Handball-Landesliga

22 Minuten ohne Gegentor: TG Rotenburg schlägt Zierenberg, Luca Schuhmann erwischt Sahnetag

Abwehrbollwerk: Auch den bulligen Kreisläufer Tore Pfeiffer hatte der TGR-Mittelblock mit Maurice Reyer (hinten) und Luca Hagemann (Mitte) gegen den HSC Zierenberg meist im Griff.
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Abwehrbollwerk: Auch den bulligen Kreisläufer Tore Pfeiffer hatte der TGR-Mittelblock mit Maurice Reyer (hinten) und Luca Hagemann (Mitte) gegen den HSC Zierenberg meist im Griff.

22 Minuten ohne Gegentor waren entscheidend für einen am Ende souveränen 30:22 (14:5)-Sieg der TGR am ersten Spieltag der Handball-Landesliga.

Rotenburg – 22 Minuten lang stimmte einfach alles. Torhüter Alexander Dick, der Mittelblock mit Maurice Reyer und Luca Hagemann, der auf ungewohnter Position Abwehrchef Tomislav Balic vertrat, aber auch alle anderen Blauen auf dem Parkett vernagelten ihr Tor und zwangen die Gäste des HSC Zierenberg immer wieder zu schlecht vorbereiteten Abschlüssen, weil sie mit ihrer kompakten 6:0-Deckung schlicht keine Angriffsmöglichkeiten boten.

Zunächst tat sich das Team von Trainer Robert Nolte im ersten Punktspiel nach sieben Monaten Pause allerdings schwer. Gegner Zierenberg war in der abgebrochenen Corona-Saison nach 20 Spieltagen mit null Punkten Landesliga-Schlusslicht gewesen. Davon war erst mal aber nichts zu sehen. Beide Teams begannen nervös, doch die Zierenberger fingen sich schneller und führten 2:0 (4.), 4:2 (9.) und 5:3 (12.). Die TGR spielte sich bis dahin kaum klare Chancen heraus, obendrein scheiterte Simon Golkowski bei einem Tempogegenstoß am Gäste-Keeper. Routinier Daniel Harbusch sorgte mit zwei Treffern dafür, dass die Gastgeber auf Tuchfühlung blieben.

Dann begann die Galavorstellung des Halbrechten Luca Schuhmann. Er sorgte nach 16 Minuten für den 5:5-Ausgleich und ließ in den folgenden sechs Minuten vier weitere blitzsaubere Treffer folgen. Nach 23 Minuten erzielte der stark bedrängte Maurice Reyer aus dem Rückraum fast schon auf dem Boden liegend das 12:5 – 20 Sekunden später parierte Dick auf der Gegenseite dann auch noch einen Siebenmeter.

„Wir wussten, dass Zierenberg dann nach der Pause alles daransetzen wird, sich noch mal ranzukämpfen“, sagte Trainer Nolte nach dem Spiel. Verhindern konnte sein Team das allerdings nicht. Die wuchtigen Spieler der Gegner tankten sich nun immer wieder durch die TGR-Abwehr, auch dank guter Sperren des bulligen Kreisläufers, während die Rotenburger vorne schnell drei, vier Fahrkarten schossen und einige Male am starken Torhüter Jens Rudolph scheiterten. Die Neun-Tore-Halbzeitführung schmolz dahin. Beim 18:15 (41.) waren die Gäste wieder voll im Spiel.

Umso mehr Respekt nötigte es TGR-Coach Nolte ab, als Torwart Rudolph ausgerechnet in dieser Phase großen Sportsgeist bewies und einräumte, dass ein Ball, der danach durch ein Loch im Netz flutschte, zuvor hinter der Torlinie gewesen war, obwohl die guten Schiedsrichter auf Abwurf entschieden hatten. „Hut ab, das habe ich noch nicht oft erlebt“, meinte Nolte.

Luca Schuhmann erwischte einen Sahnetag gegen den HSC Zierenberg.

Nun merkte man auch, dass der TGR mit Jan-Oliver Holl, den Balic-Brüdern und Niklas Fischer vier Stammkräfte fehlten. Nolte: „Normalerweise sind diese Jungs für 12 bis 15 Tore pro Spiel gut.“ Schon vor dem Spiel hatte der Trainer gesagt, dass die jüngeren Spieler mehr Verantwortung übernehmen und ihre Torgefahr zeigen müssten. Und das taten sie auch. Nachdem zunächst Golkowski mit zwei Treffern hintereinander den Abstand wieder auf fünf Tore hochschraubte, sorgten neben dem klug Regie führenden Martin Harbusch auch Maurice Reyer, Timon Groth, Luca Hagemann, Leon Schmitt und natürlich weiterhin Luca Schuhmann dafür, dass der Sieg am Ende doch noch deutlich wurde.

