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Der WM-Kader ist wieder geöffnet

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Högschde Aufmerksamkeit auf der Tribüne: Jogi Löw schaut genau hin, was von seinen WM-Kandidaten kommt. © dpa

München - Klausur im Schwarzwald: Bundestrainer Joachim Löw kündigt in seiner Zeitnot eine neue Sichtungs-Welle für die Fußball-WM in Südafrika an.

Es ist Nebensaison im Hotel Engel Obertal in Baiersbronn im Schwarzwald. Das macht die Klausur des Bundestrainers und seiner Assistenten zumindest schon mal preisgünstig. Für 138 Euro gibt’s ein 30-Quadratmeter-Einzelzimmer, Frühstücks- und Lunchbuffet inklusive, das Upgrade auf Vollpension kostet 25 Euro extra. Suiten hat es auch in der Fünf-Sterne-Anlage, bis zu 120 Quadratmeter groß, für 208 Euro die Nacht. Der Wellnessbereich heißt „Paradies Wolke 7“, empfehlen möchte man den Gästen aus der Fußballbranche das Programm „Slimness – Eine wohltuende und entstauende Beinmassage“ für 41 Euro.

Hierhin haben sich Joachim Löw und seine Vasallen von der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft zurückgezogen, um die WM-Vorbereitung zu besprechen. Es ist schon die zweite Klausurtagung binnen zwei Wochen (die erste war in München), eigentlich sollte zu diesem Termin (12. bis 14. April) ein Leistungstest mit den Nationalspielern stattfinden. Doch der wurde abgesagt, mit Rücksicht auf die Vereine – man kann sich gut vorstellen, was los wäre, müssten etwa die Akteure des FC Bayern, ohnehin gestresst von sieben Schlüsselspielen in drei Wochen, noch drei Tage antreten zu Sprint, Sprung, Ausdauerlauf.

Löw hat den Ausfall der Fitnessüberprüfung nach außen hin gelassen aufgenommen – doch dass er auf eine weitere Maßnahme verzichten muss, passt in dieses für seine Belange bislang missratene Jahr. Die Brennpunkte: Offener Vertragsstreit mit dem DFB, öffentlicher Druck im Fall Kuranyi, Krisen und Verletzungen von Stammspielern – und schließlich: das Szenario einer Vorbereitung, die immer überschaubarer wird. Dabei hatte Löw immer betont, er werde alles hinkriegen, „wenn wir vor der WM genügend Zeit haben“.#

Doch zum ersten Trainingslager auf Sizilien (14. bis 21. Mai) kommen die Münchner oder Bremer schon mal später, weil sie am 15. Mai Pokalfinale haben (außerdem bestreitetMichael Ballack mit Chelsea da das FA-Cup-Finale). Erreichen die Bayern auch noch das Champions League-Endspiel am 22. Mai, würden sie erst beim Rest der Nationalmannschaft eintrudeln, wenn diese in Eppan/Südtirol (21. Mai bis 2. Juni) den taktischen Feinschliff kriegen soll. „Je später ich alle Spieler habe, desto schwieriger wird es, alle auf ein Niveau zu bringen“, sagt Löw im „Bild“-Interview. Angesagt sein werden: „Flexibel arbeiten, bis zur WM den Spagat schaffen.“

Eigentlich wollte Löw sich zum jetzigen Zeitpunkt sicher sein über das Gesicht seines WM-Kaders. Nun stellt er fest, dass er neben den Verletzungsfällen (Rolfes, Jansen, Khedira) auch einige Spieler mit einem echten Leistungsproblem hat: Klose, Podolski, Hitzlsperger. Löw erhöht den Druck, kündigt eine neue Scouting-Welle an: „Unser Auswahlverfahren ist noch längst nicht abgeschlossen.“ Am 6. Mai im Stuttgarter Mercedes-Museum wird Löw deutlich mehr als 23 Spieler nominieren, bis zum Meldeschluss bei der FIFA kann dann noch fast einen Monat gecastet werden.

Vor den vergangenen Großereignissen gab es zudem immer eine Überraschungsberufung. Für die WM 2006 David Odonkor, vor der EM 2008 kam Zweitligaspieler Marko Marin zumindest in den erweiterten Kader von 26 Aspiranten.

Vielleicht kommt Löw im Schwarzwald eine Eingebung. Im Angebot des Hotels ist auch die Massage „Lomi Lomi Nui. 2 Stunden loslassen und schweben.“ Könnte ja mal helfen: Das Nationalteam braucht Pflege.

Günter Klein

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