Erst schleppender Beginn, dann reger Austausch

Erster Fantreff der Huskies: Eine gelungene Annäherung

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Diese Huskies stellten sich den Fans (von links): Braden Pimm, Alexander Heinrich, Hugo Boisvert, Adriano Carciola, Michi Christ, Joe Gibbs, Tim Lucca Krüger, Rico Rossi, Evan McGrath und Manuel Klinge. 

Kassel. Es war Michi Christ, der das Eis brach. Der Stürmer der Huskies, ein Junge mit Kasseler Wurzeln, fand beim ersten Stammtisch des Eishockey-Zweitligisten die Worte, die den Dialog zwischen den Klub-Vertreten und den Anhängern richtig ins Rollen brachten.

 

Die Huskies hatten mit der Einladung in die Champions-Bar der Eishalle auf die Kritik in den letzten Wochen reagiert. Moderiert vom Fan-Beauftragten Sven Breiter stellten sich neben Geschäftsführer Joe Gibbs, Trainer Rico Rossi und Co-Trainer Hugo Boisvert auch sieben Spieler den 65 Anhängern, die mit Kritik, Anregung aber auch Unterstützung nicht sparten. 

Nach etwas schleppendem Beginn gab Christ eine Liebeserklärung an das Kasseler Eishockey ab. Sprach von seinen Zeiten als Fan, als ihn Dreck in der Halle nicht gestört habe, weil „hier die Party stattfand“. Von seinen Eltern, die noch immer auf dem Heuboden stehen. Davon, wie schade es sei zu sehen, was derzeit mit der Stimmung passiere. Sein Appell: „Die Halle hat uns nach vorn gepeitscht. Die Gegner hatten Angst, hier zu spielen. Da müssen wir wieder hinkommen.“ Dafür gab es viel Beifall. Und der Abend wurde endgültig zu einem wichtigen Austausch mit dem Fazit: Eine gelungene Annäherung.

"Verbrannter" Pimm will noch mehr spielen

Fragt nach der Taktik: André Hellbach aus Kassel.

Das Internet und seine Kultur war auch kurz Thema. „Die Chefmährer von Facebook sind nicht hier“, stellte Moderator Sven Breiter fest. Die, die da waren, hielten sich mit sachlicher Kritik aber keineswegs zurück. André Hellbach wollte von Rico Rossi wissen: „Wieso funktioniert die Taktik nicht?“ Rossis erste Antwort: „Weil es einen verdammten Gegner gibt.“ 

Der Trainer war anfangs spürbar zurückhaltend, wurde aber später immer lockerer. Erklärte, dass niemand happy sei, wenn die Spiele schlecht liefen. Dass die Kritik zum Geschäft gehöre, aber: „Glaubt mir, sie hat Auswirkungen auf die Jungs“. Er erinnerte daran „dass wir jedes Jahr um den Titel mitspielen konnten“, was alles andere als selbstverständlich sei. Und noch einmal zum System: „Ich akzeptiere eure Kritik. Es klappt derzeit nicht alles. Aber dies ist mein System. Für mich ist allein wichtig, dass meine Spieler dieses System verstehen. Wenn ich versuche, den Weg von x oder y zu gehen, bin ich als Trainer tot.“ 

Die Frage, warum Leistungsträger wie nun Braden Pimm durch lange Einsatzzeiten verbrannt würden, beantwortete der Torjäger für seinen Trainer: „Ich möchte noch viel mehr spielen. Ich möchte jedes Spiel für Kassel gewinnen. Und ich bin sauer, weil die Schüsse, die zu Saisonbeginn ins Tor gingen, nun nicht mehr hineingehen.“ Joe Gibbs erinnerte daran, dass „wir mit Manuel Klinge unser Herz verloren haben“. Michi Christ fasste dann noch einmal zusammen: „Ja, die Emotionen haben gefehlt. Wir haben nicht den Biss gehabt. Aber wir haben viele Gespräche geführt. Wir wissen, dass mehr von uns kommen muss. Wir sind auf einem guten Weg.“ Und Rossi erwiderte auf die eingangs formulierte Kritik, die Fans würden nicht ernstgenommen: „Ihr seid der Grund, warum wir hier sind.

Viel Zündstoff und klare Worte

Einladung an Joe Gibbs: Fan Thomas Brede.

"Herr Gibbs, ich würde mich freuen, mit Ihnen ein Spiel von Beginn an aus Fan-Sicht zu erleben." So eröffnete Huskies-Anhänger Thomas Brede die Gesprächsrunde, schilderte seine Erfahrungen: Vom Parkplatz-Frust über ungenießbare Snacks („Würstchen nicht durch, Pommes nicht knusprig, und über die Frikadellenbrötchen muss ich nichts sagen“) und weiter zum Problem der fehlenden Heiß-getränke und geschlossenen Theken ab dem dritten Drittel. In der Antwort wies Geschäftsführer Joe Gibb auf die Wichtigkeit der VIPs hin und empfahl die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Fanbeauftragter Sven Breiter stellte einen virtuellen Kummerkasten in Aussicht, an den Beschwerden direkt per Email gesendet werden können. 

Anregungen und Kritik: Huskies-Fan Sven Albert.

Für Zündstoff sorgte die Diskussion um den aktuell fehlenden Schulterschluss von Fans und Mannschaft. Sven Albert, Fanclub Society Kassel: „Früher war es so: Je weiter das Team hinten lag, desto lauter wurde es. Das ist heute anders.“ Der langjährige Fan Stefan zeichnete eine düstere Zukunft: „Es wird immer leerer, die Stimmung miserabler. Wir steuern auf ein Desaster zu.“ Er sprach von Respektlosigkeit gegenüber den Fans. Dafür gab es Applaus der Anwesenden. „Der größte Respekt ist es doch, hochklassiges Eishockey hierher zu bringen. Es ist nicht leicht, das möglich zu machen“, konterte Gibbs. Emotionaler fiel die Antwort des Ur-Kasselers Michi Christ aus: „Ja, es zieht einen derzeit kaum noch mit. Dabei merkst du auf dem Eis ganz genau, wenn du angefeuert, unterstützt wirst. Wir müssen unsere Gemeinschaft wieder finden und fördern.“ 

Weitere diskutierte Themen: Der unmögliche Aufstieg in die DEL, der Gibbs zu reichlich Kritik am Eishockey-Oberhaus veranlasste. Der von einigen Fans als lustlos empfundene Abschied von Ex-Husky Sven Valenti und vermeintlich fehlende Unterstützung des Vereins beim Anti-Gewalt-Protest der Huskies-Fans beim Auswärtsspiel in Frankfurt. Einig war man sich letztlich darin, gemeinsam das Beste für die Huskies erreichen zu wollen. Alexander Heinrich passend: „Es geht doch wirklich nur zusammen.“

Von Frank Ziemke und Thomas Lange

Quelle: HNA

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