Eishockey

Huskies-Abschied von Kölner Trio als Tabellenführer?

Abklatschen mit den Kollegen auf Zeit: Marcel Müller (40) hatte bislang bei den Huskies oft Grund zum Jubeln.  
Archivfoto: DIETER SCHACHTSCHNEIDER
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Abklatschen mit den Kollegen auf Zeit: Marcel Müller (40) hatte bislang bei den Huskies oft Grund zum Jubeln. Archivfoto: Dieter Schachtschneider

An diesem Wochenende spielt das Kölner Trio Marcel und Moritz Müller sowie Dominik Tiffels letztmals im Trikot der Kassel Huskies: Heute gegen den EV Landshut (19.30 Uhr, Eissporthalle), am Sonntag in Bayreuth (17 Uhr).

Kassel – Der Blick auf die Rangliste könnte zum Frohlocken verleiten: Nach dem Sechs-Punkte-Wochenende gegen Dresden und beim damaligen Spitzenreiter Ravensburg haben die Huskies nun selbst die Chance, die Tabellenführung in der zweiten Deutschen Eishockey-Liga zu übernehmen. Dafür aber werden zwei weitere Siege nötig sein – am heutigen Freitag im Spitzenspiel des Vierten gegen den Dritten EV Landshut (19.30 Uhr, Eissporthalle Kassel) und Sonntag im Gastspiel in Bayreuth (17 Uhr), beim Vorletzten.

Doch Vorsicht, mahnt Tim Kehler, „beide Rivalen werden sehr motiviert sein und uns vor große Herausforderungen stellen“. Die Landshuter, weil ihr Rumpfkader den Ausfall von sieben Spielern kompensieren will, die wegen positiver Coronatests in Quarantäne sind. Und die Bayreuther, „weil sie nach ihrer Coronapause mit viel Energie und Begeisterung“ in ihrem erst dritten Saisonspiel beim 1:4 in Bad Nauheim „einen beherzten Auftritt gezeigt, sich gut geschlagen und über lange Zeit ein ganz offenes Spiel erzwungen haben“, sagt Kehler. Und weiß: „Bayreuth ist immer schwer zu spielen, unbequem und aus einer starken Abwehr heraus sehr effektiv.“

Zunächst aber geht’s gegen Landshut. Ohne die verletzten Joey Luknowsky und Marc Schmidpeter, vielleicht auch ohne den angeschlagenen Clarke Breitkreuz. Aber mit Leon Hungerecker im Tor, am Sonntag soll Jerry Kuhn ran. Mit der Qual der Wahl aus mehr Verteidigern, als die Ü-24-Regel zulässt – weshalb Joel Keussen trotz Fortschritten noch geschont werden kann. Vor allem aber können die Huskies am Wochenende ein letztes Mal auf ihr Kölner Trio bauen. Erst am Dienstag werden Marcel und Moritz Müller sowie Dominik Tiffels zu den Haien zurückkehren und sich auf den DEL-Start am 17. Dezember vorbereiten.

Gewöhnlich blickt Trainer Kehler nicht auf die Tabelle. „Aber jetzt könnte es eine besondere Motivation sein für das Trio und alle anderen, den Abschied dann als Spitzenreiter zu feiern“, sagt der Kanadier. Keine Frage, die DEL-Spieler „sind eine enorme Verstärkung mit viel Klasse und Erfahrung“. Attribute, die gerade jetzt wichtig sind. „Wir haben es im Training gut geschafft, die Diskussionen über Virus und Spielplan auszublenden. Am Dienstag wurde uns signalisiert, dass wir am Freitag spielen werden. Gegen Landshut oder einen anderen Gegner“, sagt Kehler. „Da gab es nur wenig Ungewissheit, sondern eine Vorbereitung im üblichen Rahmen.“

Sorge, dass die Huskies auf erkrankte Landshuter treffen könnten, zerstreut Manuel Klinge. „Das Gesundheitsamt dort hat infizierte Spieler isoliert, nach weiteren Tests gelten die verbleibenden Spieler als gesund“, sagt der Huskies-Sportchef. Und: „Ich habe großes Verständnis für die Situation beim EVL. Und niemand weiß, wann es ihn selbst treffen kann, auch wir nicht. Aber die DEL2 hat anhand der Spielordnung entschieden. Eine Verlegung würde viel mehr Probleme provozieren.“

Leif Carlsson (55), Landshuts neuer Trainer aus Schweden, einst DEL-Spieler in Berlin (1996 - 2000) und Oberhausen (2000/01), hat im Normalfall auch zwei Weltenbummler und Ex-Nationalspieler dabei: Im Tor Dimitri Pätzold (37) mit Einsätzen in DEL (485), NHL (3) und KHL (1); im Angriff Felix Schütz (33), der erstklassig aktiv war in der DEL (351), in Schweden, Russland und Lettland. Mit fünf Toren und sieben Vorlagen ist er DEL2-Topscorer, Zach O’Brien (5+5) und Marcus Power (2+5) stehen nur wenig nach. (Gerald Schaumburg)

Landshuter verärgert und enttäuscht über Entscheidung

Die Entscheidung der DEL2, dass der EVL angesichts der Spielordnung in Kassel und gegen Bietigheim anzutreten hat, sorgt in Landshut für Verärgerung. Eine einvernehmliche Einigung über Verlegungen beider Spiele sei möglich gewesen. Aber trotz einer Empfehlung des Landshuter Gesundheitsamtes, den Spielbetrieb auszusetzen, hätten beide Klubs eine vom EVL beantragte Verlegung abgelehnt, erklärte EVL-Geschäftsführer Ralf Hantschke. Es sei „sehr enttäuschend, dass beiden Vereinen (...) scheinbar nicht daran gelegen ist, dem Infektionsschutz, der sportlichen Wertigkeit sowie der Chancengleichheit und dem Fairplay-Gedanken nachzukommen“. Dies sei „ein ganz schlechtes Zeichen für den Sport“.

In Kassel könne der EVL aufgrund von Quarantäne und Ausfällen weiterer Spieler, die grippeähnliche Symptome zeigen, zuletzt aber negativ getestet wurden, wohl nur fünf Verteidiger, fünf Stürmer und zwei Torhüter einsetzen. Angesichts des allgemein hohen Infektionsrisikos und spezieller Risiken einer Reise sei es für den EVL nicht zu verantworten, Förderlizenzler aus Straubing einzusetzen. Der eigene Nachwuchs ist seit vier Wochen nicht mehr im Training, darum „wäre eine Nachnominierung verantwortungslos“, so Hantschke.

Es gehe nicht darum, die Erkrankungen willkürlich auszunutzen und „uns hinter Corona zu verstecken. Die Gesundheit der Spieler und Mitarbeiter aller Vereine muss immer an erster Stelle stehen. Eine Verlegung wäre die einzig richtige Entscheidung gewesen. Ein Nicht-Antreten und die folgende Spielwertung mit 0:5 kam aus Gründen der Solidarität und um dem Image des Eishockeys nicht nachdrücklich zu schaden, nicht in Frage.“ (sam)

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