Eishockey-Jugend Kassel in Willingen

Im Sichtungscamp: Auf der Suche nach Eishockey-Talenten

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Künftig in der U17: Torhüter Nick Ekrot.

Um neue Talente zu finden, hat die Eishockey-Jugend Kassel ein Sichtungscamp veranstaltet. Wir waren dabei.

Um klare Worte ist niemand verlegen: „Die Luft hier ist echt appetitlich“, sagt eine Mutter, hält sich die Nase zu und lacht. Gegen den Schweißgeruch in der überfüllten Umkleide, in der die einen wieder in ihre Straßenklamotten steigen und die anderen blau-weiße Trikots überstreifen, wäre jedes noch so gute Deo machtlos.

Klare Worte finden später auch die Trainer. Sie werden mit Absagen für Enttäuschung sorgen, mit Zusagen für Freude. Wir sind vor Ort beim Sichtungscamp der Eishockey-Jugend Kassel (EJK) – in Willingen. Hier gibt’s das ganze Jahr über Eis, auch in der Sommerpause, die in der heimischen Eissporthalle längst begonnen hat.

Im Gespräch: Die Trainer Horst Fahl (links) und Jan Pantkowski beraten sich.

Die Idee:Ist im großen US-Profisport etabliert, für die EJK hingegen neu. Sie veranstaltet ein Sichtungscamp, um Talente der Jahrgänge 2000 bis 2005 zu entdecken und ihre Teams von der U15 aufwärts im Idealfall zu verstärken. Im Einsatz ist das neue hauptamtliche Trainertrio Jan Pantkowski, Ernst Reschetnikow und Horst Fahl.

Das Training:90 Minuten Sichtung ist die Devise. Angemeldet hatten sich deutlich mehr, gekommen sind letztlich vier Talente, die zur EJK wollen. Sie stammen aus Bielefeld, Paderborn, Brakel, Schlangen. „Kassel ist die beste Mannschaft in meiner Nähe“, sagt Nick Ekrot. Ein 14 Jahre alter Torhüter, der schon im Nachwuchs der Iserlohn Roosters gespielt hat. „Von ihm versprechen wir uns einiges“, kündigt Pantkowski vorab ab. Ekrot wäre trotz seines Alters einer für die U17.

„Gerade aber bei der U20 könnten wir Verstärkung gebrauchen“, sagt Fahl über das Team, das zur neuen Saison sieben Spieler ersetzen muss. „Wir reden in Kassel viel von guter Nachwuchsarbeit. Die Kinder sind unsere Goldbarren, in sie müssen wir investieren und ihnen eine Perspektive am Standort bieten“, betont Pantkowski.

Die EJK bettet das Sichtungscamp in eine Trainingseinheit ein. 20, 25 Jungs sind auf dem Eis, die meisten aus der U17. Aber auch ein Mädchen ist dabei, Lavinia Dörge, gerade einmal 13 Jahre alt und Torhüterin bei der U15. Von Scheu, nur mit den Jungs zu trainieren, keine Spur. Auch sie ist bei der EJK, weil Trainer Fahl sie mal beim Inline-Training entdeckte. „Ich bin viel direkter geworden und habe gelernt, mich durchzusetzen.“, erklärt sie.

Die Talente: Stehen natürlich unter besonderer Beobachtung. Pantkowski erklärt mit Pfiffen und lauter Stimme, was er sehen will. Sprints, Skating-Übungen, Spiele im Kleinfeld, später übers ganze Feld. Es geht um die läuferischen Fähigkeiten auf Schlittschuhen, die Stocktechnik, die Bewegungsabläufe. „Aus einem lahmen Gaul macht man kein Rennpferd“, erklärt Fahl. Schnell zeigen sich Unterschiede. Manches lässt sich durch Fleiß erarbeiten, anderes ist schlicht Talent. Immer wieder beraten sich die Trainer. Ihre Urteile sind einstimmig: „Das ist noch verdammt viel Arbeit“ oder „Sieht klasse aus“.

Fahl spricht zwischendurch auch mit den Eltern, ohne die in dieser Alterklasse nichts geht. Papa Herbold fährt Sohn Tonny (14) derzeit schon zum Training nach Brakel, würde auch die Touren nach Kassel übernehmen. „Das nehme ich gern in Kauf“, erklärt er. Die Familie lebt in Schlangen, Kassel ist 100 Kilometer entfernt. Verschwitzt läuft ihm Tonny entgegen. „Ich habe Lust auf die EJK. Es ist die nächste Stufe für mich.“

Tonny Herbold: Talent für die EJK

Das Fazit: Herbold und Ekrot haben überzeugt. „Wir werden jetzt abstimmen, wie wir ihnen die bestmögliche Perspektive bieten können“, erklärt Pantkowski und zieht ein Gesamtfazit: „Es war überschaubar, wir hatten uns mehr Beteiligung gewünscht.“ Es sei der erste Schritt in Richtung Neuausrichtung der EJK. „Wir müssen jetzt abliefern und uns zeigen und beweisen. Und vielleicht haben wir dann in den nächsten Jahren mehr Beteiligung. Wir brauchen auch die Profis als Partner, auch, um den Jungs ab der U17, wenn sie einmal da sind, eine Perspektive bieten zu können. Damit sie in Kassel bleiben.“

Quelle: HNA

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