Kampf um Schadensbegrenzung, Leistungssteigerung und Teamgeist

Niederlagen-Serie: Eine Trendwende bei den Kassel Huskies muss her, aber wie?

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Klimmzüge für die Trendwende? Auch Toni Ritter, hier bei Dehnübungen mit dem Schläger, ist nach seiner Verletzung nicht in Bestform.

Kassel. Wohin steuern die Kassel Huskies in dieser Saison? Nach drei Pleiten innerhalb von fünf Tagen muss eine Trendwende her, sonst drohen die Preplayoffs - und das erstmals seit dem Aufstieg.

Platz eins – vergeben am Bietigheim oder Riessersee, das Team der Saison. Rang zwei – auch unerreichbar. Dritter – wird wohl Frankfurt. Um was also geht es für die Kassel Huskies noch nach dem erneuten Debakel in Dresden (4:7) mit fünf Gegentoren im letzten Drittel?

Um Schadensbegrenzung, um die Trendwende nach drei Pleiten binnen fünf Tagen. Seit dem denkwürdigen 3:7 in Bad Tölz am 10. Dezember gab es in 17 Spielen nur noch sieben Siege und nur vier Dreier.

Die Perspektive

Vor den letzten elf Hauptrunden-Spielen trennen nur noch drei Punkte die Kasseler von Crimmitschau auf Rang sieben. Erstmals seit dem Aufstieg drohen die Preplayoffs der Teams auf den Plätzen sieben bis zehn.

Der Kapitän

Der Ausfall von Manuel Klinge wiegt viel schwerer als gedacht. Als hervorragender Spieler, vor allem aber auch als Kapitän. Der vorangeht, den Laden zusammenhält. Der Langzeit-Verletzte arbeitet in der Geschäftsstelle mit.

Die Leistungsträger

James Wisniewski kam als Star, der den Unterschied ausmacht. Und war tatsächlich zunächst als Vollstrecker, Stratege und Vorbild ein Riesengewinn. Aber jetzt? „Wis“ ist längst nicht mehr der Alte, hat eine hohe Fehlerquote, ist mit den Gedanken schon bei Olympia. Gegen Dresden kam der Routinier auf eine Plus-Minus-Bilanz von -3; gegen Ravensburg stand er bei vier Treffern auf dem Eis, aber auch bei vier Gegentoren. Auch beim SC Riessersee und gegen Bad Tölz ist die Bilanz negativ.

Bei Braden Pimm, bis Weihnachten noch Topscorer der Liga, grübeln manche Fans, ob er den Aubameyang macht. Denn seitdem ihn Düsseldorf im Dezember holen wollte, aber die Huskies ihn nicht freigaben, stimmen Aufwand, Ertrag und Defensivverhalten nicht mehr beim Kanadier. Die Zahlen: In Dresden bei drei Gegentoren auf dem Eis, auch gegen Ravensburg.

Die Torhüter

Im November noch hatten die Kasseler ein Luxusproblem bei den Torhütern. Jungspund Mirko Pantkowski spielte auf wie ein Alter, verdrängte Markus Keller als Nummer eins. Nun aber, da der Junge auch angesichts der vielen (internationalen) Einsätze doch ein wenig Lehrgeld zahlen muss, ist auch Keller nicht in Topform. Und: Beide werden von ihren Vorderleuten im Stich gelassen.

Die Verunsicherung

Eines haben (fast) alle Huskies gemein: Die Verunsicherung. Bei einigen spielen auch Verletzungen und deren Folgen eine Rolle. Bei Toni Ritter, bei Thomas Merl, auch bei Alex Heinrich, jetzt Kapitän, der weit entfernt ist von der Meisterform 2016 und mental zu knabbern hat – wie auch andere Kasseler Jungs. Weitere Beispiele: Kevin Maginot und Evan McGrath, die Wolfsburg sichtet und seither schwächeln.

Der Zusammenhalt

Huskies geben niemals auf – aber davon ist derzeit wenig zu sehen. Trotz der Aufholjagd gegen Ravensburg präsentieren sie sich nicht als Mannschaft, als verschworene Gemeinschaft. Hinter vorgehaltener Hand fühlen sich einige (deutsche) Spieler ungerecht behandelt. Dem Vernehmen nach stand eine interne Teamsitzung an. Zum „auskotzen“.

Der Trainer

Beim Neujahrsempfang der Huskies hat Rico Rossi seinen aktuellen Stand als „Buhmann für Viele dies- und abseits des Eises“ beschrieben. Jetzt ist er insbesondere als Psychologe gefordert, der den Spielern zu neuem Selbstvertrauen und Selbstverständlichkeit verhilft. Auch wenn sie genau das in erster Linie selbst erarbeiten müssen. Zuckerbrot statt Peitsche.

Die Gerüchte

An vielen Stellen wird Rossi infrage gestellt. Die wildesten Gerüchte und Personalien wabern durch die Eissporthalle. Brian Hills (58) war kürzlich zu Besuch, der als Juniorencoach in Rochester erfolgreich ist, auch Tim „Snoopy“ Schnobrich (52), der als Werkzeug-Händler etabliert ist. Über Teal Fowler (Mannheim) und Ex-Husky Eric Thurston (54, Edmontons U15) wird spekuliert, sogar über Stéphane Richer (51). Aber warum sollte der freiwillig als Sportdirektor in Berlin aussteigen?

Hintergrund: Blicke nach Krefeld und Straubing

Bei der Suche nach Ersatz für Olympia-Fahrer James Wisniewski in der Abwehr können die Huskies den Blick auch in die DEL richten. Dort stehen noch zwei Hauptrunden-Spieltage in dieser Woche und dann weitere drei nach Olympia an. Und die beiden abgeschlagenen Schlusslichter Straubing und Krefeld haben auch aus wirtschaftlichen „signalisiert, dass sie Spieler abgeben könnten“, erklärte gestern Klaus Hille.

Der Spielerberater aus Düsseldorf bestätigte zudem, dass im Werben der DEG um seinen Klienten Braden Pimm alles gesagt sei und ein Wechsel zum aktuellen Zeitpunkt kein Thema mehr sei. Er erwarte von Pimm nun professionellen Einsatz für die Kasseler. Und von Joe Gibbs, „dass die Huskies zu den Klubs zählen, die bei sportlicher Flaute nicht so schnell auf öffentlichen Druck einknicken und dem Trainer den Rücken stärken“.

Quelle: HNA

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