Spielerberater Daniel Lammel: Kassel läuft bei Personalplanung die Zeit davon

Huskies-Personal: Bei deutschen Assen ist's schon eng

+
Spielerberater aus Kaufungen: Daniel Lammel

Kassel. Die Zeit drängt für die Kassel Huskies, wenn sie eine schlagkräftige Mannschaft für die nächste Saison zusammenstellen wollen.

"Besonders bei den guten deutschen Spielern sind jetzt schon nicht mehr viele Leute zu bekommen", erklärt Daniel Lammel. Der Spielerberater aus Kaufungen erklärt Hintergründe und die Marktlage.

Hier geht es zum Vereinsporträt

Zur Vereinsseite

Herr Lammel, warum ist es für die Huskies im sportlichen Bereich ein Problem, dass über die Zukunft nun doch erst in drei Wochen entschieden werden soll?

Daniel Lammel: Weil gerade jetzt der Spielermarkt auf Touren kommt. Lange, lange Zeit war es diesmal ruhig wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage überall.

Aber nun geht’s los, die Anfragen von Vereinen nach guten Spielern häufen sich. Welche Spieler sind denn am meisten gefragt?

Lammel: Besonders hoch im Kurs stehen die guten Deutschen, da sind jetzt schon nicht mehr viele Leute zu bekommen. Da drängt die Zeit am meisten, wenn man eben gute, talentierte Spieler wie Manuel Klinge, Thomas Holzmann, René Kramer und Mike Card, der mit deutschem Pass spielt, in Kassel halten möchte. Und natürlich sind auch die Top-Ausländer sehr gefragt. Spieler wie Damon, Soares, Sleigher und Coté werden immer gute Angebote anderer Klubs erhalten.

Das macht aber wenig Mut und lässt einen Ausverkauf in Kassel befürchten ...

Lammel: So krass kann man es auch wieder nicht sagen - mit Ausnahme der deutschen Spieler. Denn bei den Importen wird eine Menge passieren in den nächsten Monaten. Die Wirtschaftskrise ist auf der ganzen Welt zu spüren, auch die Kontinentale Hockey Liga in Russland hat einige Probleme. Sogar ein deutscher Topspieler wie Eduard Lewandowski von Spartak Moskau wird hier angeboten.

Sind die Klubs im Ausland in den Planungen weiter als deutsche Teams?

Lammel: Teilweise, zumindest in Finnland und Tschechien stehen jetzt schon 65 bis 70 Prozent der Kader für die nächste Saison. Diesen Status erreichen in Deutschland viele Klubs erst im April, Mai.

Also könnte man im Notfall auch solange warten, bis man eine Mannschaft formiert?

Zur Person

Daniel Lammel, geboren am 22. Januar 1965 in Böhmisch Leipa (CSSR), war zwölf Jahre Eishockeyprofi u. a. in Kassel (1988 und 1990 - 93), Geretsried, Freiburg und Stuttgart. Der Versicherungs- und Finanzkaufmann betreibt in Kaufungen die Firma Target Consult, die auch Eishockeyspieler berät und vermittelt. Zu seinen Klienten zählen u.a. Manuel Klinge, Martin Bartek, Petr Macholda und Christian Hommel. Lammel spielt Golf (Handicap 10,7) ist geschieden und hat zwei Kinder. (sam)

Lammel: Natürlich wird man auch im Sommer noch genügend Spieler auftreiben. Aber man muss dann nehmen, was noch übrig ist. Die Truppe wäre nicht eingespielt, auch das zwischenmenschliche Miteinander wäre kaum zu kalkulieren. Und, vor allem, von den aktuellen Kasseler Spielern, die wir Fans mögen, wären wohl nicht mehr viele frei.

Gibt es denn von Ihnen einen Tipp für die künftigen Huskies-Lenker?

Lammel: Keinen Tipp, aber vielleicht einen Anstoß, um das Wir-Gefühl im Kasseler Eishockey-Lager wieder zu stärken: Seit mehr als 30 Jahren wird hier Eishockey gespielt. Und wir haben eine Menge Fachleute, die sich einbringen können. Shane Tarves wäre ein Mann fürs Controlling, Sepp Kontny macht als Torwarttrainer ebenso gute Arbeit beim Nachwuchs wie Matthias Kolodziejczak und seit vielen Jahren Milan Mokros, Herbert Heinrich ist hier, Ralf Hartfuß auch. Und wir alle haben gute Kontakte zu ehemaligen Mitspielern. Eric Thurston ist ein erfolgreicher Trainer in Edmonton, Dave Morrison leitet das Amateurscouting bei den Toronto Maple Leafs. Da gibt es eine Fülle von Kontakten, die man nutzen könnte.

Von Gerald Schaumburg 

Quelle: HNA

Kommentare