Platini bleibt UEFA-Chef - Zwanziger ins FIFA-Exko

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Michel Platini

Paris - Michel Platini bleibt bis 2015 Präsident der Europäischen Fußball-Union. Der DFB-Präsident Theo Zwanziger, den die Wahl über Platini erfreut, wird ins FIFA-Exko gewählt.

DFB-Präsident Theo Zwanziger ist neuer „Außenminister“ des deutschen Fußballs, Michel Platini bleibt bis 2015 Chef der UEFA: Trotz des offen ausgetragenen Machtkampfes zwischen FIFA-Präsident Joseph S. Blatter und dessen Herausforderer Mohamed Bin-Hammam verliefen die Wahlen beim 35. Kongress der Europäischen Fußball-Union UEFA am Dienstag überraschend geräuschlos. Platini startete am Dienstag im Grand Palais in Paris damit in seine zweite Amtszeit als UEFA-Präsident, Zwanziger als Nachfolger von „Kaiser“ Franz Beckenbauer in seine erste als Mitglied des 24-köpfigen FIFA-Exekutivkomitees.

„Ich freue mich sehr über die Wahl in die Weltregierung des Fußballs. Wir als DFB wollen der FIFA nun etwas von dem zurückgeben, was sie uns mit der WM 2006 und der Frauen-WM 2011 geschenkt hat. Als starke Fußball-Nation und wohl mitgliedsstärkster Verband der FIFA zieht der DFB besonders die Aufmerksamkeit auf sich. Deshalb müssen wir weiter aufpassen, dass wir nicht als Besserwisser auftreten“, sagte Zwanziger dem SID.

Der 65 Jahre alte Jurist aus Altendiez wurde auf dem UEFA-Kongress von den 53 Delegierten per Akklamation in die FIFA-Exekutive gewählt. Beckenbauer saß von 2007 bis 2011 im FIFA-Exko. Zuvor hatte Gerhard Mayer-Vorfelder den DFB von 1992 bis 1998 sowie von 2002 bis 2007 in der Exekutive des Weltverbandes vertreten. Nun wird DFB-Boss Zwanziger als des Kaisers Erbe bis mindestens 2015 in dem wichtigen Gremium sitzen. 

Unter dem Applaus der Delegierten wurde auch UEFA-Präsident Platini in seinem Amt bestätigt. „Ich bin stolz, der UEFA weiter dienen zu dürfen. Das ist die schönste Belohnung für meine ersten vier Jahre in diesem Amt“, sagte der 55-Jährige im Grand Palais: „Ich mag die Rolle als Spielführer der UEFA und werde alles dafür tun, den Fußball für unsere Kinder und Enkel zu schützen.“

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Der Europameister von 1984 konnte sich in den ersten vier Jahren als wichtigster Fußball-Funktionär in Europa sowohl auf sportlicher als auch auf politischer Ebene etablieren. Der Franzose war im Jahr 2007 in Düsseldorf als Nachfolger des Schweden Lennart Johansson zum UEFA-Präsidenten gewählt worden. Platini steht vor allem für das ab der kommenden Saison in den europäischen Klubwettbewerben greifende Financial Fair Play.

Offen bleibt derweil bis zum Kongress des Weltverbandes am 31. Mai und 1. Juni, welche FIFA-Kommission Zwanziger in Zukunft anführen wird. „Sollte ich in der FIFA ähnliche Themenfelder besetzen wie bei der UEFA, hätte das den Vorteil, dass ich nicht so viele repräsentative Auslandsreisen machen müsste und dennoch an wichtigen Schnittstellen arbeiten könnte. Wenn ich aber wie Franz Beckenbauer in eine Wettbewerbskommission soll, dann wäre ich deutlich mehr unterwegs“, sagte Zwanziger, der sich in Zukunft auf nationaler Ebene deutlich zurücknehmen muss.

Deshalb warnte auch DFB-Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder Zwanziger vor der künftigen Dreifachbelastung. „Ich habe es ja in meiner eigenen Zeit beim DFB erlebt, dass man vor Intrigen nicht gefeit ist, wenn man ständig unterwegs ist. Da wird dann auch schon mal Zirkus veranstaltet, weil man gerade nicht da ist. Es könnte die Gefahr bestehen, dass Theo Zwanziger bei den Landesverbänden seinen Nimbus verliert, wenn er zu oft unterwegs ist“, sagte „MV“.

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FIFA-Präsident Joseph S. Blatter nutzte seine Reise in die französische Hauptstadt erwartungsgemäß als Wahlkampfveranstaltung. Der Schweizer erklärte allerdings etwas überraschend, dass er spätestens nach der nächsten Wahlperiode im Sommer 2015 sein Amt als FIFA-Boss abgeben werde. „Ich brauche diese vier Jahre noch, um das Abenteuer zu Ende zu bringen. Es werden meine letzten vier Jahre sein, wenn ich erneut gewählt werde“, sagte Blatter mit viel Pathos in der Stimme.

Der Machtkampf zwischen Blatter und Bin-Hammam hatte am Montag die Sitzungen der UEFA-Exekutive überschattet. Bin-Hammam wollte am Dienstag nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen und hielt sich verbal zurück. „Es wäre eine Katastrophe, wenn die Kampfabstimmung zu einer Spaltung im europäischen Fußball führt“, sagte Beckenbauer.

Am Dienstag wollte sich Platini nicht positionieren, Zwanziger dagegen ließ ein Votum des DFB für Blatter durchblicken: „Wir sind Europäer. Und wir wissen, wo unsere europäischen Interessen am besten aufgehoben sind.“

sid

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