaß gemacht, und am Ende hat sich meine Schnelligkeit ausgezahlt.“ Heute ergänzt sie: „Mit unserer Torhüterin Ann-Kathrin Weber im Rücken habe ich mich sicher gefühlt. Und meine Mitspielerin in der Innenverteidigung, Marina Lermer, die schon höherklassig gespielt hat, hat mir Festigkeit gegeben; das Zusammenspiel mit ihr klappt immer besser.“

Mittlerweile agiert Soisdorf mit einer Vierer-Abwehrkette. Schon die ehemalige Trainerin, führte die ein – doch Detlef Pabst, seit vergangenem Sommer im Amt, perfektionierte das System. Der sagt: „Für ihre Körpergröße ist Meike zu einer stabilen Größe geworden. Nicht nur als Innenverteidigerin – auch fürs Team.“ Sie sei kopfballstark, fit im Zweikampfverhalten und verfüge über eine gute Antizipation, „sie ist die perfekte Ergänzung zu Marina Lermer.“ Kein Wunder, dass der Coach anfügt: „Was einen Innenverteidiger von 1,90 Meter Körpergröße auszeichnet, das hat Meike auch.“ Für ihr junges Alter sei sie äußerst abgeklärt.

Zudem verteilt der routinierte Trainer menschlich gute Noten. Die 20-Jährige sei „unwahrscheinlich positiv und ehrgeizig, ein absoluter Teamplayer, der der Mannschaft gut tue“. Daher erscheint verständlich, dass Meike schon zweimal auf dem Sprung zur Hessenliga stand – oder noch steht. Erstmals war das 2015, als sie mit dem SV Kathus an Hessens höchste Spielklasse anklopfte; Willi George hatte die damals 16-Jährige ins Boot geholt. Aktuell existiert die Möglichkeit mit dem SC Soisdorf noch immer – auch wenn derzeit in den Sternen steht, was aus der Spielserie wird. Und Meike Ostertag an der Kasse eines Lebensmittelmarktes sitzt. red

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