„Eishockey gehört nach Nordhessen“

Huskies-Geschäftsführer Joe Gibbs über sein Team, das Finale und die finanzielle Situation

Geschäftsführer Joe Gibbs im Gespräch mit Clarke Breitkreuz (Nummer 71) beim Mediaday vor der Saison
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Gibt bei den Huskies die Richtung vor: Geschäftsführer Joe Gibbs im Gespräch mit Clarke Breitkreuz (Nummer 71) beim Mediaday vor der Saison.

Das Finale beginnt. Drei Siege sind die Eishockeyspieler der Kassel Huskies noch vom Aufstieg in die DEL entfernt. Die Erfüllung eines Traums bedeutet aber auch abseits des Eises viel Arbeit.

Kassel – Ein Gespräch mit Geschäftsführer Joe Gibbs über die Folgen der Corona-Saison und die Schwierigkeiten, Erstliga-Eishockey zu finanzieren.

Herr Gibbs, es geht ins Finale. Schlägt ihr Puls schon höher?
Ja natürlich. Das ist jetzt eine besondere Situation. Du spielst ja nicht dauernd ein Finale um den Aufstieg. Das ist aufregend für alle im Verein, etwas ganz Besonderes.
Steckt Ihnen der Schreck des Coronafalls in Ravensburg noch in den Gliedern?
Es waren natürlich seltsame Tage. Die Gesundheit der Spieler, unserer wie des Erkrankten in Ravensburg, steht ganz klar im Vordergrund. Wir sind im engen Kontakt und folgen allen Vorgaben des Gesundheitsamtes. Ich denke, die Saison zeigt, dass wir auch hier viel richtig machen. Trotzdem hast du dann auch den Gedanken, ob dir plötzlich die Chance genommen werden kann, um den Aufstieg zu spielen.
Nach derzeitigem Stand können die Huskies das. Wie groß ist Ihr Vertrauen, dass die Mannschaft dem Druck gewachsen ist?
Hundertprozentig wird sie das sein. Diese Mannschaft hat ein schweres Jahr hinter sich. Einige haben ihre Familie, ihre Freunde kaum sehen können. Aber sie haben das durchgezogen. Der Zusammenhalt im und um das Team ist groß. Ganz klar, sie kann mit Druck umgehen.
Wie laufen die Planungen abseits des Eises? Sie müssen zweigleisig fahren für DEL und DEL2, oder?
Ja, das ist eine große Herausforderung. Wir sind zuversichtlich, dass wir das für beide Ligen hinbekommen. Und dass wir die Abgabetermine einhalten können, auch für die erste Liga.
Sie haben Modernisierungen in der Halle angekündigt, wollen unter anderem einen Videowürfel installieren. Ein Erstliga-Kader erhöht die Kosten. Ist die DEL finanzierbar?
Wenn alle mithelfen und uns unterstützen, wenn Sponsoren und Fans hinter uns stehen, dann können wir das auf jeden Fall schaffen. Aber ich sage auch ganz klar: Das Budget bestimmt den Kurs. Wir werden kein Geld ausgeben, das wir nicht haben.
Finanziert wird hochklassiger Sport vor allem dank der Sponsoren. Wie sind die Signale?
Für viele unserer Sponsoren ist es eine schwere Zeit. Trotzdem haben wir positive Signale erhalten. Wir sind aber noch nicht in allen Gesprächen da, wo wir sein wollen.
Wie sieht es mit Ihrem Hauptsponsor Volkswagen aus?
Auch hier gilt: Wir stehen in Verhandlungen.
Das klingt zurückhaltend.
Es gibt gute Signale unseres wichtigsten Sponsors. Er will weiter dabei sein. Der Umfang der Unterstützung ist aber noch in Verhandlung.
Ist so etwas nicht vertraglich geregelt, wie sich ein Aufstieg auf die Sponsorensumme auswirkt?
Bei Volkswagen ist es so, dass der Vertrag ausläuft. Wir müssen also neu verhandeln. Ich hoffe sehr, dass die Zusammenarbeit bestehen bleibt. Wir haben schon über 20 gemeinsame Jahre hinter uns. Auch in schweren Zeiten konnten wir uns immer auf den Hauptsponsor verlassen.
Inwiefern haben die Planungen der zweiten Eishalle, die nicht direkt neben der Eissporthalle gebaut werden soll, Auswirkungen auf Ihre Pläne?
Ganz deutlich muss ich sagen: Ich bin nicht gegen eine zweite Halle. Ich sage aber auch, dass der Platz direkt neben der aktuellen Halle der beste dafür ist. In finanzieller Hinsicht bin ich beruhigt, weil Oberbürgermeister Christian Geselle erklärt hat, dass es keine Konkurrenzsituation, zum Beispiel beim Publikumslauf, geben wird.
Die Corona-Saison ohne Fans in der Halle wird Lücken gerissen haben. Wie sehr sind die Huskies getroffen? Und könnten sie noch eine Saison ohne Zuschauer überstehen?
Es ist die extremste Situation überhaupt. Ich bin jetzt seit 1999 dabei. Ich habe so viele Freunde und Bekannte in der Halle. Sie alle ein ganzes Jahr nicht hier zu sehen, das ist sehr schwer. Die Fans fehlen, die Sponsoren fehlen. Wir kommen da durch, aber eine weitere Saison ohne Zuschauer würde sehr schwer.
Haben die Einnahmen durch die Sprade-TV-Übertragungen geholfen?
Wir sind dankbar für das, was uns da gegeben wurde. So wie wir jedem Fan dankbar sind, der seine Dauerkarte bezahlt hat, obwohl er nicht dabei sein konnte. Das alles hat uns sehr geholfen, ist aber natürlich nur ein Teil vom Ganzen. Trotzdem kann ich sagen: Wie für die Mannschaft gilt auch hier, dass wir ein großartiges Team sind.
Zur Erstklassigkeit gehört auch ein starkes Team hinter der Mannschaft. Planen Sie in der Geschäftsstelle eine Aufstockung?
In der DEL könnten wir sicher ein paar Köpfe zusätzlich brauchen. Ich sage hier aber deutlich: Wir sind gut aufgestellt in der Geschäftsstelle. Es zählt ja nicht in erster Linie, wie viele wir sind, sondern was jeder Einzelne einbringt. Und alle hier liefern Top-Arbeit ab. Ich bin froh über dieses Team, und auch über unsere wichtigen Berater.
Matthias Eisenbach, der zu Saisonbeginn eingestiegen ist, gehört offenbar nicht mehr dazu.
Das stimmt. Das war seine Entscheidung. Er hat sich für einen anderen Weg entschieden, mehr gibt es da nicht.
Trotz einer Unabwägbarkeiten und eines starken Finalgegners: Können die Huskies den Aufstieg schaffen?
Ein klares Ja. Wir wollen in die DEL. Das war von Saisonbeginn an unser Plan. Finanziell brauchen wir noch Unterstützung. Dies ist für uns ein wichtiger Punkt und wir hoffen, dass wir von der gesamten Region unterstützt werden. Eishockey-Spitzensport gehört einfach nach Nordhessen. Für die Mannschaft gilt: Sie kann das, das hat sie in der gesamten Saison bewiesen.

(Frank Ziemke)

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