Nach Halbfinal-Einzug

„11Freunde“ verweigert trotz CL-Halbfinale Leipzig-Berichterstattung: „Tendenziös und heuchlerisch“

Yussuf Poulsen von RB Leipzig hebt die Hände fragend zur Seite und ruft etwas in Richtung Schiedsrichter
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Nicht nur Yussuf Poulsen fragt sich: „Was soll das?“ - Deutsches Fußball-Magazin will nicht über RB Leipzig berichten

Ein bekanntes Fußball-Magazin weigert sich über RB Leipzig zu berichten und begründet diese Entscheidung. Dennoch kassieren die Redakteure einen Shitstorm auf Facebook.

  • Ein bekanntes Fußball-Magazin weigert sich über RB Leipzig in normaler Form zu berichten.
  • Beim Champions-League-Spiel gegen Atletico Madrid verzichten die Redakteure auf den beliebten Liveticker.
  • Schon länger stört sich das Magazin an der Berichterstattung über den aufstrebenden Klub.

Berlin - Diese Fehde hat eine lange Vorgeschichte. Um sie aber kurz zusammenzufassen: Das deutsche Fußball-Magazin 11 Freunde kann mit dem Konstrukt „RasenballSport Leipzig“ wenig bis gar nichts anfangen. Daher berichten die Redakteure nicht auf die herkömmlich Weise über den Bundesliga*-Klub aus dem Osten. So geschehen beim Champions-League-Viertelfinale der Bullen gegen Atletico Madrid. Das Magazin verzichtete darauf, das Spiel live auf der eigenen Homepage zu tickern.

Als Grund für den Boykott schreibt Redakteur Max Dinkelaker in einem Artikel vom 14. August: Es sei nicht so, „dass wir auf Klick­zahlen pfeifen und finan­ziell nicht darauf ange­wiesen wären, dass Men­schen unsere Inhalte lesen. Wir haben uns – mal wieder – dagegen ent­schieden, weil wir das Kon­strukt RB Leipzig* nicht weiter nor­ma­li­sieren wollen. Wes­halb wir schon seit jeher, auch unab­hängig vom Live­ti­cker, weder im gedruckten Heft noch auf 11freunde​.de im her­kömm­li­chen Sinne über Leipzig berichten.“

RB-Leipzig-Boykott: Fußball-Magazin will nicht über „besonderen“ Ostverein berichten

Der Liveticker des Magazins zählt zu den beliebtesten unter Fußballfans. Zudem wurde er unter anderem mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In der Begründung heißt es: „Ob Bundesliga* oder Champions League*: Die 11-Freunde-Redaktion tickert humorvoll und begleitet die Spiele mit einem vielfältigen – nicht immer zwingend sportlichen – Themenrepertoire." Und genau darauf müssen alle Leipzig-Fans schon länger verzichten.

Im Dezember 2016 hatte das Magazin letztmals eine RB-Partie getickert. Nämlich das damalige Topspiel gegen den FC Bayern*. Damals unter der Annahme, „dass den aller­meisten Men­schen klar ist, dass RB nicht ein­fach irgend­eine nor­male Bundesliga-Mannschaft* stellt und dieses Top­spiel nicht irgendein nor­males Top­spiel sein würde“, wie Dinkelaker in seinem Artikel schreibt. Diese Annahme soll aber falsch gewesen sein. So kritisiert der 11-Freunde-Autor einen „medialen Stimmungswechsel“ wie beispielsweise bei der Süddeutschen Zeitung oder der Welt, die nicht differenziert genug über Leipzig berichten würden.

Fehde mit Bundesliga-Klub: Fußball-Magazin verzichtet auf RB-Leipzig-Berichterstattung

Die Vorwürfe sind nicht neu. Das Projekt „RB Leipzig“ spaltet die Fanszene. Die eine Hälfte findet gut, was in Sachsen passiert, die andere Hälfte vermutet hinter dem von Red Bull finanzierten Klub den Totengräber des Fußballs. Von Beginn an hatte sich die 11-Freunde-Redaktion auf die Seite der Traditionalisten geschlagen: „Es geht darum, [...] dass RB Leipzig ein reines Mar­ke­ting­pro­jekt ist. Einzig und allein geschaffen, um die Marke Red Bull zu stärken. RB Leipzig ist kein Fuß­ball­verein, RB Leipzig ist ein Imitat.“

Auf Facebook kommt das klare Kante zeigen bei einigen Usern gut an. Dennoch hagelt es einen Shitstorm für das Magazin. Einer kritisiert: „Tendenziös und heuchlerisch! Klicks sind egal? Es wird nicht berichtet? Was ist dann bitte dieser Artikel? Genau, Berichterstattung!“ Ein weiterer schreibt: „Meine Herren, das ist ja an Lächerlichkeit kaum zu übertreffen. Falls ihr es noch immer nicht gemerkt habt: der Fußball und das ganze Marketing-Spielerberater-PR-Gedöns drumherum ist seit vielen, vielen Jahren völlig im Arsch, dazu braucht es gar kein Konstrukt wie RB.“ 

RB Leipzig und 11 Freunde - Fußball-Magazin boykottiert Leipziger Spiele

Immer wieder wird den Autoren Doppelmoral vorgeworfen, dass sie über „Kommerz-Vereine“ wie Manchester City oder Paris Saint-Germain sehr wohl berichten. „Ich schäme mich richtig fremd, wenn ich diesen Artikel lese. Ihr dürftet nicht eine Zeile über Fussballspiele schreiben, wenn ihr die Kommerzialisierung nicht unterstützen wollt“ oder: „Ihr füllt ganze Seiten über Clubs wie ManCity, Real Madrid, PSG etc aber regt euch immer noch über RB Leipzig auf? Lächerliche Doppelmoralisten“ ist in den Kommentarspalten zu lesen.

Facebook-Kommentare auf den 11-Freunde-Boykott von RB Leipzig

Am Dienstagabend (18.8.) um 21 Uhr spielt RB Leipzig im Champions-League-Halbfinale gegen PSG. Erstmals stehen die Bullen in einem Europapokal-Halbfinale. 11 Freunde wird auch dieses Mal auf ihren beliebten Ticker verzichten. Sie bleiben sich treu, werden den Verein weiter boykottieren. Oder um es mit den Worten von Redakteur Max Dinkelaker zu sagen: „Red Bull wollte den Verein nicht nur ​‘wei­ter­bringen‘. Red Bull hat diesen Verein geboren.“

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