ARD-Moderator Andreas Käckell im Interview: „Die Stracke lasse ich mir schicken.“

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Andreas Käckell moderierte im vergangenen Jahr die Gala der Robert-Enke-Stiftung in Hannover. Dort traf er auf Uli Hoeneß.  

Der Journalist Andreas Käckell (55) arbeitet seit 1990 für den NDR. Käckell stammt aus Kassel und hat Ende der 80er-Jahre bei der Hersfelder Zeitung volontiert.

Sie haben das Jahr mit einem Skiurlaub sportlich begonnen. Sind Sie jemand, der grundsätzlich gute Vorsätze fasst?

Nein, das finde ich albern. Mein guter Vorsatz ist, dass man jeden Menschen mit Respekt behandeln sollte. Das nehme ich mir immer wieder vor – nicht nur an Silvester.

Sie sind Sie nah dran an den Großen des Sports. Was ist von 2019 hängen geblieben?

Ich bin sehr beeindruckt von Jürgen Klopp. Ich dachte, er würde gehypt und hätte ihm die ganz großen Erfolge nicht zugetraut. Und jetzt ist er plötzlich Welt-Trainer. Dass er ein super Typ ist, steht außer Frage.

An welche berufliche Begegnung von 2019 erinnern Sie sich am liebsten?

Teresa Enke hat mir absolut imponiert. Ich habe im November die Gala der Robert-Enke-Stiftung zu dessen zehnten Todestag moderiert. Was Teresa Enke mittlerweile auf die Beine gestellt hat, ist der Wahnsinn. Die Stiftung hilft nicht nur Profis oder Sportlern, die unter Depressionen leiden. sondern ist auch für Otto Normal da. Das ist großartig.

Uli Hoeneß saß in Hannover auch auf dem Podium.

Das ist richtig. Er hat detailliert von Sebastian Deisler erzählt, dessen enger Vertrauter er war, als bei Deisler während seiner Bayern-Zeit die Depression ausbrach. Hoeneß hat ihm jede erdenkliche Hilfe gewährt, bis Deisler eines Tages zu ihm ins Büro kam und gestand, dass er nicht mehr könne. Hoeneß ist menschlich ein ganz Großer – seine Steuergeschichte geht aber natürlich gar nicht.

Wie sehen Sie die Entwicklung, was (ehemalige) Tabuthemen wie Depressionen im Sport anbelangt?

Was die Robert-Enke-Stiftung auf den Weg gebracht hat, ist großartig. Fast jeder Fußball-Erst- und Zweitligist hat mittlerweile einen Psychologen im Verein oder aber zumindest im Netzwerk. Wenn Spieler heutzutage über psychische Probleme klagen, bekommen sie sofort Hilfe. Das ist ganz wichtig.

Andreas Käckell moderierte im vergangenen Jahr die Gala der Robert-Enke-Stiftung in Hannover. Dort traf er auf Uli Hoeneß (Bild oben) und Enkes Witwe Teresa, die ihn beide tief beeindruckten, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet.   Fotos: privat

Gewalt gegen Schiedsrichter im Amateurbereich hat Ende des Jahres für Aufsehen gesorgt. Wie sehen Sie diese Problematik?

Es gibt vielleicht nicht mehr Fälle als früher. Aber sie verlaufen viel brutaler. Die Hemmschwelle ist gesunken. Der Respekt geht nach und nach verloren. Das ist für mich aber kein Problem des Fußballs, sondern ein gesellschaftliches. Das ist das Schockierende und macht mir auch ein bisschen Angst.

Sie sind seit 1990 beim NDR. Wie hat sich die Rolle der Medien in den letzten Jahren verändert?

Der investigative Journalismus hat sich stärker ausgeprägt. Aufgabe der Medien ist immer mehr, Missstände aufzudecken, Wölfe im Schafspelz zu entlarven und Dinge zu enthüllen. Egal ob in der Politik oder im Sport. Wir haben bei der ARD zum Beispiel eine eigene Doping-Redaktion. Unfassbar, was die für Geschichten raushauen.

Für die deutschen Handballer hat dieser Tage die EM begonnen. Was trauen Sie Ihnen zu?

Ich glaube, Deutschland hat gute Chancen. Es ist eine eingespielte Mannschaft und der Trainer hat jetzt auch Erfahrungen gesammelt. Sie können um den Titel mitspielen.

Und wie sehen Sie Jogis Jungs für die EM im Juni aufgestellt?

Das muss man abwarten. Da sind ja auch nach dem Umbruch schon noch gute Jungs dabei. Dass man aber „meinen“ Thomas Müller ausgebootet hat, tut mir immer noch richtig weh.

Das klingt, als wären Sie Bayern-Fan ...

Das habe ich noch nie in einer Sendung gesagt(lacht). Aber es stimmt. In den 70er-Jahren waren Bayern und Gladbach die beiden Top-Teams. Und weil mein Vater glühender Gladbach-Fan war, bin ich als Jugendlicher in die Opposition gegangen. Wir durften damals nicht auf einem Fernseher schauen. Das ging schief.

Sie leben seit 30 Jahren in Hamburg. Wir müssen deshalb kurz über den HSV sprechen …

Mit Trainer Dieter Hecking bin ich guter Hoffnung, dass sie wieder aufsteigen. Ihn kenne ich seit seiner Zeit bei Hessen Kassel in der Zweiten Liga schon ganz gut.

Sie stammen aus Kassel, Ihr Bruder lebt in Bad Hersfeld. Verfolgen Sie auch noch den Sport in diesen Regionen?

Ich bin Fan von Hessen Kassel. Ganz egal, in welcher Liga sie spielen. Wenn ich in Kassel bin, gehe ich auch gern ins Auestadion. Ich bin auch Mitglied nach wie vor.

Und jetzt mal ganz ehrlich: Wie kommt man als Kasselaner in Hamburg ohne Ahle Wurscht zurecht?

Die Stracke lasse ich mir regelmäßig schicken. So geht’s schon mal los. Und wenn ich in der Region bin, fahre ich gern nach Weißenbach im Meißner. Da ist so eine kleine Alm, wo es total idyllisch ist. Für mich gibt es da die beste Stracke.

Zur Person: Andreas Käckell (55) ist Journalist und arbeitet seit 1990 für den NDR. Er ist dort Leiter des Sportclubs und moderiert den Sportblock in den ARD-Tagesthemen. Käckell stammt aus Kassel und volontierte Ende der 80er-Jahre bei der Hersfelder Zeitung. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Hamburg. Seine Kinder heißen Marie, Paul und Silas. In seiner Freizeit hält sich Andreas Käckell gern fit – mit Ski fahren, Joggen oder im Fitnessstudio.

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