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Soisdorfs Fußballerinnen schwimmen auf einer Welle der Sympathie

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Lassen sich ihre gute Laune nicht verderben: Für die Fußballerinnen des SC Blau Weiß Soisdorf sind Spaß und Teamgeist viel wichtiger als die Ergebnisse in der Verbandsliga.
Lassen sich ihre gute Laune nicht verderben: Für die Fußballerinnen des SC Blau Weiß Soisdorf sind Spaß und Teamgeist viel wichtiger als die Ergebnisse in der Verbandsliga. © SC Soisdorf

26 Fußballerinnen haben dem SC Soisdorf im Sommer 2021 vor Saisonbeginn den Rücken gekehrt und sich dem „großen“ Nachbarn VfL Eiterfeld angeschlossen. Soisdorf tritt trotzdem in der Verbandsliga an. Chancenlos zwar – aber dennoch mit Ehrgeiz und ganz viel Spaß.

Soisdorf – Null Punkte, 0:104 Tore, Tabellenletzter der Fußball-Verbandsliga Nord, Gruppe 2: So liest sich die ernüchternde Bilanz der Fußballerinnen des SC Soisdorf. Was ist denn da los?

Die Vorgeschichte

Frauenfußball gehört seit 34 Jahren zum Angebot des SC Soisdorf. Im vergangenen Frühjahr sah es dann aber so aus, als würde das fortan der Geschichte angehören. 26 (!) Fußballerinnen kehrten dem SC Soisdorf vor Saisonbeginn im Sommer den Rücken und schlossen sich dem Nachbarn VfL Eiterfeld an. Dort spielen sie in der Kreisoberliga und dominieren nach Belieben (siehe Am Rande).

„Wir sind von dieser Entwicklung damals komplett überrollt worden und haben bislang noch immer keine Erklärung, warum uns so viele Spielerinnen verlassen haben“, wundert sich Betreuer Gerald Stumpf noch heute. „Soisdorf ist ein 300-Seelen-Dorf, und dementsprechend sind unsere Möglichkeiten als Verein auch begrenzt“, sagt er.

Stumpf vermutet, dass sich die Spielerinnen unter anderem durch die modernisierte Sportanlage am Hain und der besseren Infrastruktur nach Eiterfeld haben locken lassen. „Können wir überhaupt weiterspielen“ – diese Frage stellte man sich in Soisdorf. Und machte sich fortan fleißig auf die Suche nach Spielerinnen. Mühsam, aber mit Erfolg. „Wir wollten das Kapitel Frauenfußball nicht einfach so enden lassen. Und außerdem wollten wir Eiterfeld nicht unseren Platz in der Verbandsliga überlassen“, stellt Stumpf klar.

Die Gegenwart

22 Spielerinnen waren in der Vorrunde für die Mannschaft des Trainer-Duos Wolfgang Juling und Jörg Sollmann am Ball. Sie kommen nicht nur aus Soisdorf, sondern auch aus Edel- und Pilgerzell. Die Jüngste, Celina Reinhard, ist 18. Die Älteste, Anita Krieg, 66 Jahre alt (siehe Artikel unten). Auch Führungsspielerin Heike Schuhmann und Torfrau Christine Juling haben die 50er-Marke überschritten.

Immer dranbleiben: Heike Schuhmann (in Blau), Fußballerin des SC Soisdorf, im Spiel gegen Gläserzell II.
Immer dranbleiben: Heike Schuhmann (in Blau), Fußballerin des SC Soisdorf, im Spiel gegen Gläserzell II. © SC Soisdorf

Dass man in der Verbandsliga nicht ansatzweise konkurrenzfähig sei, wäre sofort allen Beteiligten klar gewesen. Ihren Spaß haben sich Soisdorfs Fußballerinnen aber nicht verderben lassen. Zu keiner Zeit. Ganz im Gegenteil. Nach dem letzten Heimspiel gegen Freiensteinau (0:12) habe es am Sportplatz eine Party gegeben. Dabei wurden 150 Burger und 60 Bratwürste verkauft. Und auch einige Getränke sollen „am Hauck“ über den Tresen gegangen sein, wie man hört.

Das positive Echo

„Wir werden von einer Welle der Sympathie getragen“, berichtet Stumpf und klingt dabei auch ein kleines bisschen stolz. Die Gegner träten ihnen mit viel Respekt gegenüber. Und nicht etwa mit Hochmut. Poppenhausen und Gläserzell beispielsweise hätten nach den Spielen Beifall gespendet. In Freiensteinau seien die Soisdorferinnen nach dem Spiel noch zu einer Platzeinweihung eingeladen worden. Auch die Heimspiele verfolgten regelmäßig bis zu 200 Zuschauer, die die Mannschaft begeistert unterstützen. „Das Ganze hat eine Eigendynamik bekommen. Das ist der Wahnsinn. Es macht trotz der vielen, deutlichen Niederlagen unheimlich viel Spaß“, sagt Stumpf.

Die Zukunft

Ganz klar: Den Abstieg können die Soisdorferinnen, die sich zurzeit mit etwas Lauftraining fithalten, nicht mehr verhindern. Viel wichtiger aber ist den Verantwortlichen, dass in Soisdorf auch in der kommenden Saison weiterhin Fußball gespielt werden kann. Dann im 35. (!) Jahr. „Wir wollen natürlich auch in der Gruppenliga antreten, wenn wir eine Mannschaft stellen können“, sagt Gerald Stumpf. Interessierte Spielerinnen könnten sich gern bei ihm melden, sagt der Betreuer.

Kontakt: Gerald Stumpf, 0171/3873394 sowie per E-Mail unter stumpfg@t-online.de

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