„Ich liebe diese Mannschaft“:

„Rockstar des Handballs“ zurück in der HBL - er spendet sein gesamtes Gehalt

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Kim Ekdahl du Rietz kehrt zu den Rhein-Neckar Löwen zurück

Nun ist es offiziell: Kim Ekdahl du Rietz soll die Rhein-Neckar Löwen zu weiteren Titeln führen. Sein Gehalt will der "Rockstar des Handballs" spenden.

Mannheim/Hamburg - Für den "Rockstar des Handballs" holte Oliver Roggisch sogar das Sakko aus dem Schrank. Im feinen Zwirn und mit einem seeligen Dauergrinsen verfolgte der Teammanager der Rhein-Neckar Löwen die Vorstellung des Rückkehrers und Hoffnungsträgers Kim Ekdahl du Rietz.

"Es gibt in dieser Phase nur wenige Spieler, die uns so helfen können wie Kim", sagte Roggisch. "Die Jungs freuen sich tierisch auf ihn. Wer Kim kennt, der weiß, dass er nicht nur als Sportler wichtig ist, sondern auch als Typ. Gerade in dieser Phase. Jetzt kommen die entscheidenden Spiele." Mit der Reaktivierung des schwedischen Rückraumspielers, bei der Pressekonferenz als "Rockstar des Handballs" gepriesen, ist den Löwen pünktlich zum Saison-Endspurt ein Coup gelungen.

"Das ist wie ein Traum für mich, total surreal", sagte Ekdahl du Rietz. Seine Rückkehr fast neun Monate nach seinem vermeintlichen Karriereende nannte er ein "schönes" und "spannendes Abenteuer. Es fühlt sich verdammt richtig an." Sein Debüt gibt der 28 Jährige, der zuletzt mit dem Rucksack um die Welt gereist war, im Pokal-Viertelfinale am Dienstag gegen SC DHfK Leipzig. Für die Champions League ist er ab der K.o.-Phase spielberechtigt.

Ausstieg vom Ausstieg aus dem Profisport

Aussteiger Ekdahl du Rietz legte bei seiner im Internet live übertragenen Rückkehr auf die Handballbühne einen durch und durch sympathischen Auftritt hin. Der Rechtshänder mit dem kraftvollen Armzug, dessen Vertrag bis Saisonende gilt, kündigte an, sein gesamtes Gehalt der kommenden Monate für einen guten Zweck zu spenden. "Ich ziehe meinen Hut vor dieser Entscheidung. So etwas sieht man sehr selten im Sport, im Fußball überhaupt nicht. Im Handball ist er auch der erste", sagte Roggisch: "Ich hoffe, dass das Nachahmer findet."

Ein Dreiviertel Jahr ist es inzwischen her, dass sich Ekdahl du Rietz am 10. Juni des vergangenen Jahres unter Tränen verabschiedet hatte. Dem Ausnahmekönner mit den zotteligen Haaren, der die Löwen zuvor zu zwei Meisterschaften geführt hatte, war die Lust am Profisport vergangen. Stattdessen bereiste er ferne Länder, lernte fremde Sprachen und genoss zwischendurch auch immer wieder das einfache Leben in seinem Schrebergarten in Lund, seiner Basis in der schwedischen Heimat. Der Handball geriet in weite Ferne.

Zuletzt lebte der Aussteiger in einer Dreier-WG in Bordeaux zusammen mit einem jungen Mann und einer 68 Jahre alten Frau. "Ich dachte, dass ich nie wieder einen Handball werfen würde", berichtete Ekdahl du Rietz nun. Doch als sich mit Löwen-Abwehrchef Gedeon Guardiola ein weiterer Leistungsträger verletzte, ließ er sich zu einem Comeback breitschlagen.

„Die Power ist noch da“

"Ich liebe diese Mannschaft und das ganze Drumherum, die Halle, die Fans", sagte Ekdahl du Rietz. So sei es am Ende "selbstverständlich" gewesen, dass er aushilft. Er sei "fast aufgeregter wieder zurückzukommen, als wegzugehen."

Worte, die man Ekdahl du Rietz ohne Wenn und Aber abnimmt. Der studierte Psychologe ist ein Gefühlsmensch, lebensbejahend und tiefenentspannt. Während seiner Reisen nach Liberia und Australien, in den Senegal und nach Neuseeland fing sein Handballherz plötzlich wieder zu schlagen an.

"Die Power ist noch da", sagte Ekdahl du Rietz zuletzt in einem schwedischen Podcast und fügte lachend hinzu: "Ich habe allerdings das Gefühl, dass meine Schultern explodieren, wenn ich den Ball werfe. Aber das kommt schnell zurück."

sid

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