„Riesen Respekt“ zollte Trainer Nolte nach dem Schlusspfiff neben den angeschlagenen Spielern, die sich trotzdem auf die Bank gesetzt hatten, auch Leon Schmitt, der aus der Zweiten aufgerückt war, und Jonas Troch, der zwar eigentlich gar nicht mehr spielt, aber wegen der großen Personalnot trotzdem dabei war – auch wenn er nicht zum Einsatz kam.

TG Rotenburg: Dick, Drazen – Schuhmann (8), Golkowski (7), Reyer (5), Harbusch (4/3), Hagemann (2), Groth (2), Günther (1), Schmitt (1), Holl, Brandau, Barzov, Troch

HSC Zierenberg: J. Rudolph (1), Zimmermann – Rode (6), Schnitzer (5), Feller (4), D. Kunz (3), Pfeiffer (2), Stiegenroth (1), Schindehütte, Barthel, Feyh, A. Rudolph, Spangenberg, Eckhardt

SR: Kaufmann/Neumann

Z: 40

Corona: Viele Fans blieben zu Hause

Schon bei der Parkplatzsuche merkten die Zuschauer am Samstagabend, dass alles anders war als sonst. Denn man musste nicht suchen. Gerade einmal 40 Zuschauer waren in die Großsporthalle zum TGR-Heimspiel gekommen – die Partie hätte mehr verdient gehabt.

„Das hat uns schon enttäuscht. Wir haben ja wochenlang alles vorbereitet und ein super Hygienekonzept aufgestellt“, sagt TGR-Vorstandsmitglied Michael Strauchmann.

Hatten es einige Stammgäste erst gar nicht versucht, weil der Verein im Vorfeld angekündigt hatte, dass nur rund 90 Zuschauer in die Halle dürfen, oder waren viele angesichts steigender Infektionszahlen eher aus Vorsicht zu Hause geblieben? „Wahrscheinlich beides“, meint Strauchmann. Wie viele andere TGR-Urgesteine kann er sich nicht daran erinnern, dass es in den vergangenen Jahrzehnten ein Heimspiel mit weniger Zuschauern gegeben hätte – außer vielleicht einem Trainingsspiel unter der Woche.

Der Vorsitzende Reiner Wollrath war vor dem Spiel etwas angespannt, betonte aber, dass die Vorbereitungen auf das erste Spiel unter Corona-Bedingungen sehr gut gelaufen seien. Es gab ein abgespecktes Angebot am Kiosk, die Plätze waren – abstandsgerecht – ausgewiesen und die Verantwortlichen hatten ein Einbahnstraßensystem zu Sitzplätzen, Toiletten, Kiosk und Ausgang abgesperrt. Ordner wiesen darauf hin, dass die Zigarette diesmal nicht auf der Treppe vor der Halle geraucht werden darf, wo die Handball-Fans sonst oft dicht gedrängt stehen, sondern davor.

Die Zuschauer zeigten sich diszipliniert und hielten sich an die Maskenpflicht. Ab Betreten der Halle durfte man den Mund-Nasen-Schutz nur auf dem Sitzplatz abnehmen. So, wie die TGR es organisiert hat, ist die Ansteckungsgefahr für Handballfans in der Halle wohl nicht größer als in einem Supermarkt.

Kommentar: Etwas surreal

Dieses TGR-Heimspiel war etwas surreal. In die Rotenburger Großsporthalle waren am Samstagabend weniger Zuschauer gekommen als am darauffolgenden Nachmittag Autos rund um den Rockensüßer Fußballplatz standen.

Klar, das lag auch daran, dass die Gäste aus dem Haselgrund nur über den Schwarzen Stock fahren mussten, um sich das Kreisliga-Verfolgerduell bei der SG Cornberg/Rockensüß anzusehen. Doch auch abgesehen von dieser Partie sind viele Fußballspiele auch bei steigenden Corona-Zahlen noch gut besucht.

In geschlossenen Räumen wie in einer Handballhalle ist das Ansteckungsrisiko größer als auf einem Fußballplatz. Viel besser als die TGR kann man ein Handballspiel unter Corona-Bedingungen allerdings nicht vorbereiten – und die fleißigen Trommler der C-Jugend sorgten dafür, dass zumindest die Geräuschkulisse stimmte. Übel nehmen kann man es derzeit niemandem, wenn er aus Sorge um die Gesundheit lieber zu Hause bleibt. Aber verdient hätten die Rotenburger Handballer definitiv mehr Zuschauer.

Von Christopher Ziermann

